Kleine Kostbarkeiten in der Hagener Innenstadt

Hinter der Marienkirche ist eine noch ziemlich unbekannte Bronze-Skulptur zu finden - sie ziert den Eingangsbereich des Pfarrhauses. Gezeigt wird der Erzengel Michael hoch zu Ross. Hierher - wie auch zur Fichte- und zur Cuno-Schule - wird die kleine Heimatbund-Tour von Michael Eckhoff am morgigen Donnerstag führen. (Foto: Michael Eckhoff)
Hinter der Marienkirche ist eine noch ziemlich unbekannte Bronze-Skulptur zu finden – sie ziert den Eingangsbereich des Pfarrhauses. Gezeigt wird der Erzengel Michael hoch zu Ross. Hierher – wie auch zur Fichte- und zur Cuno-Schule – wird die kleine Heimatbund-Tour von Michael Eckhoff am morgigen Donnerstag führen. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. Der Hagener Heimatbund lädt am Donnerstag, 10. Oktober 2013, zu einem weiteren entgeltfreien Innenstadtrundgang „Kunst & Co. im öffentlichen Raum – vom Osthaus-Museum zum Theater“ ein (Treffpunkt: Osthaus-Museum, Hochstraße). Es führt wk-Chefredakteur und Heimatbund-Vorstand Michael Eckhoff. Los geht’s um 17.30 Uhr. Die Tour wird etwa eineinhalb Stunden dauern.

Hagens Innenstadt wurde zwar 1943/45 zu über 90 Prozent zerstört, dennoch haben sich sogar in der City einige „Inseln“ mit geschichtsträchtiger Baukunst erhalten. Hauptsächlich rund um Hoch-/ Berg- und Konkordiastraße lässt sich manch „Schmankerl“ entdecken. Obendrein gibt es hier einige Kunstwerke und Denkmäler, die viele Hagener kaum oder gar nicht kennen.

Einer der Höhepunkte

Zu den Höhepunkten der Architektur in diesem Teil Hagens zählt die Katholische Kirche St. Marien, Hochstraße 81. Ihr Architekt war Casper Clemens Pickel, ein Baumeister aus der Tradition der Kölner Dombauhütte. Die dreischiffige Hallenkirche von 1892/95 wurde im damals bei Kirchenbauten üblichen neugotischen Stil ausgeführt. Sie ist reich mit Details geschmückt. Über dem Haupt-Portal sehen wir ein Relief mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts. Und über den Seiten-Portalen können wir zwei Reliefs erblicken, die uns jeweils einen Mann samt Schriftzug zeigen.

Diese beiden Reliefs sind zwar noch recht neue Kunstwerke, dennoch wollen wir sie nicht unerwähnt lassen – stellen sie doch Gervasius und Protasius dar. Zwei Namen, die kaum ein Hagener kennt. Dennoch sind sie für die heimische Geschichte nicht ganz uninteressant.

In alter Tradition

Die Marienkirche muss – natürlich zusammen mit der Johanniskirche am Markt – in der Tradition der ersten Hagener Kirche gesehen werden. Allerdings wissen wir nicht, wann sie gebaut worden ist. Es gibt in der Heimatforschung immer wieder die Aussage, in Hagen könnte es schon um 800 dieses allererste Gotteshaus gegeben haben.

Doch diese Aussage ist nicht von Fakten untermauert. Weder gibt es ein Schriftstück, das diese Existenz beweist, noch einen archäologischen Beweis. Und sollte tatsächlich schon so früh eine Kirche im Bereich des Volme-Unterlaufs gestanden haben, bliebe immer noch die Frage, wo sie sich befand. Es muss nicht zwingend an der Stelle gewesen sein, wo sich heute die Johanniskirche erhebt.

