Noch vor ein, zwei Jahrzehnten hatten Jugendherbergen wie die in Hagen (Foto) ein verstaubtes Image. Das hat sich völlig gewandelt, vor allem bei Familien. (Foto: Heiko Cordes)

Hagen. (Red./ME) Der Hagener Eberhard (44) und seine Ehefrau Bianca (34) haben zwei kleinere Töchter. Gern machen sie mit dem Nachwuchs den einen oder anderen Kurzurlaub – zurzeit am liebsten in einer Jugendherberge. In Detmold war die Familie schon, ebenso am Möhnesee, in Cochem/Mosel und in Limburg an der Lahn.

Was Eberhard an den Herbergen so sehr schätzt? „Dass sich kleinere Kinder hier herrlich frei bewegen können, ohne dass es gleich böse Blicke anderer Gäste gibt.“ Außerdem seien die Preise für weniger gut betuchte Familien im akzeptablen Rahmen.

Plus: 4,2 Prozent

Die Beliebtheit der Jugendherbergen wird auch vom in Hagen ansässigen Landesverband Westfalen-Lippe bestätigt. Er zählte für 2017 mit 625.993 Übernachtungen ein Plus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Berücksichtigt man, dass die Jugendherberge Nottuln nahe Münster wegen umfangreicher Modernisierungsarbeiten ganzjährig nicht am Netz war, zählen wir knapp 25.000 Übernachtungen mehr“, freut sich Wolfgang Büttner, Geschäftsführer des Landesverbandes.

„Insbesondere bei unseren Kern-Zielgruppen Schulklassen und Familien haben wir weiter zugelegt“, berichtet Büttner. So haben vergangenes Jahr fast 90.000 (2016: ca. 86.000) Kinder und Jugendliche ihre Klassenfahrten in den Jugendherbergen im Münster-, Sauer- und Siegerland, dem Teutoburger Wald, im Ruhrgebiet, in Ostwestfalen-Lippe oder im Weserbergland verbracht.

Besonders hoch war der Anstieg mit einem Plus von rund 36,4 Prozent bei den Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II. Die meisten Schulen buchten dabei gleich pädagogische Programme mit. Von der „Heldenakademie“ gegen Cybermobbing oder Teamtrainings an der Kletterwand, in der Natur oder auf dem Wasser – insgesamt bieten die Hagener mehr als 150 verschiedene Klassenfahrten an.

Familienurlaub

Auch Familienurlaub wird in den westfälisch-lippischen Jugendherbergen immer beliebter, in diesem Segment zählte der Landesverband 112.506 Übernachtungen (plus 4,6 Prozent).

„Familien schätzen den steigenden Komfort, die ungezwungene Atmosphäre und die abwechslungsreichen Freizeit-Programme, die wir ihnen anbieten“, erklärt Wolfgang Büttner.

So hat sich etwa die Jugendherberge Winterberg – 2016 nach umfangreicher Modernisierung wiedereröffnet – 2017 zu einem Top-Standort für Familien entwickelt.

Hagen: Hoher Anstieg

Besonders hoch ist ferner der Anstieg der Übernachtungszahlen in den Jugendherbergen Hagen, Cappenberger See (Lünen) und Reken (Müsterland).

Münsters „Haus am Aasee“ ist mit einem Rekord-Ergebnis von knapp 58.000 Übernachtungen (plus sechs Prozent) nicht nur das besucherstärkste Haus im Hagener Verwaltungsbezirk, sondern in puncto Bettenauslastung (247 Übernachtungen pro Bett und Jahr) sogar eines der besten unter den knapp 500 Jugendherbergen in ganz Deutschland.

In Hagen selbst wurden 18.210 Übernachtungen gezählt – in 2016 waren es 14.956.

Auch die Zahl der Mitglieder wächst weiter: 2017 zählt Westfalen-Lippe 265.764 und damit rund 3.300 Mitglieder mehr als im Vorjahr.