Keine Wertschätzung für Hagen und EN-Kreis?

Hagen/Gevelsberg. (ME) Die Entscheidung ist gefallen: Der Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen sowie die Städte Schwerte und Fröndenberg, der Regionalverband Ruhr (RVR) und die Kooperationspartner Dortmund und Bochum haben von der Landesregierung keinen Zuschlag für die Regionale 2022 oder 2025 erhalten. Das ist bereits das zweite Mal, dass Düsseldorf der heimischen Region eine „lange Nase dreht“. Südwestfalen – Heimat von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) – wurde hingegen erneut beglückt.
Nicht erfüllt
„Unsere Hoffnungen auf die mit einer erfolgreichen Bewerbung verbundenen Fördergelder haben sich leider nicht erfüllt. Das ist bedauerlich. Mit ‚Region im Fluss – Mittendrin in NRW‘ hatten wir zahlreiche Ideen entwickelt. Wir wären gerne dabei gewesen, um das Lebensumfeld der Menschen mit Hilfe der Regionalen attraktiver zu gestalten“, zeigt sich EN-Landrat Olaf Schade wie viele andere Akteure vor Ort enttäuscht von dem „Nein“ aus Düsseldorf.
„Für die Beteiligten muss es nun darum gehen, die in dieser Form neue Zusammenarbeit auch ohne Regionale-Förderung fortzusetzen und das eine oder andere auf anderen Wegen umzusetzen“, blickt Schade nach vorne.
Trotzdem
Ähnlich äußert sich auch RVRRegionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel: „Wir werden jetzt mit den an der Bewerbung beteiligten Städten und dem Ennepe-Ruhr-Kreis prüfen, welche Ideen trotzdem angegangen werden können. Der Regionalverband wird seinen Fokus auf die touristische Entwicklung der Seen entlang des Ruhrtals legen.“
Als gutes Beispiel für die Umsetzung von gemeinsamen Projekten sieht sie das Herdecker Koepchenwerk. Hier sei es durch die Stiftung Industriedenkmalpflege gelungen, das markante Industriebauwerk dauerhaft zu sichern und künftig für Besucher erlebbar zu machen.
Tief enttäuscht
Tief enttäuscht von der Entscheidung der Landesregierung bei der Auswahl der Regionale-Gewinner zeigt sich auch der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Hagener Rat, Willi Strüwer. „Natürlich hat eine von der Landesregierung bestellte Fachjury die Auswahl getroffen. Aber das NRW-Kabinett macht es sich zu einfach, diesem Votum blind durchzustimmen. Von ihr muss man mehr Sensibilität und einen breiteren
Blick auf die Gesamtsituation von Städten erwarten können, die im Wettbewerb stehen und seit Jahren bei den ‚großen Vergaben‘ leer ausgehen.“
Als wenig glücklich stuft Strüwer die erneute Förderung von Regionen ein, die schon dabei waren. Besonders große Nachteile sieht er für Hagen und Umgebung: „Strukturell sind wir von knappen Finanzmitteln, den Lasten der hohen Arbeitslosigkeit sowie von den Zuwachszahlen bei der EU-Zuwanderung umzingelt. Wir stehen seit Jahren unter der Verwaltung von Arnsberg, haben uns über die Haushaltssanierung erheblich eingeschnürt und wurden für unsere konsequenten Bemühungen gelobt. Aber was nützt diese Lobeshymne, wenn das Land uns die Hilfe verweigert, aus dem Teufelskreis fehlender Infrastrukturmaßnahmen zu entrinnen?“
Für Hagen und seine Nachbarstädte wäre die von Oberbürgermeister Erik O. Schulz mit viel Engagement vorangetriebene Bewerbung um die Regionale nach Aussagen Strüwers „ein wichtiges Signal zur besseren touristischen Erschließung und Vermarktung entlang der Seen- und Flusslandschaften gewesen. Wir haben in diesem Bereich noch erhebliche ungenutzte Potentiale. Die Zuwendungen aus der Regionale hätten uns in die Lage versetzt, einen wichtigen Wirtschaftszweig infrastrukturell deutlich fort zu entwickeln. Hier geht es nicht allein um Schönheit, hier geht es vor allen Dingen auch um Arbeitsplätze und Zukunfts­chancen für Familien. Wir haben uns die letzten Fortschritte hart erarbeitet. Jetzt erwarten wir vom Land einmal spürbare Wertschätzung und Anerkennung dafür.“
Neue Wege
Weniger dramatisch sieht naturgemäß Strüwers Hagener Ratskollege Claus Rudel (SPD) die Landesentscheidung. Es müsse noch einmal deutlich gemacht werden, dass das Ziel, das Ruhrtal mit seinen Seen zu einem attraktiven Freizeit- und Erholungsgebiet zu entwickeln, schon vor der Regionale-Bewerbung formukliert worden sei. Das Scheitern bedeute daher jetzt keinesfalls die Aufgabe des Projekts, so Rudel.
Die daraus entstandenen Kontakte und Arbeitskreise mit den Anrainerkommunen und dem RVR müssten aufrechterhalten, neue Wege hin zum Ziel gemeinsam erarbeitet werden, sagt Rudel.
Eine Stellungnahme in diese Richtung kommt auch aus Dortmund. Ratsherr Hendrik Berndsen, Dortmunder SPD-Vertreter im RVR-Planungsausschuss: „Es ist sehr schade, dass die gute Bewerbung von Hagen und dem EN-Kreis keine Berücksichtigung gefunden hat. Gemeinsam mit dem RVR wollen wir daher jetzt nach Wegen suchen, wie man, trotz der Absage, den Hengstey- und Harkortsee weiter entwickeln und die Freizeitqualität hier noch verbessern kann. Die SPD-Ratsfraktion Dortmund hat die Bewerbung gerne unterstützt und wird auch weiter daran mitarbeiten, die guten Ideen zum Beispiel im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA), die im Jahr 2027 im Ruhrgebiet stattfinden wird, umsetzen zu können.“