Gesundheit auf Reisen beginnt mit einem Impfausweis-Check

Dr. med. Albrecht von Schrader-Beielstein, Prof. Dr. med. Karl-Heinz Herbinger und Prof. Dr. med. Tomas Jelinek (von links) beantworteten die Fragen der Wochenkurier-Leserinnen und Leser. (Foto: pr|nrw)

Den Urlaub unbeschwert genießen – dazu gehört auch die Sicherheit, während der schönsten Zeit des Jahres gesund zu bleiben. Häufig beschränken sich Reiselustige beim Schutz ihrer Gesundheit jedoch auf die Sonnencreme im Urlaubsgepäck. Je nach Reiseziel bestehen allerdings unterschiedliche Risiken, sich mit Viren oder Bakterien zu infizieren, denen der Körper ohne entsprechenden Schutz nichts entgegensetzen kann. Das betrifft exotische Fernreiseziele ebenso wie den Badeurlaub am Mittelmeer oder die Wanderung im Bayerischen Wald.

Wie sich Reisende vor unliebsamen Urlaubssouvenirs schützen, das verrieten erfahrene Reisemediziner an unserem Lesertelefon anlässlich der Europäischen Impfwoche der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die wichtigsten Fragen und Antworten gibt es hier zum Nachlesen:

Bei der Terminvereinbarung sagte mir die Reisemedizinische Praxis, ich solle meinen Impfpass mitbringen. Warum?

Prof. Karl-Heinz Herbinger: Weil aus Ihrem Impfausweis hervorgeht, gegen welche Krankheiten Sie bereits einen Impfschutz haben. Das betrifft zum einen die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standardimpfungen, zum anderen so genannte Indikations- und Reiseimpfungen sowie beruflich notwendige Impfungen. Ein lückenloser Impfschutz bei den Standardimpfungen ist die Grundlage, auf der die je nach Reiseziel sinnvollen Impfungen aufbauen. Zusätzlich berät der Reisemediziner zu weiteren Maßnahmen wie Mückenschutz, Trinkwasser- und Lebensmittelqualität oder eventuell notwendigen Medikamenten für die Reise. Damit Maßnahmen wie Impfungen ihre Wirkung entfalten können, sollte Ihr Termin beim Reisemediziner zirka sechs Wochen vor Urlaubsbeginn liegen.

Mein Hausarzt empfiehlt, dass ich mich vor dem Italienurlaub gegen Hepatitis A impfen lassen soll. Ist das wirklich sinnvoll?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: Auf jeden Fall! Nach wie vor gehört der gesamte Mittelmeerraum zum Risikogebiet für eine Hepatitis A-Infektion. Das Virus kommt in verunreinigtem Trinkwasser und in kontaminierten Lebensmitteln vor. Salate, Obst, Eistee, Eiswürfel, Meeresfrüchte und Muscheln sind mögliche Ansteckungsquellen. Es verbreitet sich leicht und ruft eine akute Leberentzündung hervor, die bis zu drei Monaten dauern kann. Da es schwierig ist, den Kontakt mit dem Virus sicher zu vermeiden, empfehlen wir bei Reisen in Risikogebiete eine Schutzimpfung.

Und wie sieht es mit dem Schutz vor Hepatitis B aus?

Dr. von Schrader-Beielstein: Anders als Hepatitis A-Viren wird die Hepatitis B-Infektion über Blut und Schleimhäute übertragen. Ein großer Teil der Infektionen geht auf Intimkontakte, insbesondere in der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen zurück. In jüngerer Zeit gelten jedoch Tattoos als beliebtes Reisesouvenir, besonders bei jüngeren Reisenden. Verunreinigte Tätowierinstrumente sind eine mögliche Quelle für eine Hepatitis B-Infektion. Die Erkrankung führt bei etwa jedem zehnten Patienten zu einer chronischen Leberentzündung mit dem weiteren Risiko einer Leberzirrhose. Zudem ist das Risiko für Leberkrebs um den Faktor 100 höher als in der Normalbevölkerung. Einziger sicherer Schutz ist auch hier die Impfung, die als Kombi-Impfung gegen Hepatitis A und B möglich ist. Für Kinder gehört die Hep B-Impfung übrigens seit 1995 zu den in Deutschland empfohlenen Standardimpfungen.

In asiatischen Ländern gibt es oft streunende Hunde. Soll ich mich vor der Reise gegen Tollwut impfen lassen?

Prof. Jelinek: Das Besondere an Tollwut ist, dass die Krankheit bei ungeimpften Personen ohne rechtzeitige medizinische Hilfe immer tödlich verläuft. Rechtzeitige Hilfe heißt: Die Gabe des Impfstoffs gegen Tollwut muss innerhalb von 24 Stunden nach einem Biss begonnen werden. Die WHO geht von jährlich etwa 59.000 Todesfällen durch Tollwut aus, wobei in über 90 Prozent der Fälle ein Hundebiss die Ansteckungsursache ist. Besonders in Asien und Afrika ist die Tollwut verbreitet, sie kommt aber auch bei bestimmten Fledermausarten in Europa vor. Die Impfung ist für Kinder und Erwachsene sinnvoll, die in Risikogebiete reisen – und sie ist der einzige wirksame Schutz.

Was hilft gegen Reisedurchfall?

Prof. Jelinek: Das kommt auf die Ursache des Durchfalls an. Die „klassische“ Reisediarrhoe beginnt meist schon nach wenigen Reisetagen, dauert in der Regel etwa drei bis fünf Tage an und kann gut mit der Kombination Tannin und Racecadotril behandelt werden. Beides ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Wichtig ist dabei, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen! Allerdings kann ein heftiger Durchfall, besonders in Begleitung von Fieber, auch die Folge zum Beispiel einer Malaria- oder Choleraerkrankung sein. Dann sollten Sie schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, denn ohne rechtzeitige medizinische Hilfe können beide Erkrankungen tödlich verlaufen. Gegen Cholera lässt sich mit einer Schutzimpfung vorbeugen, gegen Malaria hilft konsequenter Mückenschutz oder – je nach Reiseziel, -zeit und Dauer – eine medikamentöse Prophylaxe. Informationen dazu finden Sie beim Centrum für Reisemedizin unter www.crm.de.

Ich plane eine Trekking-Tour in Indonesien. Wie sieht es dort mit dem Typhus-Risiko aus?

Prof. Jelinek: Typhus ist nach wie vor überall dort ein Problem, wo Hygienestandards und Lebensmittel- und Trinkwasserqualität niedrig sind. Dazu zählen Länder wie Pakistan, Indien, Thailand, Indonesien, Ägypten, Türkei und Marokko. Die Krankheit wird durch Bakterien hervorgerufen, die über infizierte Nahrungsmittel oder Schmierinfektionen bei akut Erkrankten übertragen werden. Symptome sind langsam steigendes Fieber bis über 40 Grad, Hustenreiz, Verstopfung, danach Durchfälle. Komplikationen wie Darmblutungen, Hirnödem, Entzündungen von Bauchhaut, Gallenblase und Herzmuskel sind möglich. Zwar ist die Behandlung mit Antibiotika möglich, aber wegen zunehmender Resistenzen aufwendig. Zeitlich befristeten Schutz vor einer Ansteckung bietet eine Schluck- oder Injektionsimpfung.

Stellen Krankheiten wie die Japanische Enzephalitis für „normale Pauschaltouristen“ tatsächlich ein Risiko dar?

Prof. Herbinger: Die Japanische Enzephalitis kommt in ländlichen Gebieten Asiens vor und wird durch ein Virus verursacht, dass über einen Mückenstich übertragen werden kann. Mücken machen keinen Unterschied zwischen Einheimischen und Touristen. Insgesamt mag das Risiko einer Infektion und eines tatsächlichen Krankheitsausbruchs gering sein, aber es existiert keine wirksame spezifische Therapie. Mögliche Folgen der Erkrankung sind Krampfanfälle, Lähmungen und geistige Behinderung – über 15.000 Menschen sterben jährlich an dieser Form der Hirnentzündung. Ihr Reisemediziner wird Sie vor Reiseantritt beraten, ob eine Impfung für Ihr Urlaubsziel sinnvoll ist und welche Nebenwirkungen die Impfung mit sich bringen kann.

Ist die Impfung gegen Gelbfieber freiwillig oder vorgeschrieben?

Prof. Herbinger: In welchen Ländern die Gelbfieber-Impfung verpflichtend ist, erfahren Sie bei der reisemedizinischen Beratung. Die Impfung darf nur von dafür zugelassenen Impfärzten verabreicht werden, muss im gelben internationalen Impfausweis eingetragen, vom Impfarzt unterzeichnet und beglaubigt sein. Wichtig: Die Impfung muss mindestens zehn Tage vor Einreise ins Risikogebiet verabreicht werden. Ansonsten kann die Einreise verweigert werden. Ein Verzeichnis der Gelbfieber-Impfstellen finden Sie beim Centrum für Reisemedizin unter www.crm.de.

Mücken übertragen eine ganze Reihe schwerer Krankheiten – wie schütze ich mich vor ihnen?

Prof. Jelinek: Drei konsequent angewendete Maßnahmen helfen, sich die gefährlichen Plagegeister vom Leib zu halten: Schlafen Sie immer unter einem mit Permethrin imprägnierten Mückennetz mit der richtigen Maschengröße, tragen Sie speziell imprägnierte, mückendichte Kleidung und verwenden Sie einen Hautschutz mit DEET für unbedeckte Hautpartien. Ansonsten ist es hilfreich zu wissen, wann die Mücken aktiv sind, um eine entsprechende Tagesplanung vorzunehmen. Bedenken Sie auch, dass gegen viele der von Mücken übertragene Krankheiten eine Impfung schützt, nicht aber zum Beispiel gegen Dengue-Fieber oder eine Zika-Virus-Infektion.

Gibt es denn mittlerweile eine Impfung gegen Malaria?

Prof. Herbinger: Leider nicht für Reisende, und es wird sie auch in absehbarer Zeit nicht geben, obwohl intensiv daran geforscht wird. Deshalb zählt auch hier der bestmögliche Schutz vor Mückenstichen. Nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risken kommt auch eine medikamentöse Prophylaxe infrage. Zusätzliche Sicherheit im Falle einer Infektion bietet die Mitnahme einer Malaria-Notfallselbsttherapie, falls vor Ort keine ärztliche Versorgung sichergestellt ist.

Helfen Insektenschutzmittel auch gegen Zecken?

Dr. von Schrader-Beielstein: Nur bedingt und kurzzeitig. Zudem laufen Zecken unter Umständen lange auf der Kleidung herum, bis sie eine freie Hautstelle finden. Wichtiger ist es, den Körper immer nach einem Aufenthalt im Freien abzusuchen, damit Sie eine Zecke möglichst rasch wieder entfernen können. Dazu verwenden Sie am besten eine Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette und ziehen die Zecke langsam nach oben aus der Haut heraus. Zecken bevorzugen Hautfalten, etwa unter den Achseln, hinter dem Ohr, in Kniekehlen oder in der Leistengegend. Suchen Sie also überall gründlich nach!

Übertragen alle Zecken Krankheiten?

Dr. von Schrader-Beielstein: Es sind vor allem zwei Krankheitserreger, die von Zecken übertragen werden können: Borreliose-Bakterien und – regional begrenzt – das FSME-Virus. Bei der Borreliose tritt innerhalb eines Zeitraums von fünf bis 30 Tagen nach einem Stich eine so genannte Wanderröte rund um die Einstichstelle auf. Komplikationen sind grippeähnliche Beschwerden und Gelenkschmerzen, in seltenen Fällen auch Lähmungen und Hirnhautreizungen. Die Borreliose lässt sich bei rechtzeitiger Diagnose gut mit Antibiotika behandeln. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis führt ebenfalls zu grippalen Symptomen und Fieber, in 10 Prozent der Fälle kommt es zu einer Entzündung der Hirnhaut oder von Hirnzellen, die zu neurologischen Ausfällen bis hin zu Koma und Tod führen können. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es für die FSME einen Impfschutz. Hochrisikogebiete sind beliebte Urlaubsregionen wie Bayern oder Österreich. Die aktuellen Verbreitungsgebiete von Zecken mit FSME-Viren finden Sie beim Robert Koch-Institut unter www.rki.de.