Junge Südafrikanerin ist begeistert von Hagen

Caro Hohenhof
Land und Leute, Geschichte und Kultur interessieren die junge Südafrikanerin Caro. Drei Monate verbrachte sie in Hagen, um sich auf ein Studium in Deutschland vorzubereiten. Besonders beeindruckt war sie vom „Hohenhof“, dem Wohnsitz des Kunstmäzens Karl-Ernst Osthaus auf Emst. (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagen. Als sie vor zwei Jahren nach nur drei Wochen als Austauschschülerin mit Tränen in den Augen Hagen wieder verlassen musste, hatte die junge Südafrikanerin Caro Bouwer versprochen: „Ich komme wieder, sobald ich kann. Ich möchte in Deutschland studieren.“

Sie gehört in ihrer Heimat am südlichen Ende des afrikanischen Kontinents zur weißen Minderheit, die 9,6 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Ihre Familie stammt ab von den „Buren“, weißen Siedlern, die im 17. und 18. Jahrhundert aus den Niederlanden kamen.
Caro hat inzwischen in ihrer Heimat das Abitur gemacht und gejobbt, bis sie das nötige Geld für den Flug von Johannesburg nach Frankfurt zusammen hatte.

Entspannt und sicher

Drei Monate hat sie dieses Mal bei ihrer Gastfamilie zwischen Sauerland und Ruhrgebiet verbringen können. Sie will möglichst schnell genug Deutsch lernen, um sich an einer deutschen Universität einschreiben zu können und vorher tief in den Alltag, die Kultur und Geschichte ihres Gastlandes einzutauchen.

„Ich bin so gerne hier in Hagen“, sagt sie. „Hier kann ich morgens allein joggen, ohne Angst haben zu müssen. Ich kann ganz entspannt an der Haltestelle stehen, um mit dem öffentlichen Bus in die Stadt zu fahren. Ich kann mich überall frei bewegen. Das geht zu Hause in Südafrika nicht. Da ist die Kriminalitätsrate so hoch, dass es einfach das ganze Leben überschattet.“

Der Alltag: Ein Erlebnis

Ein Touristenvisum von 90 Tagen läuft schneller ab, als man denkt. Caro ergreift deshalb jede Gelegenheit, die sich ihr bietet, viel von Hagen, von Land und Leuten zu erkunden. Sie lacht: „Allein das Thema Einkauf ist spannend. Ich habe jetzt so ziemlich alle deutschen Varianten kennengelernt vom Discounter über den Edel-Supermarkt, den Wochenmarkt, den Bioladen sowie den Tiefkühlhändler und den Eierlieferanten, die mit ihren Wagen direkt am Haus vorfahren.“

Vieles ist in Deutschland ganz anders als in ihrer südafrikanischen Heimat. „Das mit dem TÜV und den Plaketten auf den Nummernschildern muss ich meinem Vater erklären. Davon hat selbst er, der eine Spedition betreibt, sicher noch nie gehört“, vermutet sie.
Mülltrennung, Schrebergärten, Schornsteinfeger, Waldfriedhöfe, öffentliche Kompostierungsanlagen – alles das gibt es in Südafrika nicht.

Sterne und Geschichte

Selbst der Sternenhimmel ist über Hagen ganz anders als über ihrem Heimatort, einer Kleinstadt südlich von Johannesburg. Das wird Caro bewusst bei einem abendlichen Besuch der Hagener Volkssternwarte am Eugen-Richter-­Turm.

„Es ist für mich ganz unglaublich, was ihr für eine reiche Kultur und Geschichte habt“, gesteht sie ihrer Gastfamilie. „Bevor ich zum ersten Mal hier war, hatte ich zum Beispiel keine Ahnung von den Römern. Sie kommen im Geschichtsunterricht in Südafrika einfach nicht vor. Hier in Nordrhein-Westfalen werde ich dauernd auf ihre Spuren gestoßen.“

Ob alte Römer, Mittelalter oder Industriegeschichte – Caro kann nicht genug bekommen. Sie besucht das Wasserschloss Werdringen, das Freilichtmuseum im Mäckinger Bachtal, die Hohensyburg, den „Hohenhof“, den kunsthistorisch hoch bedeutenden Wohnsitz des Bankiers und Kunstmäzens Karl-Ernst Osthaus.

Kunst und Kultur satt

Beim Tag der offenen Tür im Hagener Stadttheater kommt sie aus dem Staunen kaum heraus. „Ich war noch nie in solch einem großen Theater“, sagt sie. „Wie viel Arbeit von so vielen Menschen steckt in den Produktionen! Besonders die Ballettprobe hat mich total beeindruckt.“

Sie wird nicht müde beim Schwimmen im Freibad, beim Minigolf am Harkortsee oder beim Wandern im Sauerland. Unvergesslich wird ihr auch die spektakuläre Eröffnung der NDW-Ausstellung im Herbst bleiben. Caro lacht: „Ich kenne Nenas Hit von den ‚99 Luftballons‘ natürlich. Jeder auf der Welt kennt ihn, aber eben auf Englisch. Dass Nena Deutsche ist und sogar aus Hagen stammt, hätte ich nie gedacht.“

Eine Ahnung von echter deutscher Weihnacht

Eins der größten Erlebnisse für Caro fand am 8. November auf Gut Kuhweide im Hagener Süden statt. Sie durfte dabei sein, als Weihnachtsbaumkönigin Vanessa anreiste, um die bundesdeutsche Weihnachtsbaumsaison 2018 offiziell zu eröffnen. „Wahnsinn“, sagt Caro. „In der Holzhütte war alles so schön weihnachtlich geschmückt. Das Feuer prasselte. Überall standen schon die tollen Weihnachtsbäume, die wir in Südafrika gar nicht kennen. Dazu gab es Posaunenmusik und Gebäck. Es war ganz herrlich, richtig märchenhaft. Jetzt habe ich eine Ahnung bekommen von echter deutscher Weihnacht.“

Die 90 Tage sind vorbei. Caro ist wieder in Südafrika. Ihren Deutschtest hat sie vor kurzem bestanden. Sie kommt wieder, sobald sie kann.