Die Stadt Hagen und ihre Selbstdarstellung

Sebastian Klebe hat sich in seiner Diplomarbeit mit dem Osthaus-Erbe beschäftigt. (Foto: Michael Eckhoff)

Von Michael Eckhoff

Hagen. Das 90 Seiten starke Buch von Sebastian Klebe hat einen etwas sperrigen Titel: „Eine Idee – Leitlinien zur Innen- und Außendarstellung der Stadt Hagen“. Kaufen kann man das Werk nicht. Es ist Klebes Diplomarbeit, unlängst vorgelegt im Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund. Inhaltlich geht es zum einen um „Hagen“ und zum anderen um jenen Themenbereich, der mit dem Auftritt der Stadt zu tun hat („Corporate Design“ und „Corporate Identity“).

Sebastian Klebe – Jahrgang 1979 – nimmt in seiner von vielen Lesern hochgelobten Arbeit die Selbstdarstellung der Stadt Hagen unter die Lupe. Sein Ausgangspunkt: der „Hagener Impuls“, also die Ära von Karl Ernst Osthaus und seinen Mitstreitern. Zwischen 1900 und dem Ersten Weltkrieg gehörte die Volmestadt zu den europäischen „Brennpunkten“ bei der Entwicklung neuer Ideen im Hinblick auf die aufkommende Moderne. Künstler wie Peter Behrens (Architekt des Delsterner Krematoriums) und Henry van de Velde (Architekt des Hohenhofs) gehörten zu den Superstars jener Zeit. Einem holländischen Autoren – Nic Tummers – war es dann vorbehalten, auch auf die enormen Verdienste des niederländischen Architekten J.L.M. Lauweriks hinzuweisen, der in Hagen am Stirnband unter anderem das Milly-Steger-Haus und das Thorn-Prikker-Haus baute.

Maßstäbe gesetzt

Insbesondere das Thorn-Prikker-Haus hat in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg etliche Maßstäbe gesetzt und zahlreiche andere Architekten beeinflusst, sogar einen Weltstar wie Le Corbusier. Für das Buch von Nic Tummers über den „Hagener Impuls“ entwarf der Hagener Maler Erwin Hegemann 1972 einen Einband mit einem Quadrat im Mittelpunkt. Dieses Quadrat wiederum ist umkränzt von einer Reihe von Rechtecken, die auf den ersten Blick wie ein Labyrinth wirken. Hegemann leitete seinen Entwurf vom weltberühmten Giebel des Thorn-Prikker-Hauses ab, der ebenfalls diese Rechteck-Gestaltung zeigt.

Die Stadt Hagen hat wenig später dieses Hegemannsche „Hagener-Impuls-Symbol“ übernommen und darauf einen Teil ihrer Außendarstellung aufgebaut. Das heißt: lange Zeit war auf allen städtischen Veröffentlichungen oder Formularen das streng geometrisch aufgebaute „Rechtecke-Quadrat“ zu finden.

Das alte, das aktuelle und das von Klebe vorgeschlagene „Hagener-Impuls-Symbol“. (Montage: wochenkurier)

Nicht verstanden

Merkwürdigerweise erfuhr dieses gut bekannte Symbol Mitte des vergangenen Jahrzehnts eine Überarbeitung. Seit 2006 gibt es für die Stadt Hagen neue Gestaltungsvorschriften, in denen auch das alte Symbol über Bord geworfen worden ist. Stattdessen wurde die Verwendung eines seltsam „gequetschten“ Quadrates vorgeschrieben, das zwar noch irgendwie an den Thorn-Prikker-Giebel erinnert, aber seinen eigentlichen Geist nicht verstanden hat. Das neue Symbol scheint modern daher zu kommen, wirkt aber eher wie eine unbeholfene Darstellung. Sie passt zwar momentan zur Volmestadt, deren Außenwirkung ja aufgrund vieler Vorkommnisse – Schulden, Zinswettenskandal, Abbau von Kulturleistungen usw. – nicht die beste ist, aber wirklich werbewirksam ist sie nicht.

Sebastian Klebe macht in seiner Diplomarbeit einen neuen Vorschlag, das „Impuls-Symbol“ zu überarbeiten. Er kehrt wieder zu den klaren Linien zurück, vermeidet aber – im Gegensatz zu Hegemann 1972 – die labyrinthische Verschachtelung der Rechtecke. Stattdessen umrahmt er das auch hier mittig angeordnete Quadrat nur mit einigen wenigen eindeutig umrissenen Rechtecken. Ferner plädiert er dafür, das Thema „Osthaus“ aus dem bislang vornehmlich kunstgeschichtlich geprägten Zusammenhang zu lösen und die mit Osthaus verknüpfte Außendarstellung Hagens um den für die Volmestadt extrem wichtigen industriegeschichtlichen Aspekt zu erweitern.

Deutscher Werkbund

Sebastian Klebe – gebürtiger Schwelmer – wohnt seit 16 Jahren in Hagen. Der junge Familienvater studierte in Dortmund Kommunikationsdesign; im letzten Oktober machte er seine Prüfung bei dem weithin bekannten Dortmunder Künstler Willi Otremba. Seit etlichen Jahren widmet er sich nun schon Osthaus & Co. „Ein faszinierendes Thema,“ sagt Klebe, und so war es für ihn keine Frage, sich auch in der Diplomarbeit mit jener Epoche zu beschäftigen und sie auf ihre heutige Werbewirksamkeit hin zu untersuchen. Natürlich weiß er, dass seine Vorschläge derzeit keine Verwirklichungschance haben. „Schließlich ist das aktuelle Gestaltungshandbuch noch viel zu neu, um bereits überarbeitet zu werden,“ so Klebe. „Und angesichts der trüben Finanzlage Hagens würde auch das Geld hierfür fehlen“, gibt er sich keinen Illusionen hin.

Hochzufrieden kann er mit seiner Arbeit dennoch sein. Erstens hat sie ihm bei der Prüfung eine Top-Note eingebracht, zweites hat er von vielen Experten sehr viel Lob geerntet und drittens wurde Professor Roland Günther auf ihn aufmerksam. Günther gehört zu den besten Kennern des Ruhrgebiets – von ihm stammte die Idee, den Hagener Hohenhof für das Weltkulturerbe vorzuschlagen. Überdies ist Günther Vorsitzender des Deutschen Werkbundes. Das ist ein Verband, der sich seit über hundert Jahren unter anderem die Förderung guter Gestaltung auf die Fahnen geschrieben hat. Karl Ernst Osthaus gehörte zu den Männern der ersten Stunde in diesem Verband.

Umso schöner für Klebe, dass ihn Günther zur Mitgliedschaft im Werkbund aufgefordert hat. Das ist wie ein kleiner Adelstitel für einen jungen Designer, der gerade dabei ist, sich selbstständig zu machen. Wer mehr über Klebe wissen will, findet Angaben auf seiner Homepage: www.sebastianklebe.com.