Ein Leben für die Steuer: Gisela Siegmund geht in Rente

Hagen. (Red.) Als Giesela Siegmund am 1. Juni 1978 erstmals ihren Dienst in der Kraftfahrzeugstelle des Finanz­amtes Hagen antrat, dachte sie wohl selber nicht, dass daraus 36 Jahre in ein und der selben Abteilung werden würden – ein Alleinstellungsmerkmal.
Schreibmaschine und Handschriftliches
Nach dem Kaufmannsschulabschluss und der mittleren Reife zog es die Debitorenbuchhalterin von Bochum zu ihrem Ehemann Ernst August Siegmund nach Hagen. In ihrer neuen Heimat bewarb sie sich beim Hagener Finanzamt und bekam kurz darauf eine Anstellung in der Kraftfahrzeugstelle.
In den Anfangsjahren waren die Behördenpapiere noch in rund 1.000 Ordnern platziert, was viel Schreibmaschinenarbeit und Handgeschriebenes bedeutete.
Als die elektronische Datenverarbeitung ihren Einzug hielt, stellte sich Giesela Siegmund den Herausforderungen, ließ sich auch von Neuerungen wie der Rußpartikelsteuer nicht abschrecken und nahm den dadurch immer größer werdenden Ansturm an steuerpflichtigen Bürgern gern in Kauf. „Da rauchte mir oft der Kopf“, gibt Giesela Siegmund im Nachhinein allerdings zu.
KFZ-Steuerstelle geschlossen
Einen „Umzug“ innerhalb der Behörde gab es zwischenzeitlich für sie doch, zumindest räumlich: Um der hohen Schadstoffbelastung der sogenannten „Finanzamtschlucht“ zu entkommen, mussten die Mitarbeiter um Giesela Siegmund von der Fensterseite des Gebäudes umgesiedelt werden.
Im Februar 2014 wurde die Kraftfahrzeug-Steuerstelle zum Leidwesen von Gisela Siegmund dann völlig aufgelöst. Die Bearbeitung von rund 110.000 Fahrzeugen übernahm nun gänzlich der Zoll.
Postservice und Pforte
Für Giesela Siegmund stellte sich daraufhin die Frage, wie es im Finanzamt für sie weitergehen sollte. Sie entschloss sich dazu, fortan für den hausinternen Postservice zu arbeiten, bevor sie die letzten Monate ihrer Amtszeit „an vorderster Front“ absolvierte: Sie saß an der Pforte des Finanzamtes und stand allen Besuchern mit Rat, Tat und ihrer langjährigen Erfahrung zur Seite.
„Ich werde dieses Haus in sehr guter Erinnerung behalten“, blickt Giesela Siegmund zurück und verlässt das Finanzamt mit einem lachenden und einem weinenden Auge.