Hagener Lied begleitet Girls- und Boys-Day

Hagen. (th) Der Girls- und Boys-Day, oder auch Mädchen- bzw. Jungen-Zukunftstag, findet am Donnerstag, 23. April 2015, bundesweit statt. Der offizielle Song dazu kommt aus Hagen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat die Hagener Musikerinnen und Musiker zu diesem Anlass nach Berlin eingeladen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit und die Bundesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit betreiben das Internetportal „meintestgelaende.de“, auf dem Jugendliche einzeln oder in Redaktionsgruppen Beiträge zu den Themen Geschlechter, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Beteiligung und Vielfalt veröffentlichen können. Mit Text- und Musikbeiträgen in jeglichen Formen soll ein Bild einer zukünftigen, besseren Gesellschaft gezeichnet werden.

„Was geht Almanya“

„Was geht Almanya“ aus Hagen war die erste Redaktionsgruppe des digitalen Gendermagazins und ist gleichzeitig eine der aktivsten: 28 Beiträge haben die Hagener Jugendlichen bereits ins Netz gestellt. Dabei werden sie von Gandhi Chahine und Germain Bleich vom Music Office Hagen professionell begleitet und unterstützt. Die beiden sind nicht nur Profimusiker und Produzenten, sie haben auch schon zahlreiche Erfahrungen mit Jugendkulturprojekten gesammelt und wurden für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet.

Die Arbeit von Gandhi Chahine und Germain Bleich ist den Politikern in Land und Bund wohl bekannt und auch die qualitativ hochwertigen Beiträge von „Was geht Almanya“ blieben nicht lange unentdeckt. So ist es kaum verwunderlich, dass Chahine und Bleich beauftragt wurden, den offiziellen Song zum Girls- und Boy-Day mit „ihren“ Jugendlichen zu produzieren. Natürlich enttäuschten sie ihre Auftraggeber nicht und das Ergebnis kann sich sehen, oder besser gesagt hören lassen.

Ein Lied gegen Vorurteile

„I have a dream“ heißt das Stück und es behandelt das Kernthema des Girls- und Boys-Day, die immer noch vorhandenen Rollenklischees in der Berufswelt. Diese Berufe sind Männersachen, jene sind Frauensache. Auf ehrliche und erfrischende Weise zeigen die jungen Musikerinnen und Musiker aus Hagen auf, dass ihnen solche Vorurteile immer noch begegnen und dass sich das schleunigst ändern sollte.

Die Band setzt sich natürlich aus Frauen und Männern zusammen: Annalena Schneider, Bahar Kürekci, Sarah-Ann „La Voice“ Burkhardt, Jackson Musah, Ozan Beydogan und Ertugrul „Shivaz“ Öztaskin. Chahine und Bleich haben diese sechs jungen Künstlerinnen und Künstler bewusst ausgewählt, sie kennen sich untereinander und haben schon in verschiedenen Formationen zusammen musiziert. Hauptsächlich ordnen sie sich dem Hip-Hop zu, einer Musikrichtung, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Sexismus und Homophobie verbunden wird. Leider gibt es auch genügend negative Beispiele, deshalb kämpfen die Hagener auch gegen dieses Vorurteil und zeigen, dass es anders geht.

Berlin oder Düsseldorf

Für die erfolgreiche Arbeit an diesem Projekt gab es auch Diskussionen über das Thema. Nicht immer waren alle sofort einer Meinung, doch gerade dadurch entwickelte die Gruppe ein besonderes Gespür für Genderfragen. Ertugrul „Shivaz“ Öztaskin berichtet von verschiedenen Fällen von  Diskriminierung, die ihm zum Beispiel in der Schule begegnet sind. Er und seine Bandkollegen haben gelernt, gegen Diskriminierung aufzustehen und sich für andere einzusetzen, mit Worten – und mit ihrer Musik.

Diese Motivation macht ihre Arbeit so authentisch. „I have a dream“ kam bei den Politikern unglaublich gut an und es entbrannte geradezu ein Streit darum, wer die Hagener einladen und für ihr Werk ehren darf, die Landes- oder die Bundesregierung. Die Jugendlichen durften sich selber zwischen Düsseldorf und Berlin entscheiden und ihre Wahl fiel – wen wundert’s – auf Berlin.

Hoffnung auf Veränderung

Vom 20. bis zum 22. April besuchen die Hagener die Hauptstadt. Auf dem Programm steht unter anderem ein Treffen mit Manuela Schwesig, sie sich eine ganze Stunde Zeit für die Gruppe nimmt. Das ist eine halbe Ewigkeit für eine Bundesministerin und unterstreicht die Bedeutung der Sache. Außerdem gibt die Gruppe selbst einen Workshop für 30 Grundschülerinnen und Grundschüler.

Ihr Lied „I have a dream“ soll auch im Radio laufen, vielleicht wird es sogar ein kommerzieller Erfolg. Doch darum geht es den jungen Interpreten gar nicht. Ihnen geht es um die Botschaft, um ihre Vorbildfunktion und darum, wirklich etwas zu verändern. Das hört man, in ihrer Musik und in Gesprächen mit ihnen, und das macht Hoffnung. Darauf, dass Gleichberechtigung eines Tages wirklich in der Gesellschaft ankommt, jenseits von Quoten und Formulierungen…