„Flötchen“ Geldmacher

Spannendster Teil der Ausstellung sind Bilder des 1992 verstorbenen Künstlers Horst Geldmacher. Weithin bekannt wurde er mit einem Terrakottarelief für das inzwischen abgerissene, 1965 gebaute Hagener Rathaus. Dieses Relief widerspiegelte auf der gesamten Länge des Ratskellerflures die verschiedensten historischen Stationen der heimischen Geschichte. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (EE) Im Jahr 1924 wurde der Hagenring gegründet, eine der ältesten noch heute aktiven Künstlervereinigungen Deutschlands. Bereits ein Jahr später, 1925, konnte die erste Ausstellung gefeiert werden. Und auch heute noch ist der Verein höchstaktiv: In Kürze wird die Hagenring-Galerie im Rahmen von Ruhr.2010 mehrere Werke der Künstler Siegfried Erdmann und Horst Geldmacher ausstellen.

Spannendster Teil der Ausstellung sind Bilder des 1992 verstorbenen Künstlers Horst Geldmacher. Weithin bekannt wurde er mit einem Terrakottarelief für das inzwischen abgerissene, 1965 gebaute Rathaus. Dieses Relief widerspiegelte auf der gesamten Länge des Ratskellerflures die verschiedensten historischen Stationen der Hagener und Märkischen Geschichte. Die Gestaltung des Reliefs erinnerte an ein überdimensionales Puzzlespiel. Maurer mussten seinerzeit die nach Hagen gelieferten Stücke nach Geldmachers Planung zusammensetzen. Panik und Entsetzen herrschten bei der Ankunft des Künstlers: Das Puzzle ging nicht auf! Das Spiel begann für die Maurer von vorne.

Im neuen Rathaus

Seit 2004 befindet sich das über 24 Meter lange Werk nun im neu erbauten Hagener Rathaus. In nicht immer streng chronologischer Reihenfolge, beginnend mit dem achten Jahrhundert nach Christus (Zeit Karls des Großen), präsentiert das Werk neben vorchristlichen germanischen Runenzeichen zum Beispiel auch Abbildungen bezogen auf die Ritterzeit in der Grafschaft Mark, das Elend während des Dreißigjährigen Krieges, den ersten Hagener Brückenbau im Jahre 1714, die Gründung der “Mechanischen Werkstätte Harkort und Co.“ 1819 und den weiteren, besonders im Ruhrgebiet historisch beeindruckenden Verlauf der Industrialisierung.

Freund von Grass

Grafik und Musik – diese zwei Elemente sind Kern Geldmachers Werke und auch seines Lebens. Seine Blockflöte galt als sein ständiger Begleiter, mit spontanen Solokonzerten konnte man so gut wie immer rechnen. Sein musikalisches Talent spiegelte sich auch in der Freundschaft zu Günter Grass wider.

Siegfried Erdmanns zwei Meter hohe Skulputurengruppe vor der Fachhochschule versinnbildlicht Verständigung und Gemeinschaft sowie das Geben und Nehmen von Lehrenden und Lernenden. (Foto: Michael Eckhoff)

Um sein Kunststudium zu finanzieren, gründete Geldmacher mit seinem Freund, dem heutigen Nobelpreisträger Grass 1948, eine Jazz-Combo. Geldmacher, genannt “Flötchen“, spielte neben seinem Lieblingsinstrument auch Dudelsack. Die recht ungewöhnliche Jazz-Combo begeisterte das Publikum an vielen, langen Abenden in diversen Lokalen der Düsseldorfer Altstadt. Eine Zusammenarbeit fand auch auf anderen Ebenen statt, 1959 veröffentlichten die Beiden ein Jazz-Bilderbuch mit dem Titel “O Susanna“. Grass lieferte bildhaft verfasste Texte, Geldmacher war für die Grafiken verantwortlich. Auch für Grass war die Freundschaft zu dem Musiker von großer Bedeutung. In seinem Roman “Die Blechtrommel“, welcher heute zu den bedeutendsten Werken der Deutschen Nachkriegsliteratur zählt, verewigte er seinen Bandkollegen und Freund auf literarische Art und Weise. Und so trifft man beim Lesen der Zeilen auf Horst Geldmacher, allerdings als Romanfigur sowie unter dem Namen Münzer beziehungsweise Klepp.

Lehren und lernen

Der 1926 in Allenstein in Ostpreußen geborene Bildhauer Siegfried Erdmann begeisterte das Publikum bereits 1952 auf der „Eisen und Stahl“-Kunstausstellung in Düsseldorf und wurde für seine vielseitigen Ton- und Keramikarbeiten im Jahre 2003 mit dem Kunstförderpreis der Gustav-Eschweiler-Stiftung ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich heute in privatem sowie öffentlichen Besitz im In- und Ausland. Vielen Hagenern wird vor allem die etwa zwei Meter hohe Skulpturengruppe, repräsentativ stehend für Verständigung, Gemeinschaft sowie das Geben und Nehmen von Lehrenden und Lernenden, auf dem Gelände der Fachhochschule Südwestfalen an der Feithstraße ein Begriff sein.

Ab 8. August

Die Ausstellung der Werke der beiden Künstler in der Hagenring-Galerie (Wippermann-Passage, Eilper Straße 71 bis 75) richtet sich vom 8. August bis 5. September nicht nur an alle Kunst-Fans, sondern auch an alle, die sich für Hagener Geschichte interessieren. Weitere Informationen gibt es direkt bei der Hagenring-Galerie unter der Rufnummer 0 23 31 / 2 87 79 sowie auf der Website www.hagenring.de.