„Genug ist genug“: Warten auf Grün und warmen Regen

„Alle Menschen sehnen sich jetzt nach Sonne, Wärme und frischem Grün“, wissen die beiden städtischen Förster Horst Heicappell (l.) und Michael Knaup (r.). Auf Heicappell, Knaup und das Forst-Team wartet sogleich eine Riesen-Aufgabe. (Foto: wk-Archiv)

Hagen. (as) „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche/ durch des Frühlings holden belebenden Blick“, dichtete einst Johann Wolfgang von Goethe in seinem Osterspaziergang. „Vom Eise befreit“ präsentiert sich auch Hagen – heute, am 20. März 2013, dem Datum der Tag-und-Nacht-Gleiche, dem Tag, der in diesem Jahr für den Frühlingsanfang steht. Nur auf „des Frühlings holden belebenden Blick“ müssen wir womöglich noch ein wenig warten. „Da wurden doch schon wieder Kälte und Schnee vorhergesagt“, sagt Horst Heicappell, Fachbereichsleiter Grün des Wirtschaftsbetriebs Hagen. „Hoffen wir mal, dass wir nicht noch einmal einen auf die Mütze kriegen.“

Zwar liebt Horst Heicappell durchaus die Kapriolen der Natur. Aber nach gefühlten zehn Monaten Winter ist es auch ihm genug: „Alle Menschen sehnen sich jetzt nach Sonne, Wärme und frischem Grün“, sagt er. „Nach Blüten und jungen Trieben.“ Wenn die Temperaturen mitspielen, „kann das ganz schnell gehen“, sagt Horst Heicappell. „Ein paar Tage zehn, zwölf Grad und ein schöner Regen und auch im Wald beginnt es zu grünen und zu blühen.“ Regen? Muss das sein nach all dem Eis und Schnee? Von Horst Heicappell kommt ein klares „Ja“. Die Feuchtigkeit von Eis und Schnee ist, so der Experte, nicht tief in den Boden eingedrungen. Sie wurde von der Frostschicht gebremst. „Was wir jetzt brauchen, ist ein schöner, warmer Landregen“, sagt Horst Heicappell. Der Fachbereichsleiter Grün schmunzelt: „Es kann ja auch nachts regnen. Das würde schon reichen.“

38.000 neue Bäumchen

Ein bisschen Regen wäre auch ganz nach dem Geschmack von Michael Knaup, Fachleiter Forstwirtschaft des Wirtschaftsbetriebs Hagen. Gemeinsam mit seinem Team bewältigt Michael Knaup augenblicklich eine wahre Mammutaufgabe. Die Waldexperten pflanzen 38.000 neue Bäumchen an der Hasper Talsperre, im Stadtwald und am Kurk. Also 38.000 Löcher graben, Bäumchen rein, mit Erde auffüllen, angießen. Und das alles, damit die Artenvielfalt in Hagener Wäldern erhalten bleibt. Gepflanzt werden Buchen, Eichen, Wildkirschen, aber auch Douglasien und Esskastanien. Die beiden letztgenannten Arten sind eigentlich eher etwas für trockenere Zeiten. Aber: „Man macht sich schon jetzt Gedanken über den Klimawandel“, sagt Michael Knaup. Douglasien und vor allem Esskastanien gedeihen prima bei trockenerem Klima. In kleinen Grüppchen werden die neuen Bäume angepflanzt. „In 30, 40 Jahren wird man sehen, ob sie sich hier genauso gut machen wie in Gegenden mit heute noch trockenerem Klima“, sagt Michael Knaup. Vielleicht laufen wir dann in die Wälder, um Maronen zu suchen und zu sammeln.

Kaum naht der Frühling, denken die ersten Hagener bereits ans „Angrillen“ – und an ein paar schöne Stunden auf dem Balkon oder auf der Terrasse. (Foto: MV)

Staunen über das „Wunder der Natur“

Der Hasper Bezirksbürgermeister Dietmar Thieser liebt zwar den Winter und Schnee, „aber jetzt ist es auch genug“, sagt er. Jetzt, wo die Tage länger sind, „steht man morgens gerne auf“. „Die Vögel zwitschern – da beginnt der Tag doch gleich ganz anders“, sagt Dietmar Thieser. „Das Jahr wird noch schöner, als es bisher war“, glaubt er. Schon jetzt freut sich Thieser auf das Maifest und natürlich den Mai mit all seinen vielen Veranstaltungen.

Dirk Thorbow, Sprecher der Hagener Versorgungs- und Verkehrs-GmbH, wird ganz lyrisch, wenn er den heute beginnenden Frühling beschreibt. „Die Blumen des Frühlings sind die Träume des Winters“, zitiert er den libanesisch-amerikanischen Dichter Khalil Gibran. Über diesen Satz kann man trefflich philosophieren. Doch Dirk Thorbow spricht durchaus auch ganz konkret über Blumen und Pflanzen. „Ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal eine Pflanze überwintert, eine Bougainvillea“, sagt er. „Seit ein paar Tagen steht sie draußen – und sie treibt tatsächlich aus.“ Dirk Thorbow staunt und freut sich über dieses „Wunder der Natur“. Über dieses und über viele andere: „Ich bin ein Frühlings- und Sommermensch“, gesteht er. Ein Mensch, der die Wärme, aber auch die sprießende, wachsende Natur genießen kann. Und natürlich darf bei Frühlings- und Sommermenschen eines nicht fehlen: „Angrillen“, sagt Dirk Thorbow und lacht. „Wir freuen uns schon jetzt auf das erste Grillen des Jahres.“ Ein Blick nach draußen. Vielleicht klappt’s ja bald mit dem ersten Grillabend im Frühling 2013.