„Ich helfe, wo ich kann“

Tierheilpraktikerin Kathrin Spohr – hier mit „Püppi“ – macht sich stark für die Tiernothilfe. Bei ihr frisst manch ein Vierbeiner sein Gnadenbrot. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Sinnvoller Tierschutz stößt selbst für Kathrin Spohr irgendwann an seine Grenzen. „Ich bin da realistisch“, sagt sie. „Aufwändigste Operationen an steinalten Tieren befürworte ich nicht und auch ein junges Tier, das schwer erkrankt, kann man nicht immer retten.“ Davon abgesehen aber hat die Tierheilpraktikerin ein riesengroßes Herz für alles, was Fell oder Federn trägt.

Hoch über dem Lennetal bei Genna wohnen die Spohrs. Ihr bescheidenes Anwesen umfasst Stallgebäude und reichlich Weidefläche. Zur Familie gehören derzeit sechs Pferde, zwei Kühe und vier Hunde. Nur Mischlingshund Babsi ist der eigentliche freigewählte Familienhund. Die anderen Tiere fressen bei den Spohrs zum Teil schon ihr „Gnadenbrot“ und verleben eine allerletzte glückliche Zeit.

Einzelschicksale

Prinz, das Pony, zählt stolze vierzig Lebensjahre. Seine Vorbesitzerin wollte ihn schlachten lassen, weil er einem Reiter natürlich keine Freude mehr machen kann, wohl aber immer noch gutes Geld kostet. Bei Kathrin Spohr frisst der inzwischen fast zahnlose alte Herr nun Brei, hat Narrenfreiheit, darf allein ein wenig spazieren gehen, wird gehätschelt und geliebt.

Ähnlich steht es um Schäferhund-Mix Nicki: Sie stammt aus einem heruntergekommenen Tierasyl irgendwo in Thüringen. Sie war völlig verwahrlost und krank und büßte dabei ihr Gehör ein.

Auch die zweijährige Gracia, die Kathrin Spohr zärtlich ‘Püppi‘ nennt, wird wohl kaum noch ein neues Herrchen finden können. Die kleine Hündin wurde von ihrem Vorbesitzer schwer misshandelt und gequält. Nun drückt sie sich nah am Boden mit vor Schreck starren Augen und eingekniffenem Schwanz an allen Fremden vorbei und macht dabei keine gute Figur.

Die Tiernothilfe

Solche Tiere landen seit Jahren häufiger auf dem Tierschutzhof von Kathrin Spohr, die sich aktiv für den Verein „Tiernothilfe Hagen und Umgebung“ einsetzt, wenn sie nicht gerade mit ihrer mobilen Fahrpraxis in Sachen Tierheilkunde beruflich unterwegs ist.

Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen – alles hat sie schon gepflegt, bis sich ein neues Zuhause für die Tiere fand.

Einen Teil der Kosten übernimmt der Tierschutzverein. „Alles andere ich“, sagt Kathrin Spohr, die für manches Tier wie etwa den herzkranken Hund Cliff sogar extra Spezialfutter kocht.

Das kostet

Die Pflege der Tiere verschlingt Unsummen. „Ich habe das noch nie nachgerechnet und lasse es wohl auch lieber“, sagt Kathrin Spohr. „Wir als Verein sind froh über wirklich jeden einzelnen Euro. Ganz toll wäre es aber, wenn sich vielleicht sogar Paten für einzelne Tiere fänden.“

Unter der Internetadresse www.vierbeinerundco.de stellt die Tiernothilfe Hagen und Umgebung sich selbst, ihre Arbeit und auch ihre in Pflege befindlichen Tiere sogar mit Fotos vor. Der Verein ist gemeinnützig und stellt gern auch Spendenquittungen aus.

Dringend gesucht

Weitere Mitarbeiter oder auch nur stundenweise helfende Hände sind immer willkommen: „Wir sind nur wenige Aktive“, sagt Kathrin Spohr. „Und von den wenigen können wiederum nur wenige tatsächlich praktische Arbeit am Tier leisten, sondern engagieren sich eher vom Schreibtisch aus, was natürlich auch wichtig ist.“

Der Verein braucht also Helfer, Finanzmittel, Futter, möglichst Paten und sucht ständig händeringend nach geeigneten Pflegeplätzen.

Katzen-Schwemme

„Zur Zeit stehen wir vor einer Katzenschwemme“, klagt Kathrin Spohr. „Vielleicht aufgrund der Wirtschaftskrise setzen offensichtlich immer mehr Leute ihre Stubentiger einfach aus. Wenn die dann noch nicht einmal kastriert sind, wächst das Problem.“

Zusammen mit der Leiterin des Hagener Tierheims, der Iserlohnerin Stefanie Ackermann, geht Kathrin Spohr häufig abends auf Samtpfoten-Fang. „Jeder kann das machen, der auf streunende Katzen aufmerksam wird. Man kann die Tiere etwas anfüttern, sich dann eine Katzenfalle gegen Pfand ausleihen und das Tier auf Kosten des Tierschutzvereins kastrieren lassen, um es schließlich wieder freizulassen.“

Welpen vom Wühltisch

Besondere Sorge machen der Letmather Tierheilpraktikerin die vielen Welpen, die billig aus Osteuropa auf dem deutschen Markt verscherbelt werden, oft ohne Impfungen und mit gefälschten Papieren. „Solche ,Wühltisch-Welpen‘ werden mit ihren Krankheiten und Anfälligkeiten erst später richtig teuer und machen jede Menge Ärger. Sie stammen oft von selbst kranken oder verstörten Eltern. In Osteuropa wird vielfach nicht sorgfältig auf Qualität gezüchtet, sondern auf Biegen und Brechen einfach vermehrt. Die Jungtiere werden oft viel zu früh von den Eltern getrennt und lernen so einfach nicht, was sie für ihr Leben brauchen.“

Weitere Auskünfte zur heimischen Tiernothilfe gibt es unter Telefon 0 23 74 / 1 26 33 oder 01 77 / 8 52 38 04 bei Kathrin Spohr.