Jugendstück im Lutz: „Hallo Nazi“ sorgt für Gesprächsstoff

Hagen. (lz) Es ist ein Stück, das ebenso tagesaktuell wie geschichtlich hochbrisant ist: Das Lutz-Theater in Hagen zeigt ab Samstag, 18. Februar, „Hallo Nazi“.

Es ist bereits das 13. Werk, das aus der Hand von Lutz Hübner kommt. Gemeinsam mit Sarah Nemitz schrieb er das Jugendstück, das bereits 2001 Uraufführung in Dresden und Berlin feierte, neu. Allerdings durfte es zum damaligen Zeitpunkt nur unter Schutzmaßnahmen aufgeführt werden. Zu extrem waren die Dialoge und die Thematik.
Mit neuen Charakteren bei gleichem Handlungsablauf schuf Hübner mit seiner aktualisierten Fassung ein gesellschaftskritisches Stück, das Emotionen zeigt, die sowohl fesselnd als auch verstörend sind. „Der Kern ist gleich, lediglich das Kostüm hat sich verändert“, erzählt Theaterchef Werner Hahn.
Derbe Dialoge
„Hallo Kamelficker!“, „Hallo Nazi!“ – mit diesen Worten beginnt der erste Dialog der beiden jungen Männer, die sich auf engstem Raum begegnen. Der Zuschauer wird genau dort abgeholt, wo er sich selbst Tag für Tag befindet – in einem Meer voller Klischees, Missverständnisse und Anfeindungen. „Hallo Nazi“, reißt einen mit, ohne zu werten, gibt Denkanstöße zum eigenen Verhalten, zeigt aber ebenso ­Parallelen der verfeindeten Welten auf, die sich in vielen Situationen näher sind, als es ihnen zunächst scheint.
Freund oder Feind
Die Story dazu ist ebenso einfach wie konfliktbeladen: In einer Landgemeinde überfällt eine Gruppe Rechtsradikaler ein Lokal, das von Flüchtlingen betrieben wird. Die Hauptcharaktere Rudi und Jamal werden in Polizeigewahrsam genommen und in der einzig freien Zelle gemeinsam untergebracht.
Dort nimmt der Konflikt zwischen den beiden Männern einen neuen Anfang. Bis zu dem Zeitpunkt, als beide erfahren, dass eines der arabischen Opfer verstorben ist. Aus Abschreckung und Fremdenhass wird Mord. Nur der Feind aus der gemeinsamen Zelle kann nun eine Verurteilung verhindern.
Charakterstark und kraftvoll
Gespielt werden die Charaktere der beiden Insassen von Najib El-Chartouni und Mark Tumba. Finn Engelke spielt den Polizisten. Eine Verteilung, die den Zuschauer direkt zu Beginn an seine eigenen Vorurteile erinnern lässt, denn den Nazi im Stück spielt Mark Tumba.
Der 21-jährige Hagener mit Wurzeln aus Sansibar schlüpft in eine Rolle, die eben nicht das Klischee erfüllt, und dennoch in seiner Darstellungsweise keinen Zweifel an seiner Glaubhaftigkeit zulässt.
Schlicht und einfach
Der Raum ist schlicht, jeder Blick der jungen Schauspieler wird direkt auf den ­Zuschauer projiziert. „Durch den einfachen Raum, den Jeremias Vondrlik hier erschaffen hat, macht das Publikum selbst ein Gefängnis daraus und bleibt in Kontakt mit den Schauspielern“, erklärt Werner Hahn.
Kleiner Raum große Wirkung
Nur vier mal drei Meter fasst die Bühne, auf der das Trio seine Magie versprüht. „Das Theater öffnet uns und dem Zuschauer einfach eine neue Denkweise“, meint Najib, der nicht nur in seiner Heimatstadt Siegen ein bekanntes Gesicht ist.„Man hat hier einfach mehr Zeit zu denken“, fügt Finn an. Eine Erfahrung, die gerade bei Themen wie diesen die Flut der Medien ausblenden und sensibilisieren kann. Dramaturgin Kristina Günther-Vieweg meint: „‚Hallo Nazi‘ zeigt in besonderer Weise, dass das Theater es schafft, eine Bühne für Kommunikation zu schaffen, ohne zu werten.“Wohl eben deswegen hat das Stück auch ein offenes Ende, auf das die Zuschauer von „Hallo Nazi“ ab dem 18. Februar gespannt sein dürfen.