Kommt die Sekundarschule nach Hagen?

Auch in Haspe soll die erst in jüngerer Zeit umfassend renovierte und ausgebaute Ernst-Eversbusch-Hauptschule mit der Hasper Realschule zur Sekundarschule werden. Ob das realisiert wird, und wenn ja, mit welchem Konzept, das müssen jetzt die Eltern der Zweit- und Drittklässler entscheiden. (Foto: Ernst-Eversbusch-Schule)

Hagen. (san) Nun wird es für die rund 3.000 Eltern der Zweit- und Drittklässler in Hagen konkret in Sachen Sekundarschule: An über 20 Informationsabenden werden ihnen von den jeweiligen Planungsgruppen – bestehend aus den Vertretern der im Stadtteil betroffenen Schulen – die Konsequenzen, Organisationsform und Schwerpunkte der wahrscheinlich fünf Zusammenschlüsse von Haupt-und Realschulen zu Sekundarschulen erläutert. Geplant sind die Sekundarschulen Altenhagen, Haspe, Nord, Mitte und Hohenlimburg. Bis zu den Osterferien sollen die Eltern dann in einem Fragebogen ihr Votum abgeben. Erst danach wird feststehen, für welche der ausgeguckten Standorte die Planungen definitiv fortgesetzt werden.

Nötig machen diese große Umwälzung der Schullandschaft die Fakten: Bei seit mindestens einem Jahrzehnt stetig sinkenden Schülerzahlen entscheiden sich immer mehr Eltern gegen die Haupt- und Realschulen. Auch zukünftig ist mit einer ständig fallenden Schülerzahl zu rechnen. Ohne die Sekundarschulen müssten in Hagen in den nächsten Jahren Haupt- und Realschulen mangels Kinder geschlossen werden. Das bedeutet für etliche Schüler: Wegfall eines wohnortnahen Angebots.

Doch wenig begeistert zeigten sich die Eltern, die in dieser Woche bereits an der Grundschule Hestert von der Hagener Verwaltung, Haspes Realschulleiterin Birgitt Foth und Ruth Schlünder, Leiterin der Ernst-Eversbusch-Hauptschule, informiert wurden. Als “reine Einsparungsmaßnahme der Stadt“ bezeichneten manche Versammelte den möglichen Zusammenschluss. Mit dem Hinweis, dass auch viele Gymnasiasten weite Wege zur Wunschschule auf sich nähmen, oder beispielsweise einige in Haspe wohnende Schüler lieber auf die Realschule in Halden gingen, überzeugte sie das Argument der Wohnortnähe mitnichten.

Nur Haspe koopeartiv

Kopfschütteln rief das lediglich für Haspe vorgesehene kooperative Modell hervor. An den vier anderen möglichen Sekundarschulstandorten haben sich die Beteiligten auf das Konzept der Teilintegration geeinigt. Die teilintegrierte Lösung beinhaltet eine durchlässige Leistungsdifferenzierung. Hat ein Schüler beispielsweise Schwierigkeiten in Deutsch, ist aber ein Mathe-Ass, wird er in Mathe auf einem wesentlich höheren Niveau unterrichtet, hat aber in Deutsch die Zeit, seinem Lerntempo entsprechend aufzuholen. Anders beim kooperativen Modell: Nach einem zweijährigen gemeinsamen Unterricht in den Klassen 5 und 6 werden sie in zwei Niveaustufen gerennt, entsprechend dem alten Haupt- und Realschulschema.

Das Angebot dieser Schulvariante beruht auf einem Kompromiss der politischen Lager in der Volmestadt. Vorgesehen in Haspe ist dieses Modell, weil die Vertreter der dortigen Realschule nicht mit der Mehrheit der anderen Planungsmitglieder einig waren.

Wenn mein Kind nach der 6. Klasse dann doch nur nach den althergebrachten Schulformen sortiert wird, was hat es denn dann für Vorteile in einer solchen Einrichtung? Obendrein wird der Elternwille dann nicht mehr berücksichtigt“, spricht eine Mutter stellvertretend für Gleichgesinnte aus. Um letztlich das immer weniger angenommene Hauptschul-Niveau zu überwinden, hilft nach Meinung der allermeistern Grundschullehrer übrigens nur eine möglichst enge Integration. Was nicht heißt, dass die Leistungsträger auf der Strecke bleiben. „Binnendifferenzierung“ heißt hier das Zauberwort – auch innerhalb des Klassenverbandes kann individuell gefördert werden.

Elternwille entscheidet

Weil der Elternwille bei dieser Umgestaltung zwingend vorgegeben ist, sind alle angesprochenen Eltern aufgerufen, die Informationsveranstaltungen rege wahrzunehmen. Der dann folgende Fragebogen ist für die weitere Planung immens wichtig. Hierauf können die Befürworter einer Sekundarschule auch zwischen den Modellen wählen. Das heißt, dass auch die Hasper Eltern das integrierte Schulmodell ankreuzen dürfen. Sollte es ausreichende Stimmen für eine teilintegrierte Sekundarschule in Haspe geben, kann das Kooperationsmodell damit gekippt werden.

Im Frühjahr 2014 wird schlussendlich das Anmeldeverfahren durchgeführt. Kommen pro Standort genügend Anmeldungen zusammen, kann schließlich zum Schuljahr 2014/15 der Unterricht an den Sekundarschulen beginnen.

Alle Informationen zu diesem Thema – auch in türkischer Sprache – bietet die Stadt Hagen unter www.hagen.de/sekundarschule. Ab sofort werden diesbezügliche Fragen per Mail, info.sekundarschule@stadt-hagen.de, oder unter der Rufnummer 02331 / 207-2775 beantwort.