Fräulein gingen „stiften“

Amalia Dorothea Elisabetha von Bottlenberg, Äbtissin des Stifts Elsey 1776-1797 (Privatbesitz). (Foto: Sammlung Sollbach)

Elsey. (Red.) Vor 200 Jahren, zum Stichtag 1. Januar 1812, erfolgte die förmliche Aufhebung des freiweltlichen adligen Damenstifts in Elsey. Rechtsgrundlage dafür war ein kaiserliches Dekret Napoleons I. vom 22. Juni 1811, das eine Neuordnung der Finanzen im französischen Großherzogtum Berg vorschrieb.

Damals gehörte nämlich Elsey wie die gesamte Grafschaft (Hohen-)Limburg zu diesem von Napoleon geschaffenen neuen Großherzogtum. Die Durchführung der Aufhebung des Stifts Elsey und auch der übrigen damals noch auf dem Territorium des Großherzogtums bestehenden Stifte ordnete dann rückwirkend zum 1. Januar 1812 ein vom 11. Januar 1812 datierender Beschluss des großherzoglich-bergischen Regierungskommissars an. Allerdings lebten damals keine Stiftsfräulein mehr im Stift Elsey.

Bedeutend für Hohenlimburg

Mit der Aufhebung des Stifts fand eine Einrichtung auch formal ihr Ende, die Jahrhunderte lang für das (Hohen-)Limburger Gebiet eine wesentliche Rolle gespielt hatte. So war das Stift nach dem Landesherrn und den Herren von Brabeck (Letmathe) lange Zeit der größte Grundbesitzer in der Grafschaft. Viele (Hohen-)Limburger Einwohner waren als Inhaber und Pächter von Stiftshöfen auch Hörige des Stifts.

Der Verein für Orts- und Heimatkunde Hohenlimburg e.V. will das Jubiläum der Stiftsaufhebung daher nicht einfach vorübergehen lassen. In einer gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Elsey durchgeführten Veranstaltung soll an das Geschehen vor 200 Jahren erinnert werden. Für den Festvortrag am 26. Januar 2012 konnte Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach vom Historischen Institut der TU in Dortmund gewonnen werden. Der Historiker hat sich wiederholt ausgiebig mit den hiesigen früheren Frauenstiften beschäftigt.

Nur ein Stifts-Phantom

„Aber in Elsey wurde damals gar kein Stift aufgehoben“, behauptet der Professor. „Ein eigentliches Stift gab es hier nämlich schon längst nicht mehr. Es existierte nur noch als ein Phantom.“ Also kein Grund für ein Jubiläum? Doch, meint Prof. Sollbach. „Das Datum stimmt und auch der Rechtsakt ist erfolgt.“

Wie das alles zu verstehen ist, auch dazu will sich der Historiker in seinem Vortrag am 26. Januar „Die Anhänglichkeit der Stiftsdamen an ihr Institut ist nicht mehr so stark wie damals – das unrühmliche Ende des Stifts Elsey vor 200 Jahren“ äußern.

Gegründet wurde das Stift Elsey um 1220 zunächst als ein Chorfrauen-Stift des weiblichen Zweigs des Prämonstratenser-Ordens. Allerdings ist die Zugehörigkeit der geistlichen Genossenschaft zum Prämonstratenser-Orden urkundlich erst für das Jahr 1259 belegt. Die Anlage entstand – vor Hochwasser geschützt – am Hang einer unteren Lenne-Mittelterrasse, die hier bis zu 13 m über das Lenne-Niveau ansteigt. Einige Stiftsbauwerke aus verschiedenen Errichtungsepochen stehen in Elsey auch heute noch.

Bereits im Spätmittelalter wurden die Ordensregeln aber nicht mehr eingehalten. Ab dem späten 15. Jahrhundert ist Elsey dann als ein freiweltliches Stift organisiert gewesen. Die jetzt in das Stift eintretenden Fräulein legten daher auch keinerlei Ordensgelübde mehr ab, sondern leisteten lediglich ein Gehorsamsversprechen gegenüber der Äbtissin. Auch konnten sie jederzeit wieder aus dem Stift austreten. Aufnahme in das Stift fanden jedoch nur Töchter adliger bzw. ritterbürtiger Familien. Wie die erhaltenen Namen der Elseyer Stiftsfräulein bezeugen, entstammten sie fast sämtlich dem niederen Adel der Grafschaft Mark.

Versorgungsanstalt

Wirtschaftliche Grundlage des Stifts war der hauptsächlich durch fromme Schenkungen noch im Laufe des Mittelalters erworbene landwirtschaftliche Grundbesitz in Form von ganzen Höfen und einzelnen Landstücken. Diese waren in der Neuzeit aber sämtlich verpachtet und die von den Pächtern einkommenden Pachtleistungen wurden an die Stiftsdamen zu deren Unterhalt verteilt.

In der Neuzeit hat sich das Stift jedoch immer mehr zu einer bloßen Versorgungsanstalt für unverheiratete Adelstöchter entwickelt. Dieser Vorgang hat zusammen mit der durch innere Misswirtschaft und widrige äußere Umstände verursachten zunehmenden Verarmung des Stifts dann auch wesentlich dessen Niedergang herbeigeführt.

Der Vortrag von Prof. Sollbach am Donnerstag, 26. Januar 2012, findet im Melanchthonhaus an der Elseyer Kirche statt.

Beginn: 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.