Haspe hat einen neuen Kirmesbauern

Hagen. (san/hc) Stühlerücken war angesagt in dieser Woche, sowohl im Großkonzern als auch im beschaulichen Hasper Brauchtumstreiben. Die Hagener Schülerschaft zeigte großes soziales Engagement.

Die 5. Hasper Jahreszeit wirft ihre Schatten bereits voraus: Nach beinahe 16-jährigem Schirmschwingen und langen Märschen über den Ennepeasphalt in spitzen und engen Bommelschuhen ist Schluss für den HHBV-Vize Udo Röhrig. Er gibt das wichtigste Hasper Amt – das des „Kirmesbauern“ – ab an Michael Kröner. „Udo Röhrig ist das eigentliche Gesicht der Hasper Kirmes“, so der Präses des „Heimat und Brauchtum Verein“ Dietmar Thieser. So tritt der „Neue“ in große Fußstapfen – was die Beliebtheit, das Durchhaltevermögen und das Küsschen-Verteilen angeht. Aber Michael Kröner ist selbst mit allen Ennepe-Wassern gewaschen, bekleidete er 2013 bereits das ehrwürdige Iämpeströter-Amt. Und so übergibt Röhrig den rot-weißen Schirm zwar auch mit einem weinenden Auge, aber doch gerne weiter an den 47-Jährigen. „Ich glaube doch, dass die Hasper ihn so annehmen, wie sie mich angenommen haben,“ so der „alte“ Udo.

Bei Markus Frank war von vorneherein klar, wann seine Amtszeit endet, Iämpeströter wechseln von Kirmesjahr zu Kirmesjahr. Er übergibt an Hans-Jörg Bäcker. Als gebürtiger Hasper dem Stadtteil bis heute treu verdient der 59-Jährige den Blaukittel. Sowohl Kröner als auch Bäcker sind auf der HHBV-Mitgliederversammlung einstimmig gewählt worden. Die offizielle Amtseinführung sowie die gebührende Verabschiedung finden beim Kommers am 4. Juni, um 19 Uhr im Hasper UFO (es gibt schon Karten!) statt.

Das Kirmesmotto 2016 steht ebenfalls seit Donnerstag fest: „Klingt dat Iämpeströter-Lied, es in Hoaspe Kiärmestied“.

Ära beendet

Dr. Henning Kreke, Mitglied der Douglas-Gründerfamilie, ist ab sofort nicht mehr Vorstandschef des Unternehmens, der er seit 2001 war. Mit dem Rückzug aus dem operativen Geschäft hat sich der Hagener zum Aufsichtsratvorsitzenden der Douglas-Holding wählen lassen. Dies wird in der Wirtschaftswelt als das Ende einer Ära angesehen. Die Familie Kreke besitzt weiterhin eine 15-Prozent-Beteiligung an dem Konzern, zu dem neben der Parfümeriekette unter anderem auch die Thalia-Buchhandlungen gehören.

Schule der Vielfalt

Die Hasper Gesamtschule ist am Mittwoch als zweite Schule Hagens mit dem Siegel „Schule der Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Es ist bereits die dritte Auszeichnung für die Hasper nach „Schule ohne Rassismus“ und „Schule mit Courage“. Die Idee für das soziale Engagement kam aus der Schülerschaft selbst. „Uns ist aufgefallen, dass Wörter wie ’schwul’ immer noch als Beschimpfung auf dem Schulhof verwendet werden. Das wollten wir ändern“, erklärte Schülersprecherin Sarah Rüth. Gemeinsam mit den SV-Lehrern kam der Kontakt mit dem Projekt „Schule der Vielfalt“ zustande. Das geschah bereits 2014. Frank Pohl, Landeskoordinator von der Fachberatungsstelle, sprach bei der Übergabe von einem besonderen Tag, im doppelten Sinn. „Heute ist der Tag der Befreiung der Konzentrationslager. Dort waren Juden, Christen, Sinti und Roma, Behinderte und Homosexuelle interniert.

Deswegen freue ich mich, dass die Schule sich dafür entschieden hat, sich gegen Diskriminierung auszusprechen.“ Pohl skizzierte in seiner Ansprache die bisherige Arbeit der Schule, betonte aber auch, dass der Weg noch nicht zu Ende sei.

Der Weg der Zusammenarbeit wurde von der Schülerschaft und der Schulkonferenz einstimmig beschlossen, für die Lehrer brauchten die Schülersprecher dagegen mehr Überzeugungsarbeit. „Die Lehrerkonferenz entschied sich leider nicht einstimmig, aber mit großer Mehrheit für das Projekt“, sagte Marcel Wenderoth, stellvertretender Schülersprecher. „Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern eine Chance!“, betonte dagegen der Vertreter der Elternpflegschaft.

Gedenken

Eine Gedenkveranstaltung gab es am Mittwoch an der Eilper Gesamtschule: In Redebeiträgen und Musikeinlagen erinnerten u. a. Schüler und auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 71 Jahren. Dieses Gedenken findet jedes Jahr statt, jeweils an einer anderen Hagener Schule.

Schule bleibt

In der Ratssitzung am Donnerstag fiel die endgültige Entscheidung über den Fortbestand der Hasper Realschule. Die politisch erwogene Errichtung einer dritten Sekundarschule in Hagen ist durch die Bedarfsabfrage der Grundschuleltern vom Tisch. Auch die Geschwister-Scholl-Hauptschule ist zum Anmeldeverfahren weiter zugelassen.