Lebhaftes Treiben in den Kneipen

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern vor 100 Jahren – also am Vorabend des Ersten Weltkriegs – im Mittelpunkt? Wir setzen unsere Serie „Hagen – 1914“ abermals mit einem Blick in den Februar fort. Erneut geht es um den Karneval.

Autor dieses Beitrags ist erneut Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach. Er schreibt:

Unser Foto zeigt Johanniskirche und Springe in früheren Zeiten. Das Gebäude rechts ist die Tonhalle. In ihr fanden seinerzeit viele Veranstaltungen statt - auch Karnevalsfeiern. (Foto: Sammlung Heimatbund/ Kettling & Krüger)
Unser Foto zeigt Johanniskirche und Springe in früheren Zeiten. Das Gebäude rechts ist die Tonhalle. In ihr fanden seinerzeit viele Veranstaltungen statt – auch Karnevalsfeiern. (Foto: Sammlung Heimatbund/ Kettling & Krüger)

Gaststätten mischten mit

Karnevalsfeiern veranstalteten auch die vielen damals in Hagen bestehenden sonstigen Vereine. So fand am Samstag, 14. Februar, abends ab 8:30 Uhr in der „Tonhalle“ am Markt ein „Großes Fastnacht-Kränzchen“ des Hagener Turnklubs statt. Am selben Tag hielt der Turnerbund „Jahn“ in Altenhagen ab 8 Uhr abends im Lokal des Vereinswirts Karl Peters in der Boeler Straße ein geschlossenes „Fastnacht-Kränzchen“ ab.

Da wollte der zweite Turnverein in Altenhagen, der „Altenhagener Allgemeine Turnverein“, wohl nicht zurückstehen und veranstaltete am folgenden Sonntag, 15. Februar, ab 5 Uhr abends in seinem Vereinslokal, Wwe. Ernst Schulte in der Altenhagener Straße, ein Kostümfest. Dabei wurden auch Preise für die sechs schönsten Kostüme vergeben. Der Eintritt zu der Veranstaltung kostete 40 Pfennige; eine begleitende Dame hatte freien Eintritt.

Einen Preis-Maskenball veranstaltete ebenfalls der Männergesangverein „Germania“ in Eppenhausen. Er fand auch am Sonntag, dem 15. Februar ab 5 Uhr abends statt, und zwar in der dortigen Gaststätte „Friedrichslust“. Die Saalkarte kostete 45 Pfennige. Teilnehmer am Preis-Maskenball mussten jedoch ein erhöhtes Eintrittsgeld von 75 Pfennig bezahlen.

Selbstverständlich richteten die Hagener Gaststätten ebenfalls Karnevalsveranstaltungen aus. Das Café und Restaurant „Löwenhof“ am Hauptbahnhof im Gebäude des Hotels „Union“ veranstalte am Samstag, 7. Februar, abends ab 9 Uhr, „bei Wein“ eine karnevalistische Sitzung, zu der man als Mitwirkende laut Ankündigung in der „Hagener Zeitung“ vom 4. Februar die „ersten Kölner Karnevals-Redner“ verpflichtet hatte. Eine „Große Karnevalssitzung“ mit Damen am Donnerstag, 19. Februar, abends ab 9:11 Uhr, im Germaniasaal in Wehringhausen mit örtlichen und den „besten Kölner Karnevalisten“ wurde „zum Besten der hiesigen Armen“ veranstaltet.

Höhepunkt am Rosenmontag

Am Rosenmontag erreichten die Karnevalsfeiern dann auch in Hagen ihren Höhenpunkt. Auf Grund der milden Witterung herrschte nach Feststellung der „Hagener Zeitung“ auf den Straßen gegenüber früheren Jahren ein lebhafteres Faschingstreiben. Da in der Mittelstadt immer noch kein großer Veranstaltungssaal zur Verfügung stand (die – alte – Stadthalle auf der Springe befand sich noch im Bau), spielte sich das Geschehen in den Gaststätten und Cafés ab.

Das Viktoria-Café hatte dafür seine Gasträume in ein japanisches Pfirsich-Blütenmeer verwandelt und dazu mit bunten Schirmen und Lampions dekoriert. Das Café war an dem Abend dann auch der Sammelpunkt eines gutbürgerlichen Familienpublikums, das die Räumlichkeiten bis auf den letzten Platz füllte. Von den Klängen des aufspielenden Orchesters wurden die Gäste in eine fröhliche Stimmung versetzt, die nach dem Bericht in der „Hagener Zeitung“ am folgenden Tag „in nichts dem Kölner Faschingstrubel nachstand, wie er sich dort in den vornehmen Lokalen abzuspielen pflegt“.

Anspruchsvolle Unterhaltung

Allerdings beschränkte sich das öffentliche Unterhaltungsangebot im Februar 1914 in der Stadt Hagen keineswegs nur auf Karnevalistisches. Es gab durchaus und nicht wenige andere, auch anspruchsvolle Alternativen. So konnte man am Abend des 3. Februar im Vortragssaal des Folkwang-Museums (dem heutigen Osthaus-Museum) einen Vortrag des Hagener Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus über „Moderne Keramik“ besuchen, oder sich am Abend des folgenden Tags, Mittwoch, dem 4. Februar, im Städtischen Schauspielhaus ein Sinfonie-Konzert anhören.

Am nächsten Tag bestand dann für die Hagener die Möglichkeit, abends um 8:30 Uhr in einen von dem Verein „Freunde evangelischer Freiheit“ im Kaisersaal der Wwe. Feilhauer veranstalteten Vortrag des Pfarrers Radecke aus Köln