Gelungene Premiere: „Projekt Hagen“

Hagen. (hc) Wie sehen Hagener Jugendliche „ihre“ Stadt im Jahr 2016? Diese zentrale Frage wird in „Projekt Hagen“, dem neusten Werk von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, zum Thema. Auf die Bühne bringt es das Ensemble des Hagener Jugendtheaters „Lutz“.

Aktuelle Story

Die Geschichte könnte aktueller nicht sein. 15 Jugendliche wollen ihren Stadtteil (Altenhagen) bei einer TV-Show vorstellen. Monatelanges Proben der Youngster wird jedoch innerhalb von Minuten von den beiden Redakteuren über den Haufen geworfen. Mark Tumba, als Arno, und Lucia Balacova, als Isabelle, treiben geschickt einen Keil zwischen die Jugendlichen und provozieren Reaktionen.
Die jungen Hagener stehen vor einer Grundsatzentscheidung: „Zählt der Erfolg der Gruppe – oder verfolge ich individuelle Interessen?“ Lösungen, die beide Wege einschließen, scheinen nicht möglich. Bis zum Ende kann die Gruppe sich nicht entscheiden, welchen Weg sie wählen möchte.
Die Aktualität des Stücks wird besonders am Tag der Uraufführung am Sonntag, 13. März, deutlich. Bei den Landtagwahlen in drei Bundesländern wurde eine Partei mit jeweils zweistelligen Ergebnissen in die Parlamente gewählt, die von den Unterschieden in der Gesellschaft nicht viel hält. Aber gerade das „Projekt Hagen“ zeigt, dass soziale Unterschiede, verschiedene Herkunftsländer oder Geschlecht keine Rolle spielen, wenn man sich gemeinsam Ziele setzt und gleichberechtigt behandelt.

„Hallo Deutschland“

Besonders der Rap-Text von Darsteller Najib el-Chartouni in „Hallo Deutschland“ zeigt, dass die Ängste aller Menschen gleich sind und mit welchen Vorurteilen die jungen Menschen konfrontiert werden: „..mal bin ich dein Mitbürger und dann bin ich sympathisch, manchmal bin ich böse und dann gefällt dir mein Bart nicht, du hast mich aufgenommen und ich bin dir dankbar dafür, doch alles was auch so passiert, verbreitet auch Angst in mir. Ich bin kein Freund von Terror und auch kein Freund von Streit, aber du bist leider viel zu oft der Freund von Vorurteilen“, heißt es dort.

Mit Witz und Spitzfindigkeit begegnen die Jugendlichen den Provokationen der Redakteure. Die Darsteller überzeugen bei „Projekt Hagen“ vor allem durch ihre Authentizität. Mit den ständigen Konflikten, denen sie sich ausgesetzt sehen, setzt sich jeder von ihnen anders auseinander. Mal mit Aggressivität, mal mit Passivität, aber stets authentisch.

Tolle Darsteller

Besonders für ihre tänzerische und gesanglische Leistung hervorzuheben sind Andreas Ledwig und Debborah Kuyitila.
Debborah, die Debby spielt, überzeugt mit einer tollen Stimme; ihre Interpretation von Adeles „Rolling in the deep“ sorgte für tosenden Applaus. Sie wird mit ihrer Band auch noch einen zusätzlichen Auftritt haben, an einem der Abendtermine. Andres Ledwig begeisterte mit seinen Breakdance-Einlagen. Körperliche Höchstleistung gepaart mit Rhythmus sorgen für eine mitreißende Kombination.

Positives Fazit

Das Fazit fällt durchweg positiv aus. Ein tolles, überaus aktuelles Theaterstück mit lokalem Bezug Es begeistert daher nicht nur junge, sondern auch ältere Zuschauer. Die Räumlichkeiten bei Bandstahl Schulte im Lennetal rundeten das ganze Stück noch ab.