Eugen-Richter-Turm: Ein politisches Wahrzeichen

Von Gerhard E. Sollbach

Hagen. Der Eugen-Richter-Turm wurde als letzter der vier Hagener Gedenktürme errichtet. Geehrt wird damit der linksliberale Politiker Eugen Richter, der von 1874 an bis zu seinem Tod 1906 den Wahlkreis Hagen-Schwelm im Reichstag und fast ebenso lang im westfälischen Provinziallandtag vertrat.

Der als letzter der Hagener Gedenktürme 1911 errichtete Eugen-Richter-Turm auf der Wehringhauser Höhe. Er wurde 2012 komplett saniert. (Foto: Sollbach)
Der als letzter der Hagener Gedenktürme 1911 errichtete Eugen-Richter-Turm auf der Wehringhauser Höhe. Er wurde 2012 komplett saniert. (Foto: Sollbach)

Schon kurze Zeit nach Richters Tod kam es in Hagen zur Bildung eines Denkmal-Komitees. Dessen Ziel war es, die Erinnerung an Eugen Richter durch den Bau eines massiven Turms in Hagen wachzuhalten. Als Standort wählte man eine Stelle auf der Wehringhauser Höhe.

Nicht zufällig

Der Platz war nicht zufällig, sondern mit ganz bestimmter Absicht und auf Grund seiner Symbolträchtigkeit gewählt worden. Er liegt nämlich direkt gegenüber dem Bergrücken, auf dem 1901 der Turm für Reichskanzler Otto von Bismarck errichtet worden war. Die Politik Bismarcks hatte Eugen Richter als Abgeordneter nämlich immer scharf bekämpft.

„Trutzburg“

Aber nicht nur durch die Standortwahl, sondern auch durch die architektonische Gestaltung sollte der Turm den Gegensatz zwischen Richter und Bismarck sinnfällig zum Ausdruck bringen. Der Eugen-Richter-Turm erweckt daher in seiner äußeren Form nicht zufällig den Eindruck einer Trutzburg. Seine massive Gestalt sollte Standhaftigkeit und Abwehrbereitschaft signalisieren und damit augenfällig für jedermann den Sinn des Denkmals verdeutlichen.

Die konkrete Planung und Ausführung des Denkmalbaus übernahmen die Hagener Honoratioren der (linksliberalen) Fortschrittlichen Volkspartei (als Nachfolgerin der Freisinnigen Volkspartei). Zu ihnen gehörte unter anderen auch der damalige Reichstagsabgeordnete und Hagener Oberbürgermeister Willi Cuno.

Die Finanzierung des Baus erfolgte jedoch durch Spenden von Mitgliedern und Anhängern der Fortschrittlichen Volkspartei im gesamten Deutschen Reich.

Einweihung

Am 22. Oktober 1911 konnte der Eugen-Richter-Turm in Anwesenheit zahlreicher Prominenz der Fortschrittlichen Volkspartei feierlich eingeweiht werden. Zusammen mit dem Bismarck- und dem Kaiser-Friedrich-Turm hat der Eugen-Richter-Turm wesentlich zur Identitätsfindung der Stadt Hagen beigetragen. So bezeichnet sich Hagen gelegentlich – beispielsweise in der touristischen Werbung – auch als „Drei-Türme-Stadt“. Dabei wird allerdings der älteste Hagener Turm, nämlich der bereits 1869 errichtete Freiherr-vom-Stein-Turm auf dem Kaisberg in Hagen-Vorhalle, geflissentlich unterschlagen. Vielleicht auch deshalb lässt man diesen Turm als einzigen der vier Hagener Aussichtstürme seit Jahren verfallen.

Der Eugen-Richter-Turm und 100 weitere historische Stätten und Sehenswürdigkeiten werden ausführlich in Bild und Text in dem soeben erschienen Werk von Ralf Blank, Stephanie Marra und Gerhard E. Sollbach „101 historische Schätze in und um Hagen“ vorgestellt. Das 388 Seiten starke und reich illustrierte Buch ist bereits im Buchhandel erhältlich und kostet 17,95 Euro.