Hagens Stadtbildstelle ist ein Auslaufmodell

Die Stadtbildstelle hält über 5700 Medien in Form von 16mm-Stumm- und Lichttonfilmen, VHS-Videokassetten, DVDs, Schwarzweiß- und Farbdias, Tonbändern, CDs, CD-ROMs und ganzen Medienpaketen bereit. (Foto: Bönisch)

Von Christian Bönisch

Hagen. Stadtbildstelle – tönt dieses Wort nicht wie ein Hauch aus grauer Vorzeit? Die wenigsten Bürger (außer Hagener Lehrern) wissen, was eine Stadtbildstelle ist und dass Hagen eine solche hat. Noch hat! Denn diese scheinbar „verschnarchte“ städtische Einrichtung muss voraussichtlich im Januar 2014 für immer ihre Pforte schließen.

Stadtbildstelle: Der altertümliche Begriff lässt zunächst vermuten, dass es sich um eine kommunale Einrichtung für Fotos und Lehrfilme handelt. Das war früher auch so. Aber im Laufe der Jahrzehnte hat sich der Aufgabenbereich erheblich erweitert.

Ihre Zeit läuft ab! Nur noch wenige Monate verleiht die Stadtbildstelle an Schulen auch viele technische Apparaturen (etwa 120 Stück) – wie 8mm-, Super-8- und 16mm-Filmprojektoren, Diaprojektoren, Videorekorder, DVD-Player, Fernsehempfänger und Leinwände. (Foto: Bönisch)

Von Stummfilmen bis DVD-Player

Seit Jahren fördert die Hagener Stadtbildstelle den pädagogischen Einsatz sogenannter visueller und audiovisueller Medien und der zugehörigen technischen Geräte vornehmlich in Schulen, Kindestageseinrichtungen, städtischen Einrichtungen, aber auch in der Jugendarbeit und der Erwachsenenbildung sowie bei Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Behörden.

In Zahlen: Sie hält über 5700 Medien in Form von 16mm-Stumm- und Lichttonfilmen, VHS-Videokassetten, DVDs, Schwarzweiß- und Farbdias, Tonbändern, CDs, CD-ROMs und ganzen Medienpaketen bereit und verleiht die dazugehörigen technischen Apparaturen (etwa 120 Stück) – wie 8mm-, Super-8- und 16mm-Filmprojektoren, Diaprojektoren, Tageslicht- und Epidiaskopprojektoren, Videorekorder, DVD-Player, Fernsehempfänger, Videoprojektoren und Leinwände.

Dazu sind auch Aufnahmegeräte wie Videokameras und Kassettenrecorder sowie Verstärkeranlagen mit Lautsprecherboxen oder halbprofessionelle Videoschnittplätze entleihbar. Viele technische Apparaturen (etwa 6000 Stück) befinden sich in den hiesigen Schulen. Durch einen hauptamtlichen Radio- und Fernsehtechniker werden diese Geräte gewartet, eventuell zur Reparatur weitergeleitet oder – nötigenfalls – der Entsorgung zugeführt.

Hilfestellung

Die Bildstelle gibt Einweisung oder Hilfestellung bei Anschaffung und Bedienung der Geräte und unterstützt Videoproduktionen von Hagener Schulen und städtischen Einrichtungen. Eine halbtags arbeitende Verwaltungskraft berät, nimmt Vorbestellungen entgegen (telefonisch und per Medienrecherche in der Online-Datenbank), kündigt durch Prospekte oder Werbeinformationen neue Produkte an, archiviert, inventarisiert, verleiht, katalogisiert oder digitalisiert alte Bestände (etwa Diapositive).

Die Pädagogische Leiterin informiert durch Rundbriefe über interessante Medienprojekte und optimalen Einsatz im Unterricht. Sie berät auch die Entleiher bei der Auswahl der Medien, gibt Hinweise für den richtigen pädagogischen Einsatz und besorgt Neueinkäufe. Dabei orientiert sie sich an Lehrplänen der verschiedenen Schulen unter Berücksichtigung aller Schulformen und Schulfächern für ein flächendeckendes Angebot. Der Unterrichtsbedarf wird erfragt und eingebunden. Ältere Medien (Stummfilme und einige Diareihen stammen noch aus den 30er Jahren) werden in einem Archiv verwahrt.

Nur noch bis 2014

Seit wann Hagen eine Stadtbildstelle hat, konnte nicht ermittelt werden. Die älteste Eintragung stammt aus einem Inventarbuch von 1939. Die Bildstelle war in der vergangenen Zeit in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht, unter anderem an der Fleyer Straße, an der Hochstraße, ab 1977 in der Fritz-Steinhoff-Schule in Boele. Seit über 15 Jahren hat sie ihren Sitz in der früheren Eickertschule am Remberg. Früher waren mehr Mitarbeiter dort beschäftigt, unter anderem auch ein Photograph, der Hagen regelmäßig aus allen Winkeln oder zu besonderen Anlässen ablichtete. Wie in vielen städtischen Institutionen wurde auch bei der Stadtbildstelle über die Jahre immer mehr Personal abgebaut, sodass zum heutigen Zeitpunkt noch zwei hauptamtliche Mitarbeiter übrig geblieben sind.

Während andere Kommunen ihre Bildstellen in Medienzentren (wegen Erweiterung der Aufgabenbereiche und Vielfältigkeit neuer Medien) umbenannten, möchte Hagen seine Stadtbildstelle Anfang 2014 schließen. Die Verwaltung plant, die bisherigen Medien an die Stadtbücherei zur weiteren Ausleihe an die Schulen zu übergeben. Die Geräte werden möglicherweise an interessierte Schulen verteilt.

Bisher ist unklar, wer fürderhin die Schulen mit Medien versorgt und wer die Geräte wartet und repariert. Momentan sieht es so aus, als ob die Schulen dies in Eigenregie besorgen oder Aufträge an externe Fachgeschäfte vergeben müssen. Für die Aufgabenbereiche Medienberatung, Medienbestand, Geräteverleih, Kurierdienst sowie technische Hilfe wird es wohl keinen Ansprechpartner mehr geben. Die zwei hauptamtlichen Mitarbeiter gehen zeitnah in den Ruhestand, die Pädagogische Leiterin bleibt weiter als Sonderpädagogin im Schuldienst.

Eine Ära neigt sich dem Ende zu…