Klärchens Weihnacht 1925

Klärchen W. - unter rechts im Bild mit Puppe „Mimi“ - genoss den Heiligen Abend 1925 im Kreise ihrer Familie und der Großfamilie Schürmann. Das Foto entstand 1925 nach dem Kirchenbesuch beim Singen von Weihnachtsliedern. (Foto: privat)

Hagen. (anna) Weiter geht es auch heute wieder in der wk-Reihe „Weihnachtserlebnisse unserer Leser“. Diesmal berichtet Klara W. aus Altenhagen. Sie war gerade einmal fünf Jahre alt, als Klein-Klara mit ihren Eltern, ihrer Großmutter und der Vermieter-Familie 1925 den Heiligen Abend feierte (siehe Foto).

Die heute 91-jährige Klara W. aus der Wittekindstraße in Altenhagen lebte zwischen 1922 und 1927 mit ihren Eltern Josef und Marie W. in Hamm. Dort hatte der Vater eine Stelle als Ingenieur gefunden.

„In der Lessingstraße lebten wir in einer Mietwohnung. Unsere Vermieter, die Familie Schürmann, hatte einen Stall voller Kinder, wie sich auf dem Foto unschwer erkennen lässt,“ erzählt die 91-Jährige. „Die immer geduldige und ruhige Mutter Schürmann ließ mich oft an ihrem warmen Familienleben teilhaben“, schwärmt Klara W. heute noch. „Ich war ein Einzelkind und fühlte mich zwischen Schürmanns Kinder-Meute pudelwohl. Manchmal durfte ich auch bei der Familie schlafen, wenn meine Eltern abendliche Termine hatten. Diese Abende im Schoße der großen Familie werde ich nie vergessen, so wohl habe ich mich zwischen den vielen Kindern gefühlt. Vor allem mit dem gleichaltrigen Hubert (auf dem Foto rechts unten) habe ich viel Spaß gehabt, er war mein bester Freund. Leider ist er schon verstorben.“

Geschenke nicht wichtig

„Am Heiligen Abend 1925 mussten wir vor der Bescherung erst einmal zum Gottesdienst, denn die Schürmanns, aber auch meine Eltern, waren religiöse Leute. Nach dem Gottesdienst lud mein Vater die Familie Schürmann mit all ihren Kindern zu uns in die gute Stube ein. Unterm Tannenbaum wurde dann kräftig gesungen“, erinnert sich Klara W., „und dabei wurde das abgebildete Foto erstellt.“

„Ob die Schürmanns Kinder an Heiligen Abend beschenkt wurden, weiß ich gar nicht mehr. Das war damals auch nicht wichtig“, meint die 91-Jährige, die als Einzelkind seinerzeit eher üppig vom Christkind bedacht wurde. „Wir hatten alle unseren Weihnachtsteller mit Plätzchen, Nüssen, Obst und etwas Schokolade. Das war schon toll. Ich habe aber hauptsächlich die herrlich-wohlige Atmosphäre dieser Weihnacht in der Großfamilie vor Augen.“

Bis heute

Am 1. Dezember 1939 bezog Klara W. dann mit ihrem Mann ihr Haus in der Wittekindstraße, das schon fünf Jahre später den Bomben zum Opfer fiel. Später wieder aufgebaut, lebt Klara W. bis heute in diesem Haus. Obwohl sie immer gerne Geschwister gehabt hätte, brachte die 91-Jährige selbst auch nur eine Tochter zur Welt…