Kostbare Geschenke von Hagener Bürgern

1910/11 war dieser Bau der neue Stolz der Volmestadt. Hagener Bürger spendeten große Summen für die Errichtung - das waren noch Zeiten... - Die wunderschönen Bronze-Eingangstüren wurden übrigens erst in der Ära von Intendant Peter Pietzsch restauriert. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (ME) Vor hundert Jahren ging’s an der Konkordia-/ Ecke Elberfelder Straße mächtig zur Sache – auf dem ehemaligen Gelände des Allgemeinen Krankenhauses wurde 1910/11 das neue Theater gebaut. Der wochenkurier informierte in den letzten Wochen bereits über die Vorgeschichte und über die Auswahl des Architekten (den Zuschlag erhielt Ernst Vetterlein). Heute setzen wir unsere kleine Serie fort, wobei unser Bericht erneut teilweise auf einer im Oktober 1911 erschienenen Festschrift fußt.

Der Autor dieser Festschrift freut sich: „Als im Jahre 1909 die Theater-Aktiengesellschaft den Wettbewerb zur Gewinnung von Planskizzen für das neue Theater einleitete, war das an der Elberfelderstrasse gelegene Bauterrain für den Neubau fest bestimmt. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der gewählte Platz im Stadtplan außerordentlich günstig liegt, da er von allen Teilen leicht erreichbar und dabei nicht zu weit von der Bahn entfernt ist.“

Aber der Autor findet auch einen negativen Punkt: „Mit den großen Vorzügen verbinden sich freilich die Nachteile, dass der Platz im Verhältnis zu dem großen Bauprogramm sehr beschränkt ist. […] Die durch die Raumforderungen notwendige Ausnutzung des Geländes bis aufs äußerst mögliche Maß verhinderte eine künstlerisch wie verkehrstechnisch erwünschte Platzgestaltung vor der Hauptfront. Die hohen privaten Baulichkeiten der Nachbarschaft drängen sich nunmehr als Maßstab dicht an das Theater heran und bedingen eine möglichst große Massenentfaltung, damit dem öffentlichen Bau die seiner Bedeutung zukommende Schwerkraft dauernd erhalten bleibe.“

Kostbare Geschenke

Der Bau gliedert sich naturgemäß in das Bühnenhaus und das Zuschauerhaus – mit den Haupteingängen an der Elberfelder Straße, wo drei bronzebeschlagene Türen ins Innere führten (sie wurde inzwischen rekonstruiert). Früher gab es auch noch einen säulegetragenen Vorbau an der Elberfelder Straße, der als „Anfahrt der Wagen“ gedacht war. Im Innern wurde an der Ausstattung nicht gegeizt, so wurde der „Hauptwandelraum“ mit Pilastern „aus echtem polierten, teilweise vergoldeten Marmor und echten Kunstverglasungen geschmückt“. Dieser kostspieligen Ausstattung lag eine Stiftung des Hagener Stadtverordneten Gustav Neveling zu Grunde, so wie ja auch – der wk berichtete – der größte Teil des gesamten Bauwerks von Hagener Bürgern finanziert worden war. An Baukosten verschlang das Theater rund 450.000 Mark, was relativ preiswert war. Weitere 30.000 Mark flossen in einen Anbau für die lukullischen Genüsse und 50.000 Mark ins Mobiliar.

Eine Postkarte aus dem Jahr 1915 zeigt die untere Elberfelder Straße mit dem Theater. (Foto: Sammlung Eckhoff)

Außer an den Marmorverkleidungen und den farbigen Fenstern durfte sich der Theatergast im Hauptwandelraum auch noch an mehreren Reliefs erfreuen, die der Mainzer Hofbildhauer Franz Vlasdeck gefertigt hatte – sie waren ein Geschenk des Hagener Theatervereins (Vlasdeck, der in den 1920er Jahren in Mainz auch als Architekt tätig war, konnte sich in seiner Heimatstadt unter anderem im Kurfürstlichen Schloss mit Stuck- und Bildhauerarbeiten verewigen; was den Architekten Vetterlein bewogen haben mag, diesen Mann in der Volmestadt mit der Arbeit am Theater zu beauftragen, ist indes unbekannt.).

Die damalige Bestuhlung im Hagener Theater sah immerhin 996 Plätze vor, deutlich mehr, als wir es heute von der Hagener Bühne kennen. Zur Bühne hin wurde der Zuschauerraum selbstverständlich vom Hauptvorhang getrennt, der – gefertigt aus kostbarem Stoff – dem Theater von August Funcke geschenkt worden war.

Verblüffend preiswert

Der Autor der Festschrift kommt zu dem Ergebnis, dass Hagens Theaterbau zu einer „verblüffend niedrigen Summe“ zustande gekommen sei, „die,“ so lesen wir wörtlich“, „sich nur durch den opferwilligen Idealismus erklären lässt, mit dem alle am Bau tätig gewesen Kräfte im Dienste der schönen Aufgabe gewirkt haben“.

Ein wesentlicher Teil des Bauwerks wurde mit Backsteinen errichtet, zudem kam Eisen- beziehungsweise Stahlbeton zum Einsatz, was damals noch nicht allgemein üblich war (so zählt beispielsweise die erst vier Jahre zuvor errichtete „Königlichen Anatomie“ in München, erbaut von 1905 bis 1907, zu den ersten Stahlbetonhochbauten in Deutschland). Auch beim Fußbodenbelag zeigten sich die Hagener auf der modischen Höhe der Zeit: sie ließen das damals als überaus modern geltende Linoleum verlegen.

Ultramodern zeigte sich zudem die Eingangspartie – geschmückt von vier 2,50 Meter hohen Figuren der seinerzeit in Hagen tätigen Bildhauerin Milly Steger. Hierüber mehr in einer der nächsten wochenkurier-Ausgaben…