Koepchenwerk vor dem Abriss gerettet: Ein Denkmal der Ingenieurs-Kunst

Herdecke. (anna) In den Jahren 1927 bis 1930 errichtete das
Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) am Hengstey-Ruhrstausee bei
Herdecke ein Pumpspeicherwerk, das später nach seinem Planer, Professor Arthur
Koepchen, benannt wurde.
Koepchen, Vorstandsmitglied beim damaligen RWE, führte die Energiewirtschaft
in ein neues Zeitalter. Er war der Ansicht, dass sich langfristig eine sichere,
wirtschaftliche Stromversorgung nur im Rahmen eines zu schaffenden
überregionalen Großraum-Verbundnetzes entwickeln könne. Seine Ideen wurden
richtungsweisend, nicht nur für die Entwicklung der RWE, sondern für die gesamte
Elektrizitätsbranche.
Nach einem Pumpenschaden 1994 wurde das Koepchenwerk stillgelegt. Es verblieb
bis heute in einem authentischen Bauzustand. Seit Juni 1986 in die Denkmalliste
der Stadt Herdecke eingetragen, beantragte die RWE vor zwei Jahren den Abriss.

Neue Ärä
Seit dieser Zeit verhandelten die RWE Power AG und die Stiftung für
Industriedenkmalpflege, das Referat Industriekultur sowie die
Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk e.V. über die Zukunft des Werkes.
Nach einer positiven Entscheidung des Kuratoriums der Stiftung für
Industriedenkmalpflege war die Entscheidung getroffen. Das Koepchenwerk bleibt
erhalten und soll unter der Ägide der Stiftung einer breiten Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden.
Erfolgreiche Verhandlungen
Auch Ludwig Kons von der RWE Power AG weiß die erfolgreichen Verhandlungen zu
schätzen. „Wir sind jetzt nicht mehr alleiniger Eigentümer am Standort, doch
nach den vielen vertrauensvollen Gesprächen mit der Stiftung sind wir überzeugt,
dass wir alle von einer partnerschaftlichen Arbeit profitieren können. Und
angesichts unseres Vorhabens, den Standort weiter zu entwickeln und durch den
Bau eines Sechs-MW-Batteriespeichers im Jahr 2017 zukunftsfähig zu gestalten,
können wir einen großen Bogen der Energiegeschichte spannen.“
Stadt Herdecke mit im Boot
Für Herdecke und Hagen bedeutet der Erhalt des Koepchenwerks – auch
touristisch – eine große Chance.
„Viele Menschen haben in der Vergangenheit für die Bewahrung der Landmarke
und des Denkmals zugleich gekämpft“, weiß Herdeckes Bürgermeisterin Dr. Katja
Strauss-Köster.„Doch ich glaube, die Arbeit geht jetzt erst los, damit das
Koepchenwerk und seine Geschichte wieder erlebbar werden.“ Die Stadt werde mit
allen möglichen Mitteln die Stiftung unterstützen.
Spenden erbeten
Ursula Mehrfeld von der Industriedenkmalstiftung weiß, dass das Koepchenwerk
ein Denkmal von hoher architektur- und industriegeschichtlicher Bedeutung ist.
„Das Koepchenwerk steht für die große Innovationskraft der Region.“
„Wenn es darum geht, den wertvollen Schatz der Erinnerung, den das Denkmal in
sich birgt, zu heben, kann die Stiftung auf die Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk
setzen, denn die sammelt bereits Spenden für eine Instandsetzung.“
Funktionsweise
Die Funktionsweise des Pumpspeicherwerks ist einfach: Zu Tageszeiten, an
denen im Netz der RWE mehr Strom zur Verfügung stand als verbraucht wurde,
treibt dieser überschüssige Strom Pumpen an, die Wasser aus dem Hengsteysee in
ein 160 Meter höher gelegenes Speicherbecken pumpen. In Spitzenlastzeiten, wenn
mehr Strom benötigt wird als die Kraftwerke erzeugen können, wird dieses Wasser
abgelassen und treibt die Turbinen am Fuß der mächtigen Rohrleitungen an. Der
hier gewonnene Strom wird ins Netz eingespeist.
Mit Koepchens Pumpspeicherwerk konnte das Hauptproblem der
Elektrizitätswirtschaft, nämlich die spontane Bereitstellung elektrischer
Spitzenenergie, gelöst und die Wirtschaftlichkeit und Auslastung der
RWE-Kohlekraftwerke verbessert werden.
Innerhalb von 100 Sekunden konnte der Maschinensatz aus dem Stillstand
angefahren werden und seine volle Leistung in das Netz einspeisen.