Dispo ist keine Dauerlösung

Hagen. (Red./ME) Ob er ein Haus bauen, ein neues Auto anschaffen oder die eigene Ausbildung finanzieren will… – fast jeder Deutsche hat oder braucht irgendwann einen Kredit.

Zuvor sollten sich Verbraucher jedoch gründlich informieren: Welcher Kredit ist für welchen Zweck der richtige? Wie vergleiche ich verschiedene Angebote? Und wo lauern versteckte Kosten? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Um dieses Thema ging es am Donnerstag am wk-Expertentelefon. Die wichtigsten Fragen und Antworten in puncto „Verbraucherkredite“ im Überblick:

Ist der Abschluss einer Restschuldversicherung für die Aufnahme eines Kredits Pflicht?

Mehrere Experten – darunter Jutta Kettenring, Fachberaterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale – beantworteten die Fragen unserer Leser. (Foto: Jörg Ulrich/ pr.nrw)

Jutta Kettenring, Fachberaterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Kreditverträge können auch ohne eine Restschuldversicherung abgeschlossen werden, allerdings verlangen viele Kreditinstitute eine solche zur Absicherung des Kredits. Restschuldversicherungen werden deshalb oft zusammen mit Verbraucherdarlehen verkauft. Die Kosten für eine Restschuldversicherung können je nach Kreditvolumen bis zu mehreren tausend Euro betragen und werden in der Regel über den Kredit mitfinanziert. Häufig ist es allerdings günstiger, wenn man eine bereits bestehende Risikolebensversicherung als Sicherheit anbieten kann oder sich einen günstigeren Vertrag durch Preisvergleich bei verschiedenen Anbietern besorgt.

Welche Möglichkeiten gibt es, die hohen Dispozinsen zu vermeiden?

Rita Gaebel, Kreditspezialistin: Der Dispokredit ist ständig verfügbar, aber auch mit hohen Zinsen verbunden. Für spontane Kaufentscheidungen ist er gut geeignet, als dauerhafte Lösung aber nicht. Fragen Sie sich immer: Muss ich für eine Anschaffung mein Konto überziehen oder nehme ich besser einen zinsgünstigeren Ratenkredit in Anspruch? Das betrifft besonders spezielle Finanzierungswünsche wie den Autokauf oder die Renovierung und Modernisierung von Wohnraum.

Ist ein Rahmenkredit eine Alternative zum Dispokredit?

Mehrere Experten – darunter Elgin Gorissen-van Hoek (r., Vorsitzende des Bundesverbandes Finanz-Planer e.V.) und Rita Gaebel (Kreditspezialistin bei der Commerzbank) – beantworteten die Fragen unserer Leser. (Foto: Jörg Ulrich/ pr.nrw)

Rita Gaebel: Während der Dispokredit direkt an ein Gehaltskonto gebunden ist, handelt es sich beim Rahmen- oder Abrufkredit um einen Kredit, der eine komplette Bonitätsprüfung voraussetzt. Im Gegensatz zum Dispokredit ist der Rahmenkredit auch nicht ständig verfügbar, weil er abgerufen werden muss. Bei spontanen Kaufentscheidungen hilft er also wenig. Bei den Zinsen ist der Rahmenkredit zwar günstiger, doch er kann auch den Einstieg in die Schuldenspirale bedeuten, wenn Abrufkredit und Dispokredit ständig gleichzeitig in Anspruch genommen werden.

Welche Auskünfte holen Kreditgeber ein und wie wirken sich diese auf die Zinsen aus?

Jutta Kettenring: Der wichtigste Wert, den Kreditgeber bei Auskunfteien abfragen, ist der so genannte Score-Wert. Je höher der Score-Wert, desto mehr Zinsen verlangt der Kreditgeber für das Darlehen. Achtung! Verbraucher, die in der Vergangenheit bei Kreditinstituten und Sparkassen mehrere Kreditangebote eingeholt haben, hatten danach einen schlechteren Score-Wert und mussten unter Umständen höhere Zinsen zahlen. Der Grund: Die Kreditinstitute hatten die Anfragen der Verbraucher jeweils als Kredit- und nicht als Konditionsanfrage weitergegeben. Schon seit April 2010 dürfen reine Konditionsanfragen von den Kreditinstituten nicht mehr an die Auskunfteien gemeldet werden.

Wie kann ich in Erfahrung bringen, welche Daten bei Kreditauskunfteien gespeichert sind?

Jutta Kettenring: Seit April 2010 kann jeder Aufklärung darüber verlangen, welche Daten eine Auskunftei zu seiner Person gespeichert hat und wer die Daten zu welchem Zweck bekommt. Verbraucher haben Anspruch auf die Information, welche Score-Werte die Auskunftei in den letzten sechs Monaten berechnet und welche Daten dafür benutzt wurden. Einmal im Jahr muss diese Auskunft kostenlos sein. Einen Musterbrief, um die Auskunft bei der Schufa einzuholen, finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz unter www.vz-rlp.de. Geben Sie einfach den Suchbegriff „Schufa“ ein.

Welche Kosten dürfen Kreditinstitute bei der Vergabe eines Kredits berechnen?

Tilo Keller, Kreditspezialist: Die Gesamtkosten setzen sich aus den Zinsen, Entgelten und Provisionen zusammen, falls ein Kreditvermittler tätig geworden ist. Allerdings verzichten einige Kreditinstitute schon heute auf die Berechnung eines Bearbeitungsentgeltes für den Abschluss eines Verbraucherkreditvertrages. Kontoführungsgebühren für Darlehenskonten dürfen nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs grundsätzlich nicht mehr berechnet werden.

Gibt es einen Richtwert, den die monatliche Belastung durch Kredite nicht übersteigen sollte?

Tilo Keller: Zu allen regelmäßigen Belastungen wie Miete, Nebenkosten, laufende Kredite, Versicherungen, Abos und Mitgliedsbeiträge addieren Sie eine Pauschale für die Lebenshaltungskosten, in Abhängigkeit von der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen und des monatlich verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens. Kalkulieren Sie zusätzlich einen Puffer ein, um Geld für unerwartete Anschaffungen zu sparen. Was dann übrig bleibt, kann für eine Finanzierung eingesetzt werden.

Manche Händler bieten Kredite mit null Prozent Zinsen an. Warum so günstig und worauf muss ich achten?

Jutta Kettenring: Bei einer echten Null-Prozent-Finanzierung dürfen keine weiteren Kosten anfallen. Achten Sie darauf, dass keine zusätzlichen Extrakosten, wie zum Beispiel Kontoführungsgebühren anfallen. Teurer kann es auch werden, wenn der Kunde eine von der Bank angebotene Restschuldversicherung abschließt. Übrigens: Auch Null-Prozent-Kredite können in die Schuldenfalle führen, wenn mehrere Finanzierungen, etwa für Küche, Auto und Fernseher, bei verschiedenen Anbietern laufen und man den Überblick über die Verpflichtungen verliert.

(wird fortgesetzt)