Hilfe für misshandelte Kinder

Hagen. (ric) Missbrauch und Traumata, gerade bei Kindern, aber natürlich auch bei Erwachsenen, sind Jedem ein Begriff. Zumindest vom Hörensagen. Denn: Passiert so etwas nicht immer woanders? Doch nicht etwa im eigenen Wohnviertel? Und wenn doch, sind es bestimmt Unbekannte, die so etwas tun!

„Leider nicht“, erklärt die Diplom-Psychologin Ulrike Giernalczyk, die seit vielen Jahren freiberuflich ihre Praxis in der Viktoriastraße führt. „Drei Viertel der Missbrauchsfälle finden innerhalb der Familie, der Verwandtschaft oder im sozialen Umfeld statt.“ Für die betroffenen Kinder bedeutet dies einen immensen Vertrauensbruch. Jemand, den sie sehr mochten, hat ihnen ein großes Leid angetan. Die Verzweiflung ist groß.

„Raphael“ soll helfen und trösten

Der Zirkustag bot den Kindern eine willkommene Abwechslung und die perfekte Einstimmung auf die Ferien. (Foto: Raphael e.V.)

Um den Opfern zu helfen, wurde der Verein „Raphael“ gegründet. Seit 1995 besteht der Verein, der Beistand, Trost, Halt und Unterstützung bieten soll. „Speziell kümmern wir uns auch um alleinerziehende Mütter, deren Kinder missbraucht wurden“, sagt Ulrike Giernalczyk. Denn: Die Sorge ist groß bei ihnen. Frauen werden nach wie vor, trotz gleicher Qualifikation und Leistung, geringer bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Wer ein Kind hat, kann oftmals nicht ganztätig arbeiten gehen. Betreuungsangebote sind allerdings nicht nur in Hagen knapp.

Trauriges Fazit: Alleinerziehende Mütter können sich oft nicht selbst finanzieren, sind auf Unterstützung durch Ämter und Verwandte angewiesen. Kam es dann noch zu Missbrauchsfällen, ist die Not oft groß und allein kaum zu bewältigen. „Hier setzen wir aktiv an. Wir begleiten und beraten. Sei es beim Gang zu Ämtern, Beratungsinstitutionen oder bei Verfahren, wir lassen die Mütter und ihre Kinder nicht allein. Wir unterstützen aber auch bei ganz konkreten Problemen, im Alltag beispielsweise.“ Erst vor Kurzem konnte eine Mutter mit ihren vier Kindern nur durch die Hilfe von „Raphael e.V.“ einen Umzug meistern. Die Mitglieder des Vereins kümmerten sich um die passende Ausstattung, organisierten Möbel und Zubehör. „Wir haben ja auch einige Kontakte. In diesem speziellen Fall kam noch ein bisschen Glück hinzu und schon waren eine Couch und eine passende Küche gefunden.“

Clowns & Co.

Doch nicht nur im Alltag und bei Behördengängen, auch anlässlich der Sommerferien wollte „Raphael e.V.“ etwas Besonderes bieten. „Für 16 Kinder und sechs Erwachsene haben wir einen Zirkustag organisiert“, so Ulrike Giernalczyk. Gemeinsam ging es an einem außergewöhnlich verregneten Sonntag nach Breckerfeld. Auf dem Hof der Familie Kind fand der Aktionstag statt. Die Kinder probten die verschiedenen Szenen mit einer Theaterpädagogin, Erwachsene saßen gemütlich zusammen. „Es hat allen großen Spaß gemacht“, freut sich die Therapeutin. „In der entspannten Atmosphäre fiel es relativ leicht, die Sorgen und Nöte des Alltags zu vergessen.“

Raphael e.V. ist unter Telefon 0 23 31 / 8 41 55 84 zu erreichen.