Hund musste ins Tierheim

Hagen. (anna) Es war Wolfgang Pauls Schwester, die 2006 einen Dobermann-Rottweiler-Mischling auf der Pinnwand eines Tierarztes in Schwerte entdeckte. Der zu vermittelnde Hund, dessen Besitzer an Krebs erkrankt waren, rührte die Schwester so sehr, dass sie ihn kurzerhand zu sich nahm. Leider ohne das Einverständnis ihres Ehemannes, der wenig später verlangte: „Der Hund oder ich.“

Nur dieses Foto von Anna-Lena ist Wolfgang Paul geblieben. 2006 wurde ihm vom Ordnungsamt der Hund weggenommen und ins Tierheim verfrachtet. Jetzt versucht die Stadt immer noch, die Kosten einzutreiben. (Foto: Anna Linne)
Nur dieses Foto von Anna-Lena ist Wolfgang Paul geblieben. 2006 wurde ihm vom Ordnungsamt der Hund weggenommen und ins Tierheim verfrachtet. Jetzt versucht die Stadt immer noch, die Kosten einzutreiben. (Foto: Anna Linne)

Jetzt kommt der 56-jährige Wolfgang Paul ins Spiel. Er wurde damals von der Schwester gebeten, sich doch um den Hund zu kümmern, bis ein anderes Zuhause gefunden sei. Und weil der Hund sich als super friedliches Tier präsentierte, nahm er ihn mit. Die Kinder seiner Lebensgefährtin spielten gerne mit ihm und konnten sogar auf ihm reiten. „Eine liebe alte Dame, die Anna-Lena“, erinnert sich Paul gern an den Hund. Doch am 4. Juni steht ihm seinetwegen der Gerichtsvollzieher ins Haus und der wird ihm den „Offenbarungseid“ abnehmen.

Die ganze Geschichte

Am Freitag vor Pfingsten im Jahre 2006 spaziert Wolfgang Paul mit der Hündin durch Eckesey. Er beobachtet Beamte des Ordnungsamtes, die türkische Zentren und Cafés kontrollieren und bleibt neugierig stehen. Es dauert nicht lange, dann gerät auch er – so berichtet Paul – ins Visier der Ordnungsamtsleute. Sein Vierbeiner trägt keinen Maulkorb, der für einen Listenhund eigentlich Pflicht wäre. Das Tier wird sicher gestellt und ins Tierheim verfrachtet. Von Wolfgang Paul verlangt man für Anna-Lena einen Sachkundenachweis und eine Haftpflichtversicherung. Natürlich können diese Auflagen am Freitagabend nicht mehr erfüllt werden. Erst am Dienstag nach Pfingsten ist Wolfgang Paul wieder in der Lage, zu handeln. Und er will den Hund unbedingt wieder aus dem Heim holen.

OP im Tierheim

Die Mischlingshündin regt sich in der ungewohnten Umgebung eines Zwingers im Tierheim so auf, dass sie sich in der Nacht eine Magendrehung zuzieht und sofort operiert werden muss. Doch davon erfährt Paul nach eigenem Bekunden nichts.

Am Dienstag dann legt Wolfgang Paul – so sagt er – den Sachkundenachweis beim Ordnungsamt ab, schließt eine Haftpflichtversicherung ab und hat am Mittwoch endlich alle Papiere in der Hand. Jetzt will er den Hund holen, doch der Beamte vom Ordnungsamt sagt plötzlich, er wisse gar nicht ob das Tier noch lebe. Er müsse erst im Tierheim anrufen.

Sofort macht sich Wolfgang Paul auf den Weg. Fünf Tage war der Hund im Heim und als er geholt wird, erkennt Paul ihn nicht wieder. „Er hatte bestimmt 20 Kilo abgenommen und war so durcheinander, dass er erst einmal an mir vorbei lief.“ Kurze Zeit später musste der Hund noch einmal unters Messer, weil sich an der Wunde etwas gelöst hatte. „Die 300 Euro für die Nachoperation haben damals meine Eltern bezahlt“, berichtet Paul.

Widerspruch

Im Dezember erreicht Wolfgang Paul eine Rechnung der Stadt Hagen, die von ihm 531,23 Euro für die Operation fordert. Er legt sofort Widerspruch gegen diese Forderung ein, weil ihm der Hund zum Zeitpunkt seiner „Zwangseinweisung“ ins Tierheim ja gar nicht gehörte. Die Vollstreckungsankündigung wird zweimal in Arnsberg verhandelt, doch Paul zahlt nicht, kann er auch nicht.

Dann ist jahrelang Ruhe. Der Hund war bereits 2007 von einem Zug erfasst worden und gestorben.

Kurz vor Silvester 2011 flattert ihm die Forderung noch einmal ins Haus. Dann ist wieder Ruhe.

Neue Forderung

Am 29. April droht ihm die Stadt Hagen mit dem Gerichtsvollzieher – fordert nun 885,81 Euro von dem Hartz-IV-Bezieher. 320 Euro davon werden allein als Säumniszuschlag registriert. Immerhin sind seit der ersten Forderung sieben Jahre vergangen… Von der Operation, die vielleicht hätte vermieden werden können, ist nichts mehr zu lesen. Jetzt geht es nur noch um die Unterbringung im Tierheim.

Zahlen kann Wolfgang Paul diese Summe nicht. Er würde auch nicht, wenn er könnte. „Man hätte mir den Hund nicht sofort abnehmen müssen, dann wäre auch die Operation nicht nötig gewesen“, meint er, „ich hätte den Sachkundenachweis gemacht und andere Auflagen einfach nach Pfingsten erfüllt. So wären die Kosten gar nicht entstanden. Mal sehen, wie lange die Behörde das Geld noch einzutreiben versucht.“