Hagens Bürger-Bürgermeister

Hagen. (saz/ME) Seit gut einem Jahr ist der gelernte Verwaltungsmann nun im höchsten Amt und er ist nach eigenen Worten „im Rathaus angekommen“. Zur Erinnerung: Bei der Stichwahl am 15. Juni 2014 setzte sich der parteilose Erik O. Schulz mit 62,7 Prozent gegen Horst Wisotzki (SPD) durch. Er sieht darin eine „veritable Mehrheit in der Bevölkerung“ ihm gegenüber; folglich fühlt er sich in seinem Amt auch heute noch durch die Hagener Bürger bestärkt.

Bürgernähe

Als Oberbürgermeister steht man plötzlich im Rampenlicht und kann sich nicht mehr so unauffällig durch die Stadt bewegen, wie es vorher meist möglich war. Doch Schulz stört das in der Regel nicht im geringsten. „Ich sehe mich als Bürger-Bürgermeister. Ich mag das ja auch. Zumal ich mit vielen Volmestädtern per Du bin – schließlich bin ich in Hagen geboren und aufgewachsen.“ Und da ist nach wie vor mal Zeit für ein Pläuschchen, wenn man sich zufällig unterwegs begegnet.

Aber auch für die „Gesiezten“ möchte sich der OB weiterhin als ein Politiker „zum Anfassen“ zeigen und dabei sollen sich die Bürgerkontakte nicht auf „Feier-Stunden“ beschränken. Zurzeit ist er unter dem Motto „Oberbürgermeister Erik O. Schulz unterwegs“ auf Sommertour durch Hagen. „Das ist für mich ein Perspektivwechsel. Ich komme aus den komplexen Themen des Rathauses raus und kann mich geerdet auf den Marktplatz stellen. Die Leute kommen mit echten Problemen und konkreten Anliegen, das ist echt gut“, erklärt er.

Einer von uns

Oft hört der eingefleischte Hagener, wie schön es sei, dass wieder „einer von hier“ an der Spitze im Rathaus an der Volme säße. Der Noch-49-Jährige (im August feiert er das „halbe Jahrhundert“) sinniert: „Ich glaube, da ist das Zutrauen der Bürger höher, dass ich es ernst mit dieser Stadt meine, weil auch ich hier lebe und dieselben Probleme wie meine Nachbarn habe.“

Gerade auch durch seine Parteilosigkeit eröffnen sich für den ehemaligen SPDler Erik O. Schulz mannigfaltige Chancen auf kommunaler Ebene. Die Probleme der Bürger gehen nun einmal über die Parteigrenzen hinaus und so können sich die Hagener darauf verlassen, dass der Oberbürgermeister ihre ureigensten Interessen und nicht die einer Partei vertritt.

Schulz ist es wichtig, nicht nur das Negative in Hagen zu sehen, sondern auch positive Entwicklungen und Veränderungen in den Fokus zu rücken. Zu seinen Highlights im ersten Amtsjahr gehören unter anderem die Eröffnung der Hundertwasser-Ausstellung im Osthaus-Museum, die Einweihung einer zweiten Shopping-Mall in der Innenstadt und die Freigabe des ersten Bauabschnitts der Bahnhofshinterfahrung. Gerade letzterer misst der OB eine gewisse Symbolik zu: Sie zeige einen Aufbruch in die Zukunft. Und was hat ihn in den vergangenen zwölf Monaten besonders belastet? Die Antwort kommt postwendend: „Die Enervie.“

In Kürze steht erst einmal der wohlverdiente Urlaub an. Wohin es geht, wollen wir am Dienstag im Interview wissen.

Schulz blickt etwas ratlos und gesteht: „Ich weiß es nicht. Ich hatte zuletzt so viel zu tun, dass ich keine Zeit hatte, mich um ein Ziel zu kümmern. Ich hoffe, meine Frau ist da einen Schritt weiter. Aber ich habe auch nichts dagegen, meinen Urlaub auf Balkonien zu verbringen – schließlich ist Hagen schön.“ Fürwahr, er ist tatsächlich ein überzeugter Volmestädter.