„Kirche ist wie Haushalt XXL“

Anke Littwin ist seit 15 Jahren Küsterin in der Pauluskirchengemeinde in Wehringhausen. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen auch die drei Glocken, deren Geläut zum Gebet und Innehalten auffordern sollen. (Foto: Anna Linne)

Wehringhausen. (anna) Ohne Anke Littwin blieben in der Pauluskirchengemeinde in Wehringhausen wichtige Sachen auf der Strecke, die für das Gemeindeleben und die Gottesdienste unentbehrlich sind: Denn seit 15 Jahren versieht die 48-Jährige als Küsterin ihren Dienst in der 4000-Seelen-Gemeinde. Früher eine echte Männerdomäne, reichen Anke Littwins handwerkliche Fähigkeiten gut und gerne an die der Männer heran.

Die gelernte technische Zeichnerin ist durchaus in der Lage, mit Bohrmaschine und Schrauben sowie Hammer und Nägel Missstände in Kirche und Gemeindehaus zu beseitigen. Wer die Küsterin sieht, erkennt schon an ihrem „dicken“ Schlüsselbund, dass sie in der Kirche eine besondere Rolle spielt.

Chance gegeben

Es ist 15 Jahre her, als der damalige Küster der Paulusgemeinde erkrankte und dringend eine Vertretung her musste. „Ich hatte damals zwei Kleinkinder und war in der Kirchengemeinde sehr aktiv“, erinnert sich die Küsterin, „ich bot damals meine Hilfe an und hatte Glück, man gab mir eine Chance.“

Die junge Mutter war glücklich: Sie hatte nun einen „Job“, den sie liebte und ein Umfeld, in dem die Betreuung ihrer Kinder immer sichergestellt war. „Wenn die Kleinen aus Kindergarten oder Schule kamen und ich noch etwas erledigen musste, konnte ich sie immer in den Kindergruppen der Gemeinde oder bei ehrenamtlichen Mitarbeitern unterbringen“, schwärmt die 48-Jährige noch heute von der idealen Situation. „Meine Kinder, die heute 21 und 19 Jahre alt sind, waren im Gemeindehaus einfach zu Hause.“

Mädchen für alles

Anke Littwins Aufgaben als Küsterin sind so vielfältig wie abwechslungsreich. Sie ist einfach Mädchen für alles und immer auch erste Ansprechpartnerin für die Menschen in der Gemeinde.

„Die Arbeit in der Kirche ist wie ein Haushalt XXL“, erklärt die kirchliche Hausmeisterin. „Ich bereite jeden Gottesdienst vor, kümmere mich um die Sauberkeit, die Dekorationen, sorge dafür, dass genügend Kerzen da sind und dass das Mikrophon funktioniert. Ich gestalte den Kindergottesdienst mit, teile Gesangbücher aus und sammle die Kollekte ein“, erklärt Littwin ihren Aufgabenbereich. Dabei bedürfen Taufen und Hochzeiten einer besonders intensiven Vorbereitung. „Dann wird die Kirche festlicher als sonst dekoriert“, berichtet die Küsterin, die diesen Teil der Arbeit sehr liebt.

Große Sorgfalt

Im Gemeindehaus der Pauluskirche in der Borsigstraße, in dem viele unterschiedliche Gruppen agieren und unterschiedlichste Veranstaltungen abgehalten werden, ist eigentlich immer etwas für die Küsterin zu tun, und sei es, dass jemand wissen möchte, wo die Toiletten sind. Auch das Koordinieren von Treffen oder das Belegen von Räumlichkeiten fällt in ihren Aufgabenbereich.

Vor kleinen Reparaturen oder dem Auswechseln von Leuchtkörpern macht sich Anke Littwin nicht bange. Auch ist ihre Schwindelfreiheit wichtig, wenn sie im Glockenturm nach dem Rechten sehen muss, denn auch das korrekte Läuten gehört zu Littwins Arbeitsbereich. Sie programmiert den Computer für die drei Glocken im 55 Meter hohen Paulusturm. Jeden Feiertag, jede Beerdigung, Hochzeit oder Taufe muss sie beim Läuten berücksichtigen. Falsche Eingaben bedingen Läuten zur falschen Zeit, also ist beim Programmieren große Sorgfalt unerlässlich.

„Wenn ich recht überlege, ist mein Aufgabenbereich unendlich weit gesteckt. Ich kümmere mich eigentlich um alles, so wie die Mutter einer riesigen Familie…“, schmunzelt Anke Littwin. Und dabei fühlt sie sich in der Paulusgemeinde genauso geborgen wie in einer Familie.