Deutschland liest vor

Hagen. (AnS) Für kleine wie große Leseratten ist die Stadtbücherei Hagen ein wahres Paradies. Allein im Kinder- und Jugendbereich stehen über 30.000 Medien in den Regalen, weitere 25.000 warten im Keller auf ihren Einsatz. Sogar die Jüngsten finden hier reichbebilderte Geschichten über neugierige Maulwürfe und nimmersatte Raupen, die sie selber gucken oder sich vorlesen lassen können. Doch ein Buch in die Hand zu nehmen, sich für den Inhalt zu begeistern, Zeit zusammen damit zu verbringen – immer weniger Kinder und Eltern tun dies.

Wie wichtig Lesen und Vorlesen ist, zeigt eine aktuelle Studie: Regelmäßiges Vorlesen prägt das soziale Empfinden und Verhalten von Kindern positiv und unterstützt die individuelle Entwicklung von schulischen Leistungen bis hin zu familiären Bindungen. Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt, selbst jenseits ihres unmittelbaren Umfelds. Genau aus diesem Grund rufen der Wochenkurier, die Stadtbücherei und insbesondere die Initiatoren der Stiftung Lesen am kommenden Freitag, 20. November 2015, zum großen Vorlesetag auf.

Fernsehen statt lesen

Auch Charlotte Lehmann, Leiterin der Hagener Kinder- und Jugendbücherei, freut sich auf den Vorlesetag am Freitag, 20. November 2015. (Foto: Anja Schade)
Auch Charlotte Lehmann, Leiterin der Hagener Kinder- und Jugendbücherei, freut sich auf den Vorlesetag am Freitag, 20. November 2015. (Foto: Anja Schade)

Es ist so einfach, Kindern mit in die fantastische Welt der Buchstaben zu nehmen. Charlotte Lehmann weiß das: Sie ist Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei auf der Springe und bietet gemeinsam mit ihren Kolleginnen viele Veranstaltungen rund ums Vorlesen an.  Das Medienverhalten hat sich natürlich verändert“, hat auch sie bemerkt. Heutzutage seien Fernseher, Computer und Handy oft wichtiger.  Hinzu kommen die Schulzeiten, die die Kinder immer länger binden. Und dann fehlt häufig die Lust vorzulesen, auch bei den berufstätigen Eltern“, dafür zeigt Charlotte Lehmann, selbst Mutter von drei Kindern, durchaus Verständnis. Sie hat die Erfahrung gemacht, das im Kindergartenalter das Vorlesen noch sehr gut funktioniere.  Natürlich spielt das Verhalten der Eltern eine Rolle. Sehen sie den Büchereibesuch als selbstverständlich an, kommt auch der Nachwuchs gern. Schwieriger ist es, die Jugendlichen in unser Haus zu bekommen.“

Beim bundesweiten Vorlesetag ist natürlich auch die heimische Bücherei dabei – wie schon in den letzten Jahren. Städtische Größen unterhielten dabei die kleinen Zuhörer: Der damalige Oberbürgermeister Jörg Dehm hat das Buch in die Hand genommen genauso wie Polizeipräsident Frank Richter und Generalmusikdirektor Florian Ludwig. Dieses Mal zu Gast als prominenter Vorlesepate ist um 9.30 Uhr der Bundestagsabgeordnete René Röspel, der 2015 auch Schirmherr der volmestädtischen Veranstaltung ist. Zwei dritte Klassen der Grundschulen Emst und Goldberg, Teilstandort Franzstraße, dürfen es sich gemütlich machen und einer spannenden Geschichte lauschen.

Vorlesetag mit Rene Röspel

„Rosie und Moussa“ heißt das Buch von Michael De Cock, das die beginnende Freundschaft zwischen zwei Kindern erzählt: Moussa will Rosie unbedingt zeigen, wie schön die Stadt von oben aussieht. Natürlich ist es strengstens verboten sich auf dem Dach des Hochhauses aufzuhalten, weshalb auch keiner wissen darf, dass sie dort oben sind. Und dann sind sie plötzlich ausgeschlossen, die einzige Tür nach unten ist zu…

Damit Kinder auch konzentriert zuhören, müssen immer mehrere Kriterien gegeben sein. Charlotte Lehmann hat die Geschichte ausgewählt, weil sie nicht zu lang ist, einen interkulturellen Aspekt hat und der Krimi-Inhalt fesselt.  Mehr als eine Dreiviertel-Stunde halten die Schüler oft nicht durch.“ Im Anschluss gibt es noch die Möglichkeit, René Röspel mit Fragen über seinen Beruf zu löchern und sich ein Autogramm des Politikers zu holen.

Vom Schoßkind zum Jugendlichen

Kinder lesetechnisch zu fördern, ist natürlich auch sonst Ziel der Bücherei. Verschiedene Veranstaltungen übers Jahr verteilt, laden dazu ein.  Es macht einfach Spaß, in strahlende Kinderaugen zu sehen“, erklärt Charlotte Lehmann. Vier ehrenamtliche Vorlesepatinnen und eine  Springerin“ teilen sich die Aufgabe: Vom Vorlesespaß bis zu den Schoßkindern und dem Bilderbuchkino ist für alle Altersgruppen etwas dabei. Charlotte Lehmann hat das  Kamiphibai“ übernommen, ein japanisches Papiertheater. In elf Bildern wird eine Geschichte lebendig erzählt und anschließend das Gehörte gemalt und oft von den Kleinen in eigenen Worten nacherzählt. Denn auch die Sprachförderung erachtet die Bibliothekarin als wichtig ebenso wie Verknüpfungen, die im Verarbeiten, eben dem Zeichnen, entstehen. Ältere Kinder lockt die Bücherei mit Führungen, dem Sommerleseclub und bestehenden Kooperationen mit Schulen.  Wir verstehen uns als Anreizgeber, damit Lesen wieder selbstverständlich wird und an Bedeutung gewinnt.“

Wie bei so vielen Dingen fängt es im Kleinen an: das Motto beim Vorlesetag heißt denn auch:  Viel hilft viel“ und das (Vor-)Lesen kann Zuhause problemlos fortgeführt werden.  Ich sage Kindern und Eltern immer: der Aufwand, sich ein Buch aussuchen und es dann gemeinsam zu lesen, ist letztendlich gar nicht so groß.“ Und bringt in jedem Falle viel!

Wochenkurier: Überraschung am 17. Dezember

Bei einer Zeitung geht es gewissermaßen ja auch um einen Lesespaß. Deshalb will der Wk künftig ein wenig dazu beitragen, das Vorlesen zu fördern – mit besonderen Aktionen. Alle Eltern oder Großeltern sollten sich zusammen mit ihren Kindern schon einmal den 17. Dezember vormerken. Dann wollen der Wochenkurier und die Stadtbücherei gemeinsam eine weihnachtliche Vorlesestunde präsentieren. Auf der großen Lesetreppe der Stadtbücherei wird ab 16 Uhr  Der kleine Hase im Weihnachtswald“ unterwegs sein – und dazu gibt es eine Überraschung vom Wochenkurier. Mehr wird heute noch nicht verraten…