Hohenlimburg. (ME) „Mittlerweile ist es eine liebgewonnene Tradition, dass wir die Mitglieder ehren, die unserer Genossenschaft viele Jahre die Treue halten“, erläuterte Ulrich Schulze-Witteborg, Vorstandsvorsitzender des Hohenlimburger Bauvereins, in einer kleinen Feierstunde im Hohenlimburger Bürgersaal.

Von insgesamt 74 Jubilaren, die 50 Jahre oder länger Mitglied der Genossenschaft sind, folgten 45 Personen der Einladung und nahmen – teils mit ihren Partnern – an der Ehrung teil. Bei Kaffee und leckerem Kuchen sprachen Ulrich Schulze-Witteborg und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Krampe einen herzlichen Dank für die jahrelange Verbundenheit aus.

Im Laufe des Nachmittags ergaben sich gesellige Gespräche. Viele Teilnehmer hatten ihre Mitgliedsbücher aus dem Beitrittsjahr mitgebracht und konnten humorvolle Geschichten berichten. Zum Ende der Veranstaltung erhielt jeder Jubilar eine Urkunde und obendrein ein Präsent.

200 Jahre Raiffeisen

Die Mitte der 1920er Jahre gegründete Genossenschaft gehört zu den größten Gesellschaften ihrer Art im Hagener Raum Die Genossenschafts­idee, die mittlerweile zum Weltkulturerbe zählt, wurde eigentlich im 19. Jahrhundert geboren. Männer wie Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen standen hierbei Pate. Raiffeisen wurde übrigens vor fast haargenau 200 Jahren geboren – am 30. März 1818 im Tal der Sieg.

In Hohenlimburg war es dann insbesondere der Gewerkschafter Georg Scheer, der den Genossenschaftsgedanken aufgriff und die Gründung eines Bauvereins im Lennetal initiierte. Erste größere Siedlungen wurden seinerzeit nördlich und südlich der Iserlohner Straße realisiert.

Doch die größten „Bau-Erfolge“ erzielte die Hohenlimburger Genossenschaft insbesondere in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit, als der Bestand an Wohnungen kontinuierlich gesteigert werden konnte.

In dieser Boom-Zeit traten viele Menschen den Genossenschaften bei – wohl wissend, dass sie hierdurch mit preiswerten und guten Wohnungen versorgt werden würden.

Bond und Beatles

In den Ansprachen von Vorstand Ulrich Schulze-Witteborg und Aufsichtsrat Paul Krampe gab es viele Rückblicke auf die Wohnsituation, das Städtchen Hohenlimburg und besondere Meilensteine der Beitrittsjahre 1965 bis 1967.

So erinnerte Schulze-Witteborg schmunzelnd zum Beispiel daran, dass 1965 einer der größten Kino-Kassenschlager der James-Bond-Film „Goldfinger“ war, dass damals ein Bier 65 Pfennig und ein Kilo Butter rund acht Mark kostete. Er berichtete zudem, dass der 1. FC Nürnberg noch zu den deutschen Fußball-Spitzenclubs gehörte, dass die Beatles die Musikwelt aufmischten und Ludwig Erhard einer der wichtigsten deutschen Politiker war.

In diesem Jahr, also 1965, konnte „Holibau“ 150 Wohnungen einweihen – etwa Im Kley und an der Stettiner Straße. Diese Bauten gehören auch heute zu den Kernbeständen und sind nach wie vor sehr gefragt. „Hier gibt es sogar noch Erstmieter“, freute er sich.

Neue Ziele

Ging es in den 1960er Jahren vor allem darum, die eklatante Wohnungsnot zu mildern, stehen heute andere Ziele im Mittelpunkt – so seien insbesondere seniorengerechte und energiesparende Wohnungen in Siedlungen gefragt, die gleichzeitig aber auch für junge Familien attraktiv sein müssten.

„Holibau“ stelle sich diesen Herausforderungen, betonte Ulrich Schulze-Witteborg. Denn schließlich gehöre eine Genossenschaft den „Genossen“ und nicht irgendwelchen Aktionären. Insofern sei die auf Seriösität und Kontinuität aufbauende Genossenschaftsidee alles andere als altbacken oder gar überholt.