„'Ische' ist unser Wohnzimmer“

Ingo Freyer stieg als Spieler dreimal auf, mit Phoenix schaffte er auch als Profitrainer den Sprung in die Basketball-Bundesliga. Zum Saisonstart 2010/2011 sprach der wochenkurier mit dem früheren Nationalspieler. (Foto: Jörg Laube)

Hagen. (OS) Die basketballlose Zeit ist vorbei: Am kommenden Samstag bestreitet Phoenix Hagen sein erstes Saisonspiel in Tübingen, danach folgt das erste „Heimspiel“ in Dortmund gegen den Deutschen Meister Bamberg.

Zum Auftakt der neuen Saison sprach der wochenkurier mit Ingo Freyer, dem Trainer der Feuervögel.

wochenkurier: Ingo, ihr habt letzte Saison bis zuletzt zittern müssen und es dann aber doch geschafft. Was nimmt man aus so einer Spielzeit mit?

Ingo Freyer: Wir sind jetzt ein Jahr weiter und haben mehr Erfahrung. Das ist immer wertvoll – unabhängig davon, ob es um den Klassenerhalt geht oder nicht. Aber wir haben sicher an Selbstvertrauen gewonnen und wissen, dass wir in der Beko-BBL bestehen können.

Hast du in deiner Zeit als Spieler im In- oder Ausland oft eine solch heimische Begeisterung für den Basketball wie in Hagen vorgefunden?

Überall war es auf seine Art „heimisch“. In Wedel war alles etwas kleiner. In Berlin war ich zu einer Zeit, als ALBA den Korac-Cup gewinnen konnten, da herrschte ebenfalls Euphorie. Ich hatte allerdings auch das Glück, dass ich meist für Clubs spielen durfte, die etwas erreicht haben. Das wirkt sich natürlich auf die Stimmung aus. Hagen ist schon darum etwas Besonderes, weil es meine erste Station als Profi-Trainer ist. Hier gibt es ein besonders emotionales Umfeld. Man spürt den Stolz der Fans.

Was erwartest du von der neuen Saison, wird sich Phoenix gen Mittelfeld orientieren können oder geht es wieder gegen den Abstieg?

Ganz klar: Einzig und allein der Klassenerhalt ist das Ziel – schon wegen des schmalen Budgets. Das Mittelfeld scheint ein gutes Stück entfernt, wenn man die Möglichkeiten der anderen Clubs sieht.

Die Mannschaft hat auf uns in der Vorbereitung einen sehr homogenen, geschlossenen und kämpferisch starken Eindruck gemacht. Seid ihr stärker, als in der vergangenen Spielzeit?

Das kann man nie sagen, bevor nicht die ersten Ligaspiele gelaufen sind. Es freut mich, wenn wir bisher einen guten Eindruck hinterlassen haben, aber den müssen wir jetzt auch in der BBL unterstreichen.

Mark Dorris (aus Cuxhaven) und Eddie Seward (aus Bayreuth) haben Deutschland-Erfahrung, Matt Terwilliger ist aus Paderborn gekommen und Jacob Burtschi und David Bell aus den Staaten. Wie beurteilst du die Neuen?

Sie sind alle nach ihren Probeverträgen noch da – das zeigt doch, dass sie die gewünschten Qualitäten bisher gezeigt haben. Sie geben uns eine Menge.

Was traust du den jungen Spielern zu? Können Thomas Reuter, Fabian Gentgen und Thomas Schoeps dieses Jahr schon eine Rolle spielen? Und was ist mit Dominik Wilkins?

Das sind alles Spieler, die in ihrem jeweiligen Stammclub im kommenden Jahr viel Verantwortung übernehmen sollen und müssen. Sie sollen sich dort entwickeln. Bei uns spielen sie eine ganz wichtige Rolle im Training. Mehr können sie sich nur durch Leistung erarbeiten.

