Die hohe Kunst des weiten Schlags: Ein Baseball-Selbstversuch bei den Hagen Chipmunks

[1/2] Zweimal ging der Schlag ins Leere

[1/2] Zweimal ging der Schlag ins Leere, bevor Volontär Heiko Cordes dem Ball einen zarten Schlag verleihen konnte. (Foto: Christina Schröer) [2/2] Auf die Haltung kommt es an: Erster Vorsitzender und Coach Thorsten Michaels unterrichtet Heiko Cordes im k

Haspe. Die Sportjugend des Stadtsportbundes Hagen veranstaltet in Kooperation mit den Hagen Chipmunks am Dienstag, 18. Juli, von 10 Uhr bis 16 Uhr einen Aktionstag inklusive Baseball-Schnupperkurs. Kinder und Jugendliche von 10 bis 16 Jahren können auf der Sportanlage der Chipmunks am Hasper Kursbrink erste Schlag- und Wurfversuche starten.
Wochenkurier-Volontär Heiko Cordes hat bereits den Selbsttest gemacht und berichtet exklusiv von seinem schweißtreibenden Abenteuer:

Während in Deutschlands Sportart Nummer eins das Spiel 90 Minuten dauert und der Ball rund ist, kann es beim Baseball schon einmal etwas länger dauern.
Was macht diese Sportart aus – die nicht nur von US-Amerikanern heiß und innig geliebt wird, in Deutschland aber ein Schattendasein fristet? Auf der einen Seite sind es für den Zuschauer die Regeln und die eigene Sprache, die eine Hemmschwelle darstellen. Base und Batter gehören zum Baseball-­Wortschatz wie Weißbier zum Oktoberfest.
Doch wie ist es, wenn man selbst den Sport ausübt?
„Man sollte Laufen, Werfen und Schlagen können“, fasst Hendrick Otto, Coach der zweiten Mannschaft der Hagen Chipmunks zusammen. Ist es wirklich so „einfach“? Im Selbstversuch wird schnell klar: Hin und wieder findet ein blindes Huhn auch mal ein Korn – beziehungsweise den Ball –, aber wer nicht von klein auf den Sport betreibt, der wird Probleme haben, ein ordentliches Niveau zu erreichen.
Basics
Doch Coach und Vorsitzender Thorsten Michaelis versucht die Grundlagen an den Mann zu bringen. Zunächst steht aber ein ordentliches Warm-Up auf dem weiten Grün in der Heimspielstätte der Chipmunks, dem Temper Field, auf dem Plan. Die Sonne verwöhnt die Spieler mit ein paar wärmenden Sonnenstrahlen, so dass schon bald der Schweiß strömt. Und es ist noch nicht einmal ein Ball in Sichtweite. Laufen, dehnen, ein paar Kräftigungsübungen für den Rücken.
Erst danach darf man sich mit dem Spielgerät vertraut machen. Der Ball ist zwischen 142 und 149 Gramm schwer bei einem Durchmesser von 7,3 bis 7,62 Zentimeter. Das Obermaterial ist weißes Leder mit zwei roten Nähten. Diese spielen beim Werfen eine ganz besondere Rolle, wie Michaelis erklärt. „Je nachdem wie man den Ball hält, kann man ihn unterschiedlich werfen. Mal ganz gerade, mal mit einer Kurve.“ Das macht es für den Schläger (Batter) schwieriger, das Spielgerät zu treffen. Doch dazu später mehr.
Rollen statt Werfen
Erst einmal steht das „Aufwärmen mit Ball“ auf dem Programm. Die „Profis“ der Chipmunks werfen sich mit ordentlich Geschwindigkeit den Ball zu, während der Anfänger erst einmal den Ball zugerollt bekommt. Wer denkt, dass das ganz einfach ist, der sei gewarnt.
Der Ball kann unkontrolliert „hoppeln“ und auf einer Unebenheit des Rasens kurz bevor er im Handschuh sicher gelandet ist, nochmals hochspringen. Wer dann nicht den Tipp von Coach Michaelis beherzigt und die rechte Hand nutzt, um den Ball zu sichern, dem kann das Spielgerät auch richtig gefährlich werden.
Pitcher Jan Salmann kann davon ein Liedchen singen. Der verpasste bei der anschließenden Übung den Ball und kassierte eine Beule. „Das glaubt man jetzt vielleicht nicht, aber das ist mir zum ersten Mal in diesem Jahr passiert“, erklärt er seinen „Fehlgriff“.
Michaelis schlug bei dieser Übung die Bälle in Richtung der einzelnen Bases (Bodenplatten), die entscheidender Teil des Spielfelds sind. Man muss versuchen, alle zu umlaufen und so Punkte für sein Team zu holen. Immer weiter flogen die Bälle in Richtung des Backfields und immer lauf­intensiver wurde die Aufgabe.
Schlagfertig
Dann folgte der letzte große Test: das Schlagen.
Hendrick Otto erklärt die Technik und korrigiert die Haltung: „Durchschwingen lassen, nicht nur halb durchziehen.“ Dann geht es an die Schlagplatte – samt Helm. Der soll allerdings nicht vor den von Michaelis geworfenen Bällen schützen, sondern vor dem eigenen Unvermögen, den Schläger am Ende zu kontrollieren. Da kann man schneller eine Beule kassieren, als einem lieb sein kann.
Der erste Wurf kommt – vorbeigeschlagen. „Die Füße auf dem Boden lassen und eindrehen“, ruft Otto. Beim zweiten Wurf klappt es erneut nicht. Doch beim dritten Versuch klappt es, der Ball ist getroffen – und rollt über den Boden. Ab da wird es besser. Das heißt, es werden mehr Bälle getroffen, als vorbeizischen. Nur beim „letzten“ will es nicht so ganz klappen. Gleich zweimal vorbei.
Dafür geht er im letzten Versuch sogar in einer ganz ansehnlichen Flugkurve in den dämmernden Hagener Abend – nicht weit, aber hoch. Michaelis hat aber eine Aufmunterung parat: „Mein erster Schlag landete auf einem Autodach. Das kostete 600 D-Mark. Danach habe ich ein ganz Jahr lang keinen Ball mehr getroffen.“
Eine Anekdote, die Mut macht, für all diejenigen, die bei den Hagen Chipmunks mal selbst diesem komplexen, aber mit riesengroßem Spaß-Faktor verbundenen Sport einmal ausprobieren möchten. Eine tolle Gemeinschaft, die sich gegenseitig jederzeit anfeuerte und nebenbei etwas macht, was kaum jemand ausübt: Baseball.
Schnuppertag
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, der erhält von Angelika Probst (Stadtsportbund) immer dienstags und donnerstags vormittags unter Tel. 02331 / 207-5109, 0160 / 2256735 oder per E-Mail unter angelika.probst@ssb-hagen.de nähere Informationen.FotosWeitere Fotos von Heiko Cordes Einsatz bei den Chipmunks gibt es auf unserer Facebook-Seite.