Hagener Tankstellen im Wandel der Zeit

So „niedlich“ sahen die Hagener Tankstellen in den 1950er/60er Jahren aus – mit wenigen Zapfsäulen und ohne Shop. Unsere Leser sind gefragt, nach solchen Fotos Ausschau zu halten. (Foto: Sammlung Wicker)

Hagen. (ME) Es gibt in Hagen über 100.000 zugelassene Kraftfahrzeuge. Und was benötigen diese Kfz tagtäglich? Richtig! Benzin! Den „Sprit“ gibt es im Stadtgebiet an über 50 Tankstellen. Doch obwohl die „Tanke“ zum alltäglichen Leben gehört – fast genauso wie der Bäcker oder der Supermarkt -, weiß kaum jemand etwas über die Geschichte dieser bedeutenden Versorgungseinrichtung.

Sie wollen die Geschichte der Tankstellen erforschen und bitten die wk-Leser um Mithilfe (v.l.): Heinz Oberhag, Elke Wicker, Heinz Tuchel und Eckhard Wicker. Ende 2013 soll ein erster Beitrag hierüber im Hagen-Buch erscheinen. Und Ende 2014 ist ein Buch geplant. (Foto: Michael Eckhoff)

Wann gab es die erste Tankstelle in Hagen? Wo befand sie sich? Welche Tankstellen existierten in der Zwischenkriegszeit im Volmetal, in Haspe oder Hohenlimburg? Fragen über Fragen. Und momentan gibt es hierauf nur unzureichende Antworten. Ein Team um Elke Wicker macht sich jetzt aber auf den Weg, einige dieser Wissenslücken zu füllen. Elke Wicker stammt aus einer alten Boeler „Tankstellen-Familie“ und weiß eine ganze Menge über die Sprit-Versorgung seit den 1950er Jahren. Fotos hat sie schon in größerer Menge auftreiben können. Zusammen mit den „Tankwart-Urgesteinen“ Heinz Oberhag, Heinz Tuchel und mit ihrem Vater Eckhard Wicker konnte sie alle Fotos – bis auf wenige Ausnahmen – auch zuordnen.

Tankstellen-Sterben

„Bis in die 1960er Jahre gab es in Hagen über 80 Tankstellen,“ schätzt der 93-jährige Heinz Tuchel. Eckhard Wicker ergänzt: „Sie gehörten mindestens zu einem Dutzend Marken – viele von ihnen sind fast vergessen: Caltex beispielsweise. Oder Gasolin und Dea.“ In den 1970er Jahren folgte das große Tankstellen-Sterben. Kleinere Zapfanlagen verschwanden – aber ihre Bauten blieben vielfach erhalten, oft umgenutzt von Autohändlern oder Imbissstuben. „In den 1950er und -60er Jahren waren unsere goldenen Zeiten“, sagt Heinz Oberhag, „damals konnte man von einer Tankstellenpacht richtig gut leben, obwohl es weder einen Shop gab noch die Selbstbedienung.“ Früher war es üblich – die älteren Leser erinnern sich -, den Tankwart mit der Aufforderung „Bitte volltanken!“ die Arbeit am Einfüllstutzen machen zu lassen, während man selbst bequem im Auto sitzen blieb.

Die goldenen Zeiten für die Pächter sind aber längst vorbei. Heute – da ist sich das Quartett einig – stopfen sich die großen Mineralöl-Konzerne die Taschen pickepackevoll. Für die Menschen „an der Tanke“ bleiben hingegen nur noch mickrigste Krümel übrig.

„Bitte volltanken“

Gleichwohl ist die Geschichte der Tankanlagen ein spannendes Thema. Elke Wicker und ihr Team suchen deshalb nach weiteren Fotos und Dokumenten. Zusammen mit dem Kulturwissenschaftler Martin Kiel – selbst einer Eckeseyer Tankstellen-Dynastie entstammend – und dessen Frau Anja, Kunsthistorikerin, soll zunächst ein Beitrag für das im November 2013 erscheinende „HagenBuch 2014“ verfasst werden. Danach will man die nächste Stufe „zünden“ – was in diesem Falle bedeutet, dass sich das Team an ein Buch heranwagen möchte. „Bitte volltanken – Hagener Tankstellen im Wandel der Zeit“ wird es voraussichtlich heißen. Es erscheint nach dem aktuellen Stand der Planung Ende nächsten Jahres. Verlegt wird es vom Hagener Ardenku-Verlag (Petra Holtmann).

Insbesondere benötigt werden Fotos aus den 50er und 60er Jahren von Tankstellen in Haspe, Hohenlimburg, Delstern. Ferner mangelt es an Material – Fotos, Hinweise auf Standorte usw. – im Zusammenhang mit den Zapfsäulen vor dem Zweiten Weltkrieg. „Außerdem,“ so Elke Wicker, „verfügten viele Autohäuser auf ihrem Gelände über Tankstellen. Hierüber wissen wir ebenfalls nicht sonderlich viel.“

Wer Elke Wicker, Martin Kiel & Co. unterstützen kann, sollte sich direkt an die Expertin wenden – Elke Wicker ist unter der Telefonnummer (02331) 687-080 erreichbar. Der in der Eduard-Müller-Straße 2 beheimatete Ardenkuverlag hat die Rufnummer 02331 / 303333.