Elvis, Zimt und Jesus

Hagen. (OS/AnS) Weihnachten, das Fest der Liebe: Im Kalender der Christen ist es das wichtigste Fest des Jahres. Aber selbst Familien, die eine andere Religion haben, feiern, zünden Kerzen auf dem Adventskranz an und beschenken sich. Jede Familie hat ihre ganz eigenen Traditionen. Der Wochenkurier hat bei Hagenern, die ausländische Wurzeln haben, oder die nur zeitweise in der Volmestadt leben, mal nachgefragt, wie sie denn Weihnachten verbingen. Unter anderem standen auch die beiden amerikanischen Basketballspieler J.J. Mann und Brandon Jefferson, die zurzeit bei Phoenix Hagen unter Vertrag stehen, Rede und Antwort.

J.J. Mann denkt gerne an Weihnachten in seinen Kindertagen zurück. „Weihnachten ist die erstaunlichste Zeit des Jahres. So viel Liebe und ’Geben’ und Menschen, die zusammengebracht werden –  es ist eine wirklich besondere Zeit. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich aufwuchs, da begannen in meiner Familie die Weihnachtsfeste immer mit einen großen Stapel von Zimtrollen und Erdbeerpfannkuchen, Weihnachtsmusik von Elvis und dem Öffnen von Geschenken. Wir lebten in einem großen Viertel mit vielen anderen Kindern, und nach dem Öffnen der Präsentpäckchen trafen wir uns alle und spielten mit den Sachen, die wir bekommen hatten.

Ich hoffe, dies ändert sich nie, und ich freue mich schon darauf, wenn meine Kinder eines Tages das Gleiche tun können. Nachmittags oder abends sind wir dann in der Regel ins Kino gegangen und danach haben wir Sportübertragungen gesehen, Weihnachten gibt es im Fernsehen immer tollen Sport.

Das Wichtigste für mich zu Weihnachten ist aber Jesus. Dass Gott seinen eigenen Sohn Jesus für uns geopfert hat, ist das größte Geschenk, das jemand überhaupt empfangen kann. Und es ist toll zu sehen, wie Menschen vom Geist Jesus während der Weihnachtszeit erfasst werden und mit so viel Freude und Liebe erfüllt sind.

Besonders auf das diesjährige Weihnachten bin ich sehr gespannt, weil es mein erstes Fest ist, dass ich zusammen mit meiner Frau Amy Jo verbringe. Wir freuen uns schon darauf, mit unseren eigenen Weihnachtstraditionen zu starten!“

Feiern mit „Gumbo“

Auch bei Brandon Jefferson geht es Weihnachten ganz traditionell zu. „Weihnachten gehen meine Familie und ich schon früh am Morgen in die Kirche. Dann nach der Kirche geht es nach Hause und die Geschenke werden geöffnet. Zu essen gibt es ’Gumbo’. Gumbo ist ein Eintopfgericht der US-amerikanischen Südstaatenküche aus Louisiana.

Im Fernsehen werden zu Weihnachten immer gute NBA-Spiele gezeigt, die wir uns alle anschauen. Nachts gehen wir in der Regel ins Kino.

Das Wichtigste an Weihnachten aber ist Jesus: ’Jesus ist the reason for the Season!’“

Polnische Traditionen

Bereits als Kind kam Justine Fischer mit ihren Eltern und ihrer Schwester aus Polen nach Deutschland. Nicht nur die Sprache war ungewohnt, auch vieles andere war neu und musste gelernt werden. Eines hat sie sich bis heute bewahrt: Das Weihnachtsfest, wie es in katholischen Familien in ihrer Heimat gefeiert wird. Jetzt gibt sie die Traditionen an ihre achtjährige Tochter Selina weiter.

Weihnachten ist bei Fischers vor allen Dingen eins: viel Arbeit in der Küche. Als besonders wichtig eingestuft wird nämlich das Essen rund um die Feiertage. Zwölf Gerichte kommen am Heiligen Abend auf den Tisch, die je nach Region durchaus unterschiedlich sein können. Karpfen, diverse Sorten Piroggi (gefüllte Teigtaschen: „Davon machen wir je Sorte 300 Stück.“), Barszcz (Rote-Beete-Suppe), Lachs, Kutja (süßer Nachtisch bestehend aus Weizen, Honig, Mohn, Nüssen), ein bunter Kartoffelsalat, Kompott aus getrockneten Früchten und Heringe in Sahne und Öl bereiten Justine Fischer und ihre Mutter vor. Fleisch – meist Gans, Kaninchen UND Ente – gibt es erst am ersten und zweiten Feiertag.

Zudem findet sich unter den Speisen eine Oblate. „Die wird vom Obersten – bei uns ist das mein Vater – der Familie gebrochen und unter allen Anwesenden verteilt, begleitet von guten Wünschen“, erklärt die Hagenerin. Auch ein extra Teller darf auf dem Tisch nicht fehlen. „Es könnte noch ein Armer anklingeln, der dann gerne von uns mitversorgt wird.“

Wenn der erste Stern am Abendhimmel leuchtet, geht es zur Bescherung. Ganz traditionell – wie auch in vielen deutschen Familien – ertönt ein Glöckchen, wenn das Christkind die Geschenke unter den Baum gelegt hat. Ein Besuch eines Gottesdienstes gehört an diesem Tag wie auch an den folgenden selbstverständlich dazu. „Wir gehen am 24. Dezember abends noch in die Heilige Messe, die in Polen übrigens erst um Mitternacht stattfindet.“

Der Baum wird zwei Wochen vor dem Fest aufgestellt und in der Regel am Dreikönigstag, 6. Januar, wieder abgeschmückt. „Mein Mann und ich haben aber mittlerweile unsere eigene Tradition. Meist steht unserer Baum schon Anfang Dezember.“ In Polen, kann sich Justine Fischer erinnern, ging es vier Wochen vor Weihnachten zum Religionsunterricht, meist noch vor Schulbeginn.

Egal, liebe Leser, wie sie Weihnachten verleben: Das Redaktionsteam wünscht Ihnen ein frohes Fest und besinnliche Feiertage.