Hohe Auszeichnung für „Herrn der Unterwelt“

Präsentieren stolz den Deutschen Landschaftspflegepreis 2011, der an einen Ennepetaler geht: Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, Preisträger Stefan Voigt und Kluterthöhlenchef Wolfgang Kern. (Foto: Frank Schmidt)

Ennepetal. (zico) Ennepetals Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen und Wolfgang Kern, Geschäftsführer der Kluterthöhle und Freizeit GmbH, übertrafen sich vor wenigen Tagen am Eingang der Kluterthöhle mit Lobeshymnen auf einen Mann, der sich im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig um Erforschung und Pflege der heimischen Höhlenwelt verdient gemacht hat: Stefan Voigt erhielt vor kurzem den Deutschen Landschaftspflegepreis 2011, der vom Deutschen Verband für Landschaftspflege verliehen wird – und zwar für seine herausragenden Verdienste um die Landschaftspflege und die Erforschung der heimischen Höhlenwelt.

Der Erste Bürger der Klutertstadt und der Kluterthöhlenchef haben natürlich besonders besonders die Kluterthöhle im Blick, wenn sie unisono sagen, Ennepetal könne stolz sein, einen Mann wie Stefan Voigt innerhalb ihrer Mauern zu wissen. Und in der Tat haben Voigt und die rund 65 Mitglieder des Arbeitskreises Kluterthöhle in den vergangenen 20 Jahren Herausragendes für das unterirdische Labyrinth, dessen Eingang sich unweit des Hauses Ennepetal befindet, geleistet. 1991 galt es als kleine Revolution, als vertraglich zwischen Arbeitskreis und Stadt festgelegt wurde, dass ein Verein hoheitliche Aufgaben einer Kommune übernimmt. Doch schon bald sollte sich zeigen, dass dies für die Stadt ein Glücksgriff war.

In jahrelanger Arbeit haben die Höhlenforscher um Voigt die Kluterthöhle vermessen, neue Gänge entdeckt, das Gestein sowie Fauna und Flora erforscht sowie kubikmeterweise Unrat mit der Schubkarre aus der der „Unterwelt“ ans Tageslicht befördert, um die Höhle wieder zu renaturieren. „Unrat, der zum Teil noch seit Kriegszeiten in der Höhle lagerte, als die Kluterthöhle Fluchtort für die Schutz vor Bomben suchenden Bürger war“, erklärt Stefan Voigt, der mit seiner an der Pregelstraße ansässigen Garten- und Landschaftsbaufirma auch einen naturnahen Beruf ausübt. „Und all dies haben Stefan Voigt und seine Mitstreiter ehrenamtlich getan, gegen ein warmes Essen und ab und zu mal eine kleine Spende“, ist Wolfgang Kern sehr froh über das Engagement.

Die Erforschung geologischer Formationen ist ein Teil der Arbeit, für die Stefan Voigt jetzt mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet wurde. (Foto: Frank Schmidt)

Kein Wunder also, dass der „Oscar“ der Deutschen Landschaftspflege Ende September dem heimischen Höhlenexperten zuteil wurde. Wobei sich Voigts Engagement längst nicht nur auf die Kluterthöhle beschränkt. „Als wir 1976 mit dem Arbeitskreis anfingen, kannte man im heimischen Raum etwa 300 Höhlen, darunter zwölf Großhöhlen. Heute sind es 1.200 Höhlen, darunter 60 Großhöhlen“, so Voigt über die zahlreichen Entdeckungen des Arbeitskreises. Schlagzeilen machte Voigt auch, als er 2004 in der Holthauser Blätterhöhle bei Hohenlimburg menschliche Gebeine fand. Die circa 10.700 Jahre alten Knochen stammen aus der Neusteinzeit und Mittelsteinzeit. Sie sind zwar längst nicht so alt wie die bis zu 42.000 Jahre alten Funde aus dem Neandertal, zählen aber gleichwohl zu den ältesten Nachweisen moderner Menschen in Westfalen. „Die Knochen sind so super erhalten, dass man genetisches Material von ihnen nehmen kann. Jetzt wird sich zeigen, was es damals für Krankheiten gab und wie die Menschen gelebt haben“, schwärmte der Höhlenforscher damals vom Fund seines Lebens: „Wir haben also ein Fenster in die Geschichte geöffnet.“

Während die Kluterthöhle heute eine „Schauhöhle“ mit stolzen Besucherzahlen ist, gilt Stefan Voigts Arbeit zunehmend dem Ziel, Höhlen in möglichst unberührtem Zustand für die Nachwelt und die forschung zu erhalten. Rund 100 Höhlen haben Voigt und seine Mitstreiter inzwischen verschlossen, mit einem Kostenaufwand von jeweils 3.000 Euro. Das aktuelle Projekt des Ennepetaler bezieht sich auf den Kauf von Grundstücken, auf denen sich Höhleneingänge befinden, denn wer das Grundstück besitzt, auf dem sich der Eingang befindet, dem „gehört“ auch die Höhle. Und diese Höhlen überführt Voigt dann in den Naturschutz – neun Höhlen nennt er bereits sein eigen.

Verständlich also der Stolz, den Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen empfindet, wenn er an Stefan Voigt und seine Arbeit denkt. Zur hohen Auszeichnung bescherte das Stadtoberhaupt dem „Herrn der Unterwelt“ einen wahrhaft überirdischen Genuss. Und was hätte besser zu Stefan Voigt gepasst als eine (hochprozentige) Flasche „Höhlentropfen“?