Ein Wochenkurier auf Zeitreise: Kapsel wieder im Johannis-Altar versenkt

Presbyter Uwe Fornach hat die alte Rolle am vergangenen Freitag wieder verschlossen. Am Montag „durfte“ sie dann zurück in den Johanniskirchenaltar. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (ME) Uwe Fornach, Presbyter der Hagener Stadtkirchengemeinde, hatte am Freitag einen ganz „speziellen Job“. Dem Betriebsleiter der Oberhagener Stahlwarenfabrik Rafflenbeul fiel die ehrenvolle Aufgabe zu, eine kürzlich dem Altar der Johanniskirche entnommene Metallrolle wieder verschließen zu dürfen.

Vorher hatte man sich selbstverständlich eingehend mit ihrem Inhalt beschäftigt. Zum Vorschein kamen unter anderem mehrere Urkunden aus der Zeit um 1950. Bomben hatten das altehrwürdige Gotteshaus im Zweiten Weltkrieg großenteils zerstört. Vereinfacht hat man es um 1950 wieder aufgebaut. Genau an diese Zeit erinnert die Metallrolle. Dass sie jetzt entnommen wurde, hat mit dem anstehenden Kirchenumbau zu tun.

Mit Wochenkurier

Pfarrerin Katharina Eßer und Presbyter Uwe Fornach halten noch einmal die Wk-Ausgabe hoch, die anschließend in die Altarrolle der Johanniskirche „gepackt“ wurde. (Foto: Michael Eckhoff)

Die alten Urkunden wurden von Pfarrerin Katharina Eßer vor dem Verschließen wieder in die Kapsel „gepackt“ – zusammen mit zwei neuen Dokumenten, nämlich mit einem Plan, der den Umbau veranschaulicht, und mit einer Wochenkurier-Ausgabe der vergangenen Woche. Der Wk hatte darin über die Baumaßnahmen berichtet.

Der zweite „Akt“ mit der alten Altrarrolle erfolgte dann am Montag. Vor den Augen des Architekten Lars Krug und etlicher Mitarbeiter der Stadtkirchengemeinde wurde die Kapsel von Pfarrerin Eßer zurück in den aus Baumberge-Sandsteinen gefertigten Altar gelegt. Anschließend übernahmen Steinmetze der Hagener Firma Jüng die schwierige Arbeit, die tonnenschwere Altarplatte aufzusetzen.

Nur eine Kirche

Die Johanniskirche – genauer: ihr Vorgänger – war die „Mutter aller Kirchen“ im alten Hagen. Noch bis zur 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts war sie das einzige Gotteshaus im Kirchspiel Hagen. Dann traten – in der unmittelbaren Nachbarschaft – eine reformierte Kapelle und an der Mittelstraße eine kleine katholische Kirche hinzu.

Demzufolge mussten sich die lutherischen Gläubigen aus Haspe, Eckesey und Eilpe früher sonntags ebenso zum Kirchenbesuch auf den mühsamen Weg nach Hagen machen wie die Lutheraner aus Halden oder Holthausen. Tausende Menschen wurden hier getauft. Und viele tausend Hagenerinnen und Hagener fanden neben der Johanniskirche ihre letzte Ruhestätte, denn bis zur Gründung des Buscheyfriedhofs 1810 war auch der Gottesacker unmittelbar an der Kirche zu finden.

Die auf eine einzige lutherische Kirche ausgerichteten Verhältnisse änderten sich erst im 19. Jahrhundert, als nach und nach evangelische Gotteshäuser in Haspe, nahe dem Hauptbahnhof (Martin-Luther-Kirche) sowie in Boele, Eilpe und Eppenhausen errichtet wurden. Deshalb verwundert es nicht, dass der aktuell anstehende Umbau der Johanniskirche wahrlich keine x-beliebige Baumaßnahme darstellt.

Penibel untersucht

Architekt Lars Krug berichtet: „Ein Archäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-­Lippe hat in den vergangenen Tagen alles penibel unter die Lupe genommen.“ Ein kurzer Besuch im Kirchenschiff führt rasch vor Augen, was Krug meint: An mehreren Stellen wurden tiefe Gruben „gebuddelt“, um der Baugeschichte „auf den Grund“ gehen zu können. Tatsächlich konnten – wie schon bei einer um 1950 erfolgten archäologischen Grabung – mittelalterliche Mauerreste (vermutlich 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts) entdeckt werden, darunter auch eine „Sakristei-Wand“, die man 1950 nicht gefunden hatte.


Ferner wurden die Wände und Säulen untersucht, um die ursprüngliche Farbgebung herauszufinden. Das bedeutet, man wollte wissen, wie der um 1750 errichtete Neubau seinerzeit im Inneren gestrichen war und welche Farbgebungen folgten. Der Farbton, den man schließlich dem 18. Jahrhundert zuzuordnen vermochte, unterschied sich interessanterweise nur geringfügig von jenem Ton, den man 1950 beim Wiederaufbau gewählt hat. Lars Krug wird sich bei den weiteren Ausbauplanungen natürlich an den archäologischen Befunden orientieren – auch hinsichtlich der Farbwahl.

Altes Hagen?

Archäologen werden in den kommenden Wochen noch mehrfach am Hagener Markt vorbeischauen. Denn der Umbau der Johanniskirche bezieht sich – der Wk hat bereits berichtet – nicht nur auf das Innere, sondern ebenso auf den vorgelagerten Platz im Süden (Eilper Seite). An dieser Stelle soll ein Anbau entstehen. Bei den hierfür erforderlichen Ausschachtungsarbeiten wird man vorsichtig zu Werke gehen müssen – vielleicht findet man ja „Reste“ vom alten Hagen.

Mehr zur Johannis-Geschichte demnächst im Wochenkurier.