Die perfekte Sekunde einer Sonnenfinsternis

Das Bild beeindruckte die BBC. Nina Brüser fotografierte am Mittwoch, 14. November, in aller Herrgottsfrühe im australischen Cairns eine totale Sonnenfinsternis. (Foto: Nina Brüser)

Hagen. (as) Es muss sich angefühlt haben, als wären Ostern und Weihnachten auf einen Tag gefallen. Am Telefon war meine Tochter außer sich vor Begeisterung“, sagt Kirsten Brüser. Ihre Tochter Nina besucht zurzeit das Kaplan International College in Cairns im äußersten Nordost-Zipfel Australiens. Dort beobachtete sie am Mittwoch, 14. November 2012, in aller Herrgottsfrühe eine totale Sonnenfinsternis.

„Wow!“ Sie fotografierte. Okay, das haben viele gemacht, die den seltenen Moment festhalten wollten. Sie stellte die Bilder ins Internet. Auch da war sie nicht die Einzige. Wenig später jedoch meldete ihr Smartphone eine Mail. Die BBC, die große, alte Dame der Rundfunkanstalten, wollte genau ihr Foto für die Sonnenfinsternis-Dokumentation. Dürfen wir es veröffentlichen?“ Was für eine Frage. Jubelnd, zitternd, rundum begeistert sagte Nina Brüser Ja“. Nun ist ihr Foto gemeinsam mit zehn weiteren Bildern der Sonnenfinsternis auf der Internetseite www.bbc.co.uk zu bestaunen. Das Foto von Nina ist am besten“, sagt Kirsten Brüser. Klar, hier spricht der überschäumende Stolz einer Mutter, könnte man vermuten. Aber schauen Sie selbst. Das Bild hat etwas ganz Besonderes. In einer knapp zweiminütigen totalen Sonnenfinsternis hat Nina Brüser die perfekte Sekunde eingefangen.

Doch von vorn: Das Abi hatte Nina Brüser gerade in der Tasche, als sie sich im Juli auf den Weg an die andere Seite der Weltkugel machte. Ausgerüstet mit einer funkelnagelneuen Fotokamera, ein Geschenk zum 21. Geburtstag, quartierte sie sich bei Tante und Onkel in Cairns (Queensland, Australien) ein. Am dortigen Kaplan International College wollte sie sich mit Englisch-Kursen und -Prüfungen fit machen für ein internationales Studium. Medizin vielleicht. Oder vielleicht Kriminologie und Forensik. Diese Kombination ist jedenfalls in Australien möglich.

Die erste Sofi nach 1.300 Jahren

Nina Brüser besucht den Unterricht. Sie lernt und hat Spaß. Als die Schule einen Fotowettbewerb ausschreibt, steht für die junge Hagenerin sofort fest, dass sie sich mit ihrer neuen Kameraausrüstung beteiligen möchte. Aber welches Motiv sollte es sein? Nina Brüser zögert nicht lange. Für Mittwoch, 14. November 2012, war schließlich eine totale Sonnenfinsternis angekündigt. Die erste im Nordosten Australiens seit etwa 1.300 Jahren. Da müsste sich doch etwas machen lassen…

Neben dem Büffeln für ihre Prüfungen am Kaplan International College bleibt Nina Brüser Zeit, sich in Australien umzusehen oder gemeinsam mit ihrem Onkel zu segeln. (Foto: privat)

Doch diese Sonnenfinsternis entpuppte sich als ein Jahrtausend-Ereignis für Frühaufsteher. Um 6.38 Uhr, also kurz nach Sonnenaufgang, sollte sich der Mond vor die Sonnenscheibe schieben. Gerade einmal zwei Minuten und fünf Sekunden sollte das Spektakel dauern, das von zigtausend aus aller Welt angereisten Sofi-Fans in Cairns oder um Cairns herum beobachtet wurde. Cairns, soviel stand fest, lag am 14. November 2012 als einzige größere Stadt (knapp 100.000 Einwohner) im so genannten Totalitätsbereich der totalen Sonnenfinsternis, in dem Bereich also, in dem der Mond die Sonne komplett verdeckt.

Kurz vor der Sonnenfinsternis war die Enttäuschung allerdings groß. Dichte Wolken bedeckten den tropischen Himmel. Doch dann ein kollektives Aufatmen. Nur wenige Minuten vor dem großen Ereignis riss die Wolkendecke auf. Nina Brüser fotografierte. Wolken, Mond und Sonne. Die totale Sonnenfinsternis.

Und plötzlich meldet sich die BBC

Beeindruckt vom eben Erlebten stellte Nina Brüser ein Foto in den Datenpool für den Fotowettbewerb des Kaplan International College. Und dann: Schnell, schnell in die Schule. Ihr Smartphone lag neben ihrem Arbeitsplatz. Ab und zu muss eine internationale Lernende schließlich im Online-Dictionary nachgucken, wenn es um wissenschaftliche Vokabeln geht. Als das Smartphone eine Mail ankündigte, dachte Nina Brüser zunächst an eine Nachricht von Freunden aus Deutschland. Bestimmt nicht an die British Broadcasting Corporation. Die Rechercheure der BBC waren bei der Suche nach eindrucksvollen Sofi-Fotos auf das Wettbewerbsbild der Hagenerin gestoßen – und sie wollten es haben.

Nina Brüser ließ das BBC-Team nicht lange zappeln. Schon wenig später erzählte ihr Foto in satten Farben auf der BBC-Homepage vom Jahrtausend-Ereignis in und um Cairns. Ihre Freude ist riesig. Geradezu perfekt könnte ihr Glück werden, wenn sie mit ihrem Foto nun auch noch den Foto-Wettbewerb des Kaplan International College gewinnen würde. Mit einem Bild von einer totalen Sonnenfinsternis an einem Fotowettbewerb teilzunehmen oder sogar zu gewinnen, hat auf jeden Fall Seltenheitswert. Das nächste Mal könnte sie ihr Glück am 20. März 2015 versuchen. Für diesen Tag ist die nächste totale Sonnenfinsternis, dann aber über Island und den Faröer Inseln, angekündigt.