Helmut und Manfred Schreiber endlich im „Hafen der Ehe“

Nun sind sie endlich rechtmäßig anerkannte Eheleute: Helmut (l.) und Manfred Schreiber haben sich am vergangenen Donnerstag, 30. November, das Ja-Wort gegeben. (Foto: Lara Zeitel)

Hagen. (lz) Manfred und Helmut Schreiber haben es getan: Nachdem sie 2001 bereits als erstes Pärchen in Hagen eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen waren, haben sie sich nun im heimischen Standesamt offiziell das Ja-Wort gegeben. Seit dem 1. Oktober ist die Ehe für homo­sexuelle Paare in Deutschland möglich.

Doch warum ist dem Paar dieser Schritt so wichtig?

„Die Formulierung ‚Lebens­partner‘ wird unserer Beziehung einfach nicht gerecht. Es ist doch was ganz anderes, wenn man sagen kann: ‚Ich bin verheiratet‘. Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass wir auch andere Paare dazu ermutigen, diesen Schritt zu wagen und sich zu trauen.“

Gesucht und gefunden

Seit 22 Jahren sind Manfred und Helmut ein Paar. Kennengelernt haben sie sich über eine Partneranzeige in einer Tages­zeitung. Freitagsabends trafen sich die Männer das erste Mal in Essen, lernten sich kennen und ohne zu wissen, was daraus entstehen würde, fuhr Helmut seine neue Bekanntschaft nach Hause. Kaum zusammen, zogen die beiden in die ersten gemeinsamen vier Wände.

Helmut Schreiber hatte zuvor zwei Ehen mit Frauen geführt, bis er seinen Partner fürs Leben fand. Auch Manfred war schon einmal mit einer Frau verheiratet gewesen und brachte drei Kinder mit in die Beziehung. „Nun bin ich sozusagen auch offiziell Stiefvater geworden“, lacht Helmut Schreiber.

Verbunden fürs Leben

Über die Jahre hinweg fand das Duo, das in Wehringhausen lebt, zahlreiche Freunde. „Darunter sind auch viele Hetero-Pärchen, die zu unseren engsten Freunden zählen“, erzählt Helmut Schreiber. 2001 hatte sich das Paar in Arnsberg im Beisein seiner Freunde verpartnert. Am 30. November 2003 folgte dann die Segnungs­feier in der Wehringhauser Pauluskirche.

Exakt 14 Jahre später fand nun die Eheschließung im Standesamt der Stadt Hagen statt. Neben den Trauzeuginnen Marianne Trost und Simone Piorek war auch Dr. Axel Troost, Mitglied des Bundestages, vor Ort, um dem frisch vermählten Paar seine Glückwünsche auszurichten. Die Aidshilfe sponserte den Sektempfang nach der Trauung. „Von der Familie ist niemand anwesend. Da denkt man anders“, erklärt Helmut Schreiber die Lage. „Dafür haben wir so viele tolle Menschen an diesem Tag um uns.“

Wenn die Chemie stimmt

Auch die Chemie mit Standes­beamtin Barbara Knorr stimmte direkt. „Erst hatte ich ja etwas Angst vor dem Standesamt“, sagt Helmut Schreiber. „Aber dort waren die Damen und Herren direkt so nett“, fügt er an. Standesbeamtin Barbara Knorr trug nach der Vermählung ein Gedicht vor und wünschte den beiden Eheleuten vor allem eines: „Zeit zu haben fürs Leben“ und „nach den Sternen zu greifen“. Trotzdem lief an diesem Morgen nicht alles so traditionell nach Plan wie üblich: „Bei uns haben auch unsere Trauzeuginnen jeweils einen Strauß bekommen“, erzählt Helmut Schreiber. „Bunt und gebunden mit den Hortensien aus unserem Garten“, fügt er an. In eben diesem Garten hängt auch seit geraumer Zeit die Regenbogenfahne des Paares.

Andere ermutigen

Ein Zeichen, das Helmut und Manfred Schreiber nicht nur dort weiter nach außen tragen wollen. „Wir wollen den Weg für andere gleichgeschlechtliche Paare ebnen“, sagt Helmut Schreiber. „Und da unsere Ehe rückwirkend angerechnet wird, können wir dann 2026 als nächstes unsere Silberhochzeit feiern“, lacht er.

Im nächsten Jahr feiert der frisch Vermählte dann mit seinem Ehemann Manfred seinen 70. Geburtstag.