Harald Kaerger geht in Pension

Von Ute Schmidt

Hagen. Harald Kaerger ist ein Hagener Urgestein. Bereits seit 1977 engagiert sich der studierte Volljurist und Leitende Städtische Rechtsdirektor für die Belange der Stadt an der Volme: Zunächst als Justitiar (1977–1987), dann als Leiter des Rechtsamts (1988–2003) und zuletzt als ha.ge.we-Geschäftsführer (seit 2004) steht er an zentraler Stelle der Kommunalverwaltung. Anfang Februar ist Harald Kaerger 65 Jahre alt geworden und wechselt damit zum 1. März 2012 nach dreieinhalb Hagener Jahrzehnten aus dem aktiven Dienst in den wohlverdienten Ruhestand.

Er hat so manches eingestielt für Hagen: Harald Kaerger. Jetzt wechselt er in den Ruhestand. (Foto: Nielinger, ha.ge.we)

100 Prozent

Wer Harald Kaerger kennt, weiß, dass er keine halben Sachen macht, sondern sich immer zu hundert Prozent für die Sache einsetzt. Darum passt es sehr gut, dass er mit dem 29. Februar 2012 erst an seinem letztmöglichen Tag ausscheidet, und ausgerechnet dem Verlängerungstag eines Schaltjahres. Typisch Kaerger!

Am kommenden Montag, 27. Februar, begeht er nun im Hagener Osthaus-Museum seinen offiziellen Abschied mit Weggefährten und Mitstreitern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Dass Harald Kaerger (SPD) über alle Parteigrenzen hinweg anerkannt ist, zeigt die Rednerliste: Die Laudatio wird mit Alt-Oberbürgermeister Wilfried Horn (CDU) ein Hagener Stadtrepräsentant halten, der während seiner Amtszeit mit Kaerger eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet hat. In die damalige Ära von 1999 bis 2004 fällt mit dem Neubau des Rathauses und der Volme-Galerie die Umgestaltung des Hagener Zentrums ebenso wie die Verhandlungen zur Bildung der neuen Gesellschaften Mark-E (aus Stadtwerken Hagen und Elektromark) sowie der Enervie mit den Stadtwerken Lüdenscheid, an denen Harald Kaerger entscheidend mitgewirkt hat. Aber da hatte der umtriebige Verwaltungsmann sich auch längst als erfolgreicher Rechtsamtsleiter seine Sporen verdient: Als nach dem Hagener Wahldebakel von 1989 (OB-Löchter-Wahl!) der Regierungspräsident auf einen erneuten Urnengang drang, wusste Kaerger als Verhandlungsführer dies durch aktenschrankfüllende juristische Argumentationen zu verhindern – die Stadt bekam Recht. Ein Coup für Kaerger, der seinen Ruhm als Kämpfer für die Sache begründete.

Herzblut für Hagen

Die Handlungsfähigkeit kommunaler Verwaltung innerhalb der vorgegebenen Strukturen auszuloten, liegt dem leidenschaftlichen Administrationsstrategen am Herzen, und so wirkte er bereits seit 1978 nebenamtlich und fast ein Vierteljahrhundert lang parallel als Dozent an der Hagener Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und als Vorsitzender der Prüfungskommission, um sein Wissen an künftige Verwaltungsfachleute weiterzugeben.

Harald Kaerger ist einer, der lieber Staub aufwirbelt als ansetzt. Unter seiner Leitung erfuhr das Rechtsamt eine Wandlung zu höherer Handlungsfähigkeit: Der rührige Jurist weitete es zum „Amt für Recht und Beteiligungen“ aus. Und die Hagener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft, deren Geschäftsführung Kaerger mit Jahresbeginn 2004 übernahm, hat unter seiner Regie eine Innovationsoffensive zu einem modernen Wohnungsunternehmen erlebt, das sich konsequent an den Ecksteinen Qualität und Service orientiert und das solide dasteht.

„Mitten in Hagen, für die Bürger der Stadt,“ so hat Kaerger seine ha.ge.we neu aufgestellt und fest positioniert. Dazu gehört für den Geschäftsführer das Angebot von erschwinglichem Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten, von gut renovierten Häusern für Familien, Paare und Singles, von modernen Wohnungen mit Energiespar- und Multimediastandard, aber auch gute Nachbarschaften und eine familienfreundliche Wohnumgebung. Kaerger denkt Alt und Jung und unterschiedliche Lebensentwürfe zusammen. Entscheidend sind für ihn wegweisende Programme, die Vermarktung preiswerten Wohnraums für Azubis und Studenten ebenso wie neue Konzepte für den künftigen Bedarf auf dem Wohnungssektor für Senioren – barrierefreie und rollstuhlgerechte Wohnungen, die von Anfang an und bis zuletzt den Verbleib in der eigenen Wohnumgebung ermöglichen und durch Kooperationen mit karitativen oder sozialpflegerischen Trägern auch eine Betreuung im Bedarfsfall erleichtern.

Immer mittendrin

Die ha.ge.we arbeitet mit der Hagener Handwerkerschaft zusammen – zu 98 Prozent gehen die Aufträge an Architekten und Handwerksbetriebe in der Stadt, auch das gehört zu Kaergers Credo für ein funktionierendes Gemeinwesen. Frischer Wind war immer, ob die Nutzung sozialer Internet-Netzwerke zur Bewerbung von Jungem Wohnen oder eine ganz neue Festkultur, etwa zum 90-Jahr-Jubiläum mit monatlichen Gewinnen für alle Bürger der Stadt oder auch jetzt mit seinem Abschied, den Harald Kaerger mit Musikeinlagen und Führungen durch das Osthaus-Museum flankieren wird. Immer mittendrin im Leben eben.

Und auch künftig wird der Jubilar, Ehemann einer Rechtsanwältin und Vater zweier erwachsener Töchter, der in seiner Freizeit im Philharmonischen Chor singt, den Wanderrucksack schnürt und Konzerte, Theater und Literatur liebt, ganz bestimmt immer wieder anzutreffen sein – auf der Suche nach Neuem, an den unterschiedlichsten Orten der Welt…