Einsatz für ein Leben in Würde

Volmarstein/Iserlohn. (as) Sie will Mut machen. „Aufgeben? Niemals!“ hat Simone Heintze ihr Buch überschrieben, das in der Edition Chrismon erschienen ist. Darin beschreibt sie traurige, verzweifelte, Sturm umtoste Momente ihres Lebens. Aber auch sonnendurchflutete, glückliche Zeiten. Dreimal hat die 41-jährige Frau aus der Iserlohner Nachbarschaft den Krebs besiegt. Der Krebs soll Vergangenheit sein und bleiben. Sie stürzt sich in ein Projekt mit Zukunft. Senioren möchte sie ein „Leben in Würde“ ermöglichen. In dieses Projekt fließen alle Einnahmen aus dem Verkauf des Buches.

Mit ihrem Buch „Aufgeben? Niemals!“ macht Simone Heintze Mut. Dreimal war sie an Krebs erkrankt, dreimal hat sie die Krankheit besiegt. (Foto: A. Schneider)
Mit ihrem Buch „Aufgeben? Niemals!“ macht Simone Heintze Mut. Dreimal war sie an Krebs erkrankt, dreimal hat sie die Krankheit besiegt. (Foto: A. Schneider)

Die Angst vor dem Tod

Die Krankheit hat Spuren hinterlassen. Simone Heintze hat Furcht, Ohnmacht und Sprachlosigkeit erlebt. „Man spricht nicht mit Angehörigen über Ängste“, sagt Simone Heintze. Die Angst, die Rolle der Mutter, der Ehefrau, der Familienmanagerin nicht erfüllen zu können. Die Angst vor dem Tod. Aus dieser inneren Einsamkeit hat sie sich freigestrampelt. Sie hat Hilfe angenommen – von ihrer Familie, von Freunden, Ärzten, Schwestern, Pflegern. Kraft hat sie auch aus ihrem Glauben geschöpft. „Wenn andere Menschen für einen Kranken beten, so lese ich, würde sich das heilend auswirken“, schreibt sie in ihrem Buch. „Für mich beten sehr viele Menschen. (…) Eigentlich müsste ich hier also vollkommen gesund entlassen werden.“ Genau das ist ihr schließlich gelungen.

13 Jahre alt war Simone Heintze, als bei ihr zum ersten Mal Lymphdrüsenkrebs, Morbus Hodgkin, diagnostiziert wurde. Nach Chemo- und Strahlentherapie kehrte sie wieder in ihren Mädchenalltag zurück. In ihrem Buch erinnert sie sich an die glücklichen Kinder- und Jugendzeiten. Aber auch an die Rückkehr von Morbus Hodgkin. Sie war 16, als sie ein zweites Mal mit Chemo- und Strahlentherapie konfrontiert wurde.
Ihr gelang ein zweiter Sieg über den Krebs.

Mit 39 Jahren zum dritten Mal Krebs

Sie nahm an einer Studie des Uniklinikums Münster teil. Eine Arbeitsgruppe untersucht die Langzeitergebnisse nach Behandlung des Hodgkin-Lymphoms bei Kindern und Jugendlichen. Die Strahlentherapie bedeutet für die jungen Patienten oft ein erhöhtes Risiko, später erneut an Krebs zu erkranken. So wie Simone Heintze. 39 Jahre alt war sie, als bei ihr Brustkrebs festgestellt wurde.

Schonungslos erzählt Simone Heintze ihre „Heilungsgeschichte“. Sie lässt die Leserinnen und Leser teilhaben an ihren Ängsten, an Rückschlägen und Verzweiflung. Sie berichtet von Problemen mit der Krankenkasse. Und sie verrät, welche psychologischen „Tricks“ ihr über schwärzeste Stunden geholfen haben. Ihre Offenheit tröstet und schenkt Lebensmut.

Entstanden ist die anrührende Geschichte einer Genesung. Ein Buch, das man, kaum mit der Lektüre begonnen, nicht mehr aus der Hand legen mag. Geschrieben hat es Simone Heintze nicht allein. Unterstützt wurde sie von Julia Fiedler.

Träume und Hoffen bewahren

Immer wieder spricht Simone Heintze davon, wie wichtig es ist, sich das Träumen und Hoffen zu bewahren. Während ihrer Erkrankung nahm einer ihrer Träume Konturen an. Schon immer hatte sie sich Gedanken über das Wohnen im Alter gemacht. Nun erwarb sie ein Grundstück in Berlin von ihren Schwiegereltern. Sie holte die Stiftung Volmarstein als Träger ins Boot. Entstehen wird ein Haus für eine Wohngemeinschaft. Acht Senioren sollen hier bald ein bezahlbares Zuhause finden. Eines, das auch Menschen mit kleiner Rente nicht zu Taschengeld-Empfängern im Alter macht.

Ein „Leben in Würde“ möchte Simone Heintze ermöglichen. Ein Leben mit Garten, mit gemeinsamen Aktivitäten, aber auch Rückzugsmöglichkeiten. Ein Leben, von dem sie sagt: „So möchte ich im Alter leben.“

Die Wohngemeinschaft in Berlin versteht sie als Modellprojekt. Weitere sollen folgen. Auch im Märkischen Kreis. Doch sie braucht Menschen, die ihr helfen. Menschen, die Häuser oder Grundstücke zur Verfügung stellen. Menschen, die sich wie sie für entspannte, angenehme Wohnformen im Alter begeistern. Die Senioren-WG ist für sie mehr als ein Traum. „Es ist wie ein Auftrag“, sagt sie.

Gespannt, wie es weitergeht

Ihre Erkrankungen haben sie Geduld gelehrt. „Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht“, schreibt sie. „Aber zu wissen, dass es weitergeht, ist das Allerwichtigste.“

Wer sich über die Senioren-WG informieren möchte, kann sich mit Simone Heintze über ihre Internetseite in Verbindung setzen.

Das Buch „Aufgeben? Niemals!“ gibt es im Buchhandel (Edition Chrismon; 18,00 Euro).