Der Heilige Protasius. Das erst im Jahr 2009 erstellte Relief des Dortmunder Bildhauers Edgar Gausling füllt eine zuvor leere Mittelnische über dem Seitenportal der Marienkirche. Mit diesem Kunstwerk möchte die Marienkirche an die früheste kirchliche Tradition in Hagen erinnern. (Foto: Michael Eckhoff)
Der Heilige Protasius. Das erst im Jahr 2009 erstellte Relief des Dortmunder Bildhauers Edgar Gausling füllt eine zuvor leere Mittelnische über dem Seitenportal der Marienkirche. Mit diesem Kunstwerk möchte die Marienkirche an die früheste kirchliche Tradition in Hagen erinnern. (Foto: Michael Eckhoff)

Gervasius und Protasius

Die vorhandene früheste urkundliche Erwähnung der Hagener Kirche weist hingegen eher ins späte 11. Jahrhundert. Darin ist in einer angeblichen Urkunde von 1089 von einer Hagener Kirche mit dem Namen „Gervasius und Protasius“ die Rede. Seit wann diese so hieß, wissen wir nicht. Was wir aber sicher wissen, ist die Tatsache, dass sie offenbar nicht allzu lange diesen Namen trug. So soll bereits eine um die Mitte des 12. Jahrhunderts errichtete Kirche – die bis Mitte des 18. Jahrhunderts existierte und für die es auch archäologische Belege gibt – den Namen der Heiligen Urban und Georg getragen haben.

Doch zurück zu Gervasius und Protasius und somit zu zwei frühen Christen und Märtyrern. Diese beiden Männer tauchen in Deutschland nicht gerade häufig als Namenspatrone von Gotteshäusern auf. In Altenrüthen nahe Warstein steht eines der wenigen Kirchenexemplare dieses Namens.

Einer Legende zufolge waren Gervasius und Protasius Zwillinge zur Zeit des berühmt-berüchtigten römischen Kaisers Nero. Die Römer hätten die Brüder in Rom gefangen genommen, nach Mailand gebracht und dort Gervasius mit Bleigeißeln zu Tode gepeitscht und Protasius enthauptet. Wahrscheinlicher ist es aber, dass beide erst um das Jahr 300 – in der Regierungszeit des Kaisers Diokletian – den Märtyrertod in Mailand erlitten haben. Im Grunde genommen spielt es aber keine große Rolle, wann genau sie gestorben sind. Wichtiger ist etwas anderes, nämlich die Tatsache, dass Reinhard von Dassel, Erzbischof von Köln, im Jahr 1162 die Gebeine von Protasius und Gervasius mit nach Deutschland brachte. Zum Machtbereich des Erzbischofs gehörte seinerzeit auch Hagen. Könnte hier ein Zusammenhang bestehen? Das hieße dann aber, dass die bisherige Datierung der Gervasius-Protasius-Kirche ins 11. Jahrhundert in Zweifel zu ziehen wäre.

Friedrich Schiller - zu entdecken ist diese Büste am Fichte-Gymnasium. Auch zu ihr führt der Weg des Hagener Heimatbundes am morgigen Donnerstag, 10. Oktober, im Rahmen des entgeltfreien Innenstadtrundganges „Kunst & Co. im öffentlichen Raum – vom Osthaus-Museum zum Theater“. Es führt wk-Chefredakteur und Heimatbund-Vorstand Michael Eckhoff. (Foto: Michael Eckhoff)
Friedrich Schiller – zu entdecken ist diese Büste am Fichte-Gymnasium. Auch zu ihr führt der Weg des Hagener Heimatbundes im Rahmen des Rundganges „Kunst & Co. im öffentlichen Raum – vom Osthaus-Museum zum Theater“. (Foto: Michael Eckhoff)

Zuwendung

Es sind nur zwei kleine Reliefs an einer neugotischen, also gerade einmal gut hundertjährigen Kirche, aber sie lassen den Heimatkundler einigermaßen ratlos zurück.

Die im Jahr 2009 erstellten Reliefs füllen zwei zuvor leere Mittelnischen über den beiden Seitenportalen der Marienkirche. An die früheste kirchliche Tradition in Hagen möchte die Marienkirche mit diesen beiden Figuren erinnern. Möglich gemacht wurde dies durch die großherzige Zuwendung eines mittlerweile verstorbenen Gemeindemitglieds. Die künstlerische Gestaltung lag in den Händen des Dortmunder Bildhauers Edgar Gausling.

Nur wenige Meter entfernt ist eine weitere, noch ziemlich neue Bronze-Skulptur zu finden – sie ziert den Eingangsbereich des Marien-Pfarrhauses. Gezeigt wird der den Drachen tötenden Erzengel Michael hoch zu Ross. Hierher wie auch zur Fichte- und zur Cuno-Schule wird die kleine Tour von Michael Eckhoff am Donnerstag, 10. Oktober 2013, führen.