In der neuen Saison wird es ein paar Änderungen geben (Verschiebung der Dreierlinie um 50 cm, andere Zonenaufteilung, Änderungen bei der 24-Sekunden-Regel usw.). Vermutlich wird das Spiel im Angriff schneller werden und die Verteidiger sind mehr gefordert. Kommt das Phoenix entgegen?

Ich glaube nicht, dass sich viel ändern wird. Die Spieler werden weiter aus der Distanz werfen, daran ändern auch die 50 cm nichts. Dass das Spiel Jahr für Jahr schneller wird, liegt an der ständig steigenden Qualität der Liga und an der zunehmenden Athletik. Für uns haben die Änderungen keine Bedeutung.

Phoenix gewann alle zehn Vorbereitungsspiele. Ob man besser sei als in der vergangenen Saison? Das will Ingo Freyer nicht sagen, bevor die ersten Ligaspiele gelaufen sind: „Wir müssen den guten Eindruck jetzt auch in der Beko-BBL unterstreichen.“ Allerdings könne es auch im 2. BBL-Jahr nur um den Klassenerhalt gehen, allein schon wegen des knappen Budgets. (Foto: Jörg Laube)

Ist es ein psychologischer Nachteil, wenn ein Spieler wie Chase Griffin ausgerechnet zu einem (mutmaßlichen) Tabellennachbarn wie Gießen wechselt?

Das ist für keine Partei ein Vor- oder Nachteil. Das ist normal im Profisport und hat nichts mit Psychologie zu tun. Aber natürlich freuen wir uns auf das Wiedersehen mit Chase!

Quentin Pryor wirkte in der Vorbereitung kraftvoll und entschlossen, hat meist relativ hoch gepunktet. Wird er diese Spielzeit eine dominantere Rolle als Führungsspieler einnehmen?

Seine Rolle war schon im letzten Jahr eine wichtige. Er ist ein Führungsspieler, aber das sind andere auch. Unser Spiel wird in der kommenden Saison sowohl in der Defensive als auch in der Offensive auf vielen Schulter ruhen. Aber klar: „Q“ ist jetzt ein Jahr weiter. Und ein Jahr mehr in der Beko-BBL bedeutet eine Menge.

Ihr habt zunächst am Samstag das Auswärtsspiel in Tübingen, dann das Dortmunder „Heimspiel“ gegen Bamberg und danach drei Auswärtsspiele? Wie beurteilst du den Start?

Der Start ist sehr schwer, die vielen Auswärtsspiele sind ein Nachteil. Es entsteht kein normaler Heim-Auswärts-Rhythmus, auch weil unsere Fans fehlen. Das Spiel in Dortmund ist eine große Chance für Phoenix, aber natürlich ist es kein typisches Heimspiel.

Wie schaut es mit der Fitness der Mannschaft aus? Edward Seward ist nach seinen Bandscheiben-Problemen schon wieder leicht ins Training eingestiegen. Wird er noch lange fehlen?

Ich hoffe nicht. Eddie trainiert seit einigen Tagen wieder voll mit uns und hat keine Schmerzen. Ich hoffe, dass er die Saison normal spielen kann. Ansonsten hatten wir nur die für eine Vorbereitung üblichen Wehwehchen.

Wie wichtig ist für dich, die Mannschaft und für das ganze Umfeld die Rückkehr in die Ischelandhalle?

Das ist sehr wichtig! Endlich haben wir unsere Heimhalle, unser Wohnzimmer zurück. Das empfindet die Mannschaft ebenso wie die gesamte Region. Dort spielen wir gerne, dort fühlen sich unsere Zuschauer wohl. Es ist schön, dort zu spielen.

Dein ganz persönlicher Tipp: Welchen Tabellenplatz wird Phoenix zum Ende belegen?

Unser Ziel ist der Klassenerhalt!

Herzlichen Dank für das Interview und eine erfolgreiche tolle Saison!

(Das Interview führte Olaf Somborn)