Hagen. Die Abenteuergeschichte beginnt ganz harmlos an einer englischen Bushaltestelle im Jahr 1872. Phileas Fogg, ein exzentrischer und pünktlichkeitsliebender Brite wie er im Buche steht, macht sich mit seinem Diener Passepartout auf, seine damals praktische unmögliche Wette einzulösen: In nur 80 Tagen will er einmal um die Welt reisen.
Dabei verfolgt Detektiv Fix die beiden, der Fogg für einen Bankräuber hält. Per Schiff, Zug oder notfalls auch per Elefant geht es für die drei nun um den ganzen Globus – und von einem Abenteuer zum anderen.

Dabei lernt der ober-englische, versnobte und trockene Fogg allmählich, den Kopf aus seinen Büchern und Notizen zu lösen und sich mit allen Sinnen der wunderbaren Welt zuzuwenden. In die schöne Inderin Aouda, die die Reisegefährten unterwegs retten, verguckt sich Fogg besonders tief. Aber wird er noch rechtzeitig in London ankommen und seine Wette gewinnen?

Bühnenabenteuer voller Spannung

Darum geht es in dreizehn Vorstellungen von „In 80 Tagen um die Welt“ nach der berühmten Roman-Vorlage von Jules Verne. Als multimediale Abenteuer-Komödie feiert das Stück für alle ab sechs Jahren am heutigen Samstag, 23. März, um 15 Uhr Premiere im Lutz unter dem Dach des Theaters Hagen.

Lutz-Leiterin Anja Schöne hat die Geschichte, die schon Generationen von Lesern in Atem hielt, mit indischem Tanz, Film und Weltmusik zu einem spannenden Bühnen­abenteuer gemacht, bei dem in jeder Vorstellung eine andere Klasse einer Hagener Schule als „tanzende Indianer“ auf der Bühne steht.

Die Welt neu sehen

„Die gesamte Spielzeit steht unter dem Motto ‚Weltenbummler‘ und lädt ein, einen besonderen Blick auf die Welt zu werfen“, erläutert Anja Schöne. „In unserem Stück ist es gerade der Diener Passepartout, der mit seinem naiven, kindlichen Blick die Dinge in Frage stellt und auch das Unrecht sieht.“

Kolonisation, Entrechtung, soziale Ungerechtigkeit, Armut, Umweltsünden – viele Themen greift das Stück auf. Es stellt vieles in Frage, dreht etliches um, modernisiert und aktualisiert das Weltbild, das zu Jules Vernes Zeiten noch vom Hochmut des weißen Mannes geprägt war.

Theater Hagen - In 80 Tagen um die Welt
Die Schauspielerin Meera Varghese fasziniert als indische Tänzerin Aouda. (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagener Kinder fiebern ihrem Auftritt entgegen

„Diese Abenteuer-Geschichte zeigt mit viel Humor und ohne moralischen Zeigefinger, wie vielfältig die Welt ist. Es drückt aus, welch großes Gut darin liegt, reisen zu dürfen und andere Kulturen kennenzulernen. Es lehrt, Andersartigem mit dem größten Respekt zu begegnen“, sagt Anja Schöne.

Die Premiere, die Schulvorstellungen und die Familienvorstellungen am 5. Mai und 2. Juni sind bestens nachgefragt. Mit etlichen Workshops für Kinder wurde das Stück vorbereitet, noch bevor die eigentliche Probenarbeit vor fünf Wochen begann. Tatsächlich fast 80 Tage lang war das Stück im Vorfeld der heutigen Premiere in der Stadt präsent.

Vierfache Künste

Im Theater Lutz, im Kulturladen in Wehringhausen und an den Schulen selbst lernten Hagener Kinder vier Kunstformen näher kennen: Schauspiel, Musik und Tanz, Film sowie die Ausstattung einer Produktion mit Kostümen und Bühnenbild. Mit Feuereifer waren sie bei der Sache und fiebern nun ihren Auftritten entgegen.

Die Profis

Das Stück lebt von der Ausstattung durch Sabine Angela Kreiter, der Collage-Animation von Diana Menestrey, der Arbeit des Tanzpädagogen Jozsef Czaba Hajzer und der Musik der Multi-Instrumentalistin Maren Lueg, die alle bereisten Länder authentisch zum Klingen bringt. Zentrales „Möbelstück“ ist ein Gerüst, das transparent und doch durch Projektionen variierbar sich in so ziemlich alles verwandelt, was im Spielverlauf gerade von Nöten ist bis hin zum Reit-Elefanten.

Auf der Bühne zu sehen sind Michael Mayer als Phileas Fogg, Anne Schröder als sein Diener Passepartout, Stefan Merten als Detektiv Fix, als Tempeldiener oder Elefantenboy und die Schauspielerin, Choreografin und Tänzerin Meera Varghese als Inderin Aouda. Im Foyer des Lutz werden vor den Aufführungen zwei kurze Animationsfilme zum Stück gezeigt, die wiederum Kinder in den Workshops selbst gestaltet haben.