Ein Beutel für Wehringhausen

Hagen. (je) Die schwarze Katze ist zum Sprung bereit, hat die Krallen einer Tatze leicht ausgefahren. Sie macht einen Buckel, das Fell ist aufgerichtet. Über ihren Rücken ziehen sich stilisiert die Häuser und Wahrzeichen Wehringhausens, so wie sich der Stadtteil den Goldberg hinauf ausdehnt. Man kann den Bodelschwinghplatz erahnen, natürlich die beiden Kirchen, aber auch die Funcke-Villa und das Allgemeine Krankenhaus. Und im Schwanz der Katze, der sich buschig erhoben über den Körper zieht, präsentiert sich der Stadtwald mit seinen drei Türmen.

„Wir haben nach einem Motiv gesucht, das Wehringhausen symbolisiert“, erklärt Illustrator Florian Backhaus. Und was bietet sich da besser an, als eine Katze? Sie ist wehrhaft, aber natürlich auch verspielt, gemütlich und verschmust. „Ganz klar, das hier ist natürlich unsere Sicht auf Wehringhausen“, betont der junge Familienvater, „aber wir hoffen, dass dies auch andere so sehen.“

Kein Gerede

Sein Kollege, der Designer Sebastian Klebe, zuckt verlegen mit den Schultern und blickt auf einen Berg mit dem Katzenmotiv bedruckter Stoffbeutel auf dem Tisch vor sich. „Es wird seit Monaten in allen möglichen Gruppen viel darüber diskutiert, was die Identität von Wehringhausen sei und wie man diese repräsentieren könnte. Dazu engagiert man sogar Fachleute von außerhalb, aber passiert ist bislang trotzdem fast nichts. Also haben wir uns gedacht, wir machen jetzt mal selber was und tun damit auch noch etwas Gutes.“

Bei der Suche nach einer Idee kam man schließlich auf die Gestaltung einer Tragetasche. Klebe: „Eigentlich wollten wir gar kein Produkt, das man kaufen kann. Aber schließlich war es doch am naheligendsten, etwas zu machen, was wir können – und das neben einer Symbolwirkung auch praktischen Nutzen und eine gewissen Nachhaltigkeit hat.“

Fachleute

Wir – das sind neben Backhaus und Klebe, die vor wenigen Wochen das Gestaltungsbüro „a design collective“ in der Lange Straße eröffnet haben, nämlich auch Textildruckspezialist Tobias Wichmann, der seit dem Frühsommer ein Büro in der Mauerstraße betreibt.

„Ganz wichtig war uns, etwas Gutes zu tun“, betont Wichmann, der wie Klebe eigentlich aus Gevelsberg stammt, aber schon seit vielen Jahren in Wehringhausen lebt. „Sämtliche Einnahmen spenden wir daher an einen gemeinnützigen Zweck.“ Um so wichtiger war es den drei Mittdreißigern, dass alles effektiv und schnell ging. Wichmann: „Von der ersten Idee bis zum fertigen Beutel hat es nur rund zwei Wochen gedauert.“

Fair und bio

Gedruckt wurden diese selbstverständlich auf fairgehandelter Biobaumwolle mit umweltfreundlichen Farben. „Alles andere hätte weder zum Projekt noch zum Stadtteil gepasst. Man kann nicht solidarisch handeln wollen und dann umwelt- oder gar menschenfeindliches Material verwenden“, erklären die Drei einstimmig.

Sämtliche Erlöse der acht Euro kostenden Tragetasche fließen in ein Projekt der Flüchtlingshilfe. „Lediglich 19 Prozent Mehrwertsteuer müssen wir an das Finanzamt abführen, die Produktions- und Arbeitskosten sind unser Spendenanteil, wir verdienen keinen Cent“, betont Sebastian Klebe. „Wir haben den Startschuss gegeben und hoffen nun, dass den Wehringhausern unsere Idee gefällt und eine möglichst hohe Summe zusammenkommt.“

Direkte Hilfe

Entsprechend sollen die Spendengelder aber nicht einfach an irgendeine große Hilfsorganisation fließen und dort wohlmöglich in der Bürokratie versickern. Klebe: „Wir wollen sehen, wo das Geld der Wehringhauser direkt wirkt.“ Und so kam über Dagmar Pröhl vom Netzwerk „Hagen ist bunt“ ein Kontakt zur Diakonie Mark-Ruhr zustande, die derzeit Begegnungs- und Schulungsräume für Geflüchtete einrichtet. Sämtliche Erlöse aus dem Beutelverkauf werden nun in das Projekt fließen und direkt der Anschaffung von Lernmitteln dienen.

Die drei Wehringhauser Existenzgründer sind sich sicher: „Wehringhausen spendet mit uns gemeinsam eine schöne Summe für diesen Zweck!“

Erhältlich sind die Stoffbeutel sowohl im „a design collectiv“, Lange Straße 38, bei „On Ink Textilveredelung“, Mauerstraße 2, als auch im Kulturzentrum Pelmke und dem Jugendkulturhaus Kultopia (am Buschey). Außerdem machen die Initiatoren am kommenden Freitag mit ihren Taschen im Gepäck eine Runde über den Wehringhauser Wochenmarkt und durch den Stadtteil. Über den Stand der Spenden werden Backhaus, Klebe und Wichmann auf ihren Facebookseiten informieren.