Helfen in Gemeinschaft

Patrick Lange, THW-Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, - hier vor dem erst ein Jahr alten Gerätekraftwagen - ist auch Ansprechpartner für Interessierte. (Foto: Schievelbusch)

Hagen. (san) Mit seinen 55 Jahren hat Christopher Kruse als gestandener Lehrer kürzlich noch einmal selbst auf der Schulbank gesessen – und seine Prüfung bestanden! Der Pädagoge einer Hasper Schule ist nun einer von neun frisch gebackenen Helfern des Technischen Hilfswerks und gehört somit zur festen Mann- und Frauschaft des Hagener Ortsverbandes an der Lütkenheider Straße.

Lust auf Technik

Beeindruckt war Kruse schon oft, als ein Familienmitglied von den Erlebnissen aus seinem Ersatzdienst berichtete. Als er dann Anfang des Jahres las, dass die Hagener THWler Gleichgesinnte suchen, stand er sofort auf der Matte. Mit Hingabe absolvierte er die rund 100 Stunden umfassende Grundausbildung und gehört nun seit drei Monate zum festen Team.

Immer schon hatte Christopher Kruse ein Händchen fürs Handwerkliche. Ob Trennschleifer oder Kettensäge, der Lehrer griff immer schon, wenn es was zu reparieren gab. Und mit seiner Grundhaltung, gerne zu helfen, kann er seiner Leidenschaft nun sinngebend nachgehen.

Oft im Hintergrund

Das Technische Hilfswerk ist stets mit technisch-humanitärer Hilfe zur Stelle, wenn es angefordert wird. Meist sind es Polizei und Feuerwehr, die bei Großschadenslagen um Unterstützung bitten. Nicht immer sind es die ganz großen Katastrophen wie Erdbeben, Elbe-Hochwasser oder beispielsweise das Zugunglück von Enschede. Oftmals bewerkstelligen die Helfer ganz profan Straßenabsperrungen für den heimischen Karnevals- oder Kirmeszug. Bei der Stillleben-Aktion auf der A 40 waren sie mit von der Partie wie bei der Regulierung der Besucherströme am Hagener Hauptbahnhof zur Duisburger Loveparade.

Fachgruppen

Jeder der bundesweit insgesamt 668 Ortsverbände hat übrigens seinen eigenen Schwerpunkt. In Hagen gibt es die „Fachgruppe Beleuchtung“: Überall wo es an Einsatzorten Licht bedarf, kann das THW Hagen liefern. So musste bei Überschwemmungen im vergangenen Herbst ein Bachlauf reguliert werden. Da galt es zunächst Bäume aus dem Weg zu räumen, Stative aufzubauen und dann den Strom ins Gelände bringen, und das mit mehrmaliger Standortverschiebung.

Bewusstsein für Schlimmes

Christopher Kruse hat erst vor einigen Wochen die Abschlussprüfung zum THW-Helfer gemacht. Geschickt im Umgang mit Maschinen war er immer schon. (Foto: Schievelbusch)

In Christopher Kruses kurzer Teamzeit ist ihm noch kein „schlimmer“ Einsatz untergekommen. „Aber natürlich ist es jedem, der zum THW geht, bewusst, dass er in persönlich nahe gehende Situationen geraten kann,“ ist er sich sicher. „Aber für solche Fälle haben wir auch unsere psychosozialen Betreuer,“ weiß Patrick Lange, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Ortsverband. „Und wer nicht mit möchte, braucht natürlich auch nicht.“

Echte Gemeinschaft

Das sei überhaupt mit das Beste bei den THWlern, dass jeder sich auf den anderen verlassen könne, das Vertrauen echt sei und das Hand-in-Hand-Arbeiten im Team von großer Kumpelhaftigkeit zeuge, schwärmt der 55jährige Neu-Helfer geradezu von der Hagener Gruppe. Und das, wo er mit seinem Alter zwar noch nicht zum alten Eisen gehört, aber doch in der rund 60 Mitglieder zählenden Hagener Truppe etliche jüngere Männer, durch den Wehrersatzdienst, und Frauen um sich hat. Nun, wo der Zivildienst wegbricht, ist man trotz alledem sehr zuversichtlich, dass die Jüngeren weitermachen. „Wer einmal bei uns war, geht ungern wieder,“ freut sich Patrick Lange. Und das, wo im Hagener THW ausschließlich Ehrenamtliche mitmischen, die nächsten Hauptamtlichen sitzen in Bochum. Das macht ja gerade das „Phänomen THW“ aus: Dem Bundesministerium des Innern unterstellt, gibt es bei 80.000 Engagierten lediglich ein einziges Prozent hauptamtliche Mitarbeiter.

Gewinn für Jugend

Und mit seiner Lebenserfahrung sieht Christopher Kruse bei seinen Mitstreitern für die gute Sache, dass vor allem die Jugendlichen – ab 12 Jahren können Interessierte der Jugendgruppe des THW beitreten – viel für sich selbst lernen können. „Die nehmen hier was für sich mit.“

Für alle, die mal in die Arbeit und das entspannte Miteinander beim THW Hagen hinein schnuppern möchten, sei ein Blick auf die Homepage www.ov-hagen.thw.de empfohlen. Darüber können Interessierte auch mit dem Verband in Kontakt treten, der übrigens im kommenden Jahr seit 60 Jahren in Hagen besteht.