Konjunktur schaltet Gang zurück

SIHK-Bericht: Brexit dämpft Exporterwartungen

Märkischer Kreis/Hagen. Die wirtschaftliche Lage im märkischen Südwestfalen ist weiterhin überdurchschnittlich gut. „90 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend“, sagt SIHK-Präsident Ralf Stoffels. „Allerdings sind die Meldungen gut laufender Geschäfte um sieben Prozentpunkte gesunken.

Fehlende Fachkräfte, die weltweiten Handelskonflikte und der ungelöste Brexit drücken auf die Stimmung. Die Unternehmen blicken skeptischer in die Zukunft. Mittlerweile rechnet jedes vierte Unternehmen mit zurückgehenden Auslandsgeschäften. Vor einem Jahr war es nur jedes zehnte Unternehmen.

Ein Lichtblick am Konjunkturhimmel ist die wachsende Investitionsbereitschaft der Betriebe. Unterm Strich schaltet die Konjunktur 2019 einen Gang zurück“, sagt Stoffels. Das sind die Kernergebnisse der Konjunkturumfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) zum Jahresbeginn 2019, an der 191 Unternehmen mit rund 22.100 Beschäftigten teilgenommen haben.

Sinkende Exporte bremsen Wachstum

Der Export fällt seit Mitte letzten Jahres als Wachstumstreiber zurück. „Die von den USA angeheizten Handelskonflikte belasten das Exportgeschäft. Eine weitere Zuspitzung der US-Handelskonflikte würde die globale Konjunktur und damit auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen“, sagt SIHK-Präsident Ralf Stoffels.

Hinzu kommt: Nach dem Scheitern des Brexit-Deals herrscht große Unsicherheit über das Wie und Wann eines Austritts Großbritanniens aus der EU. Großbritannien ist der drittwichtigste Absatzmarkt für südwestfälische Unternehmen. Etwa 450 Unternehmen exportieren nach und 150 importieren aus Großbritannien. Rund 200 Unternehmen haben dort eine Vertretung, 50 eine Niederlassung und zehn eine Produktionsstätte.

Aus diesen Gründen trüben sich die Exporterwartungen der südwestfälischen Wirtschaft spürbar ein. Lediglich 18 Prozent der Unternehmen erwarten für die kommenden zwölf Monate ein besseres Auslandsgeschäft; im Vorjahr waren es noch über 29 Prozent. Und bereits 27 Prozent gehen von geringeren Exporten aus.

Die Industrie als Leitbranche Südwestfalens befindet sich nach wie vor in einer starken Position, gerät aber zunehmend unter Druck. Der Geschäftsklimaindex gibt um neun Punkte nach und liegt aktuell bei 116 Punkten. „Die Industrieumsätze entwickelten sich nicht mehr so dynamisch, liegen mit 21,8 Milliarden Euro bis einschließlich November 2018 aber dennoch um 4,2 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Das ist spürbar mehr als der Landesschnitt von plus 3,7 und dem Bundesdurchschnitt von plus drei Prozent“, sagt SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat.

Konsum nährt verhaltenen Optimismus im Handel

Handelsvermittler und Großhändler berichten von einer eingetrübten Geschäftslage. Der Privatkonsum bleibt aber stabil und sorgt für insgesamt gute Stimmung im Einzelhandel. Die Einzelhändler konnten die Umsatzeinbrüche des heißen Sommers in der teilweise verregneten und milden Vorweihnachtszeit nicht vollständig ausgleichen. Und viele frühe Rabattaktionen des Onlinehandels bereiten zudem Probleme, die Kunden in die Innenstädte zu locken. Mehr als die Hälfte der Einzelhändler berichtet dennoch von guten Geschäften.

Bauwirtschaft weiter unter Dampf

„Die Stimmung im Baugewerbe erreicht zum Jahresbeginn einen langjährigen Spitzenwert von 141 Punkten. Boomender Straßen- und Brückenbau, Wohnungs- und Gewerbebau halten die Bauwirtschaft unter Dampf, die mangels Arbeitskräften mit den Aufträgen kaum mehr nachkommt“, fasst Dr. Ralf Geruschkat die Lage der heimischen Bauwirtschaft zusammen.

Fachkräftemangel drückt Beschäftigungsplanungen

„Der Fachkräftemangel wird von rund 60 Prozent der Unternehmen als größtes Risiko für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung in der Umfrage genannt. Das drückt mittlerweile auch auf die Beschäftigungspläne der Betriebe, die immer häufiger offene Stellen längerfristig nicht besetzen können. Mittlerweile halten sich Unternehmen, die mit weniger Personal planen, die Waage mit Betrieben, die ihre Belegschaften vergrößern wollen. Insgesamt wird die Beschäftigung in Südwestfalen weiter steigen, vorausgesetzt die passenden Fachkräfte werden gefunden“, sagt SIHK-Präsident Ralf Stoffels.