Hagen. (cs) Das „Hagen-Forum“ steht vor der Tür. Am Dienstag, 17. April, haben Bürgerinnen und Bürger erstmals die Chance, sich öffentlich in das integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) einzubringen. Von 18 bis 21 Uhr ist jeder Hagener in den Ratssaal im Rathaus an der Volme eingeladen, um sich zu informieren und die Stadtentwicklung aktiv mitzugestalten.

Zuvor wurde in vier Fachforen zu den Themen „Arbeit, Wirtschaft und Tourismus“, „Bildung, Soziales, Sport und Kultur“, „Freizeit, Freiraum und Umwelt“ sowie „Verkehr und Mobilität“ diskutiert.

Das Fachforum „Wohnen und Städtebau“ findet allerdings erst im Juni statt – also einige Wochen nach dem Hagen-Forum, in dem eigentlich alle Ideen der vorausgegangenen Fachforen der Öffentlichkeit vorgestellt und zur Diskussion freigegeben werden sollen.

Dieckmann mit Skepsis

An dieser Stelle setzt die Kritik von Johann Dieckmann, ehemaliger Stadtbaurat bei der Stadt Hagen, am ISEK an. „Ich weiß nicht, wie man so das Hagen-Forum angehen soll“, äußert er sein Unverständnis über den Ablauf. Dieckmann wünscht sich ergebnisoffene Diskussionen, die er im ISEK nicht zu finden glaubt, da die Ergebnisse aus den Fachforen zunächst von einem politischen Gremium besprochen und eventuell gefiltert würden, bevor sie der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Da er und der Architektenverein AIV jedoch bereits seit langem Ideen zu Hagens Stadtentwicklung in Form des Forums „Der Blaue Tisch“ entwickeln, soll auch ein im Februar veröffentlichtes „Zukunftsprogramm zur Entwicklung der Stadt“ in das integrierte Stadtentwicklungskonzept einfließen.Schwerpunkte des Programms sind Wohnen, Wirtschaft und schnelles Internet.

„Uni50plus“ konstruktiv

Kritisch, aber dem ISEK zugewandt gibt sich die Themengruppe „Wohnen im Quartier“ von „Uni50plus Hagen“. Stellvertretend für die Gruppe äußerte sich Klaus Hirschberg: „Wir sind froh über den Prozess und ‚Uni50plus‘ möchte das Ganze gerne unterstützen.“ Grundlage dafür ist eine knapp 40-seitige Broschüre, die die Ideen und Positionen der Mitglieder und Fachexperten darstellt.

„Ende 2016 war ein Entwicklungsprozess bei der Stadt in dieser Form noch nicht gewünscht, wir haben die Notwendigkeit jedoch gesehen und freuen uns, dass es jetzt soweit ist“, erklärt Hirschberg.

Lücke: Migration

Eine Lücke im ISEK sieht er allerdings im Bereich Migration. Der „Ankunftsstadtteil“ Wehringhausen übernehme jetzt schon eine große Integrationsleistung, sowohl gesamtgesellschaftlich, als auch konkret für die Stadt Hagen.

Während in Wehringhausen Fördergelder fließen und auch die Bürgerinnen und Bürger bei der Integration helfen, würde Altenhagen noch vernachlässigt.

Discounter keine Allheil-Lösung

„In Hagen ist in Mode, Brachflächen kurzerhand mit einem Lebensmittelgeschäft zu besetzen, anstatt umzudenken und ganzheitlich zu planen“, so Hirschberg, der sein Anliegen am Beispiel von Hagen-Emst verdeutlicht: „Wenn eine Ladenzeile abgerissen wird, um dort aufgrund des steigenden Autoaufkommens Garagen zu bauen, dann ist das nicht langfristig gedacht. Da müsste man eher am Mobilitätskonzept arbeiten.“

Umdenken

Daher wünscht sich „Uni50plus“ ein Umdenken zum Netzwerk-Denken, eine systematische Herangehensweise, die vor der Verwaltung keinen Halt macht.

„Wir möchten das ISEK-Verfahren kritisch und selbstkritisch begleiten“, sagt Klaus Hirschberg. Und auch Johann Dieckmann möchte dem ISEK am kommenden Dienstag im Rahmen des Hagen-Forums eine Chance geben: „Kritische Fragen muss man sich gefallen lassen. Das Verfahren muss deutlich machen, dass wirklich alle ernst genommen werden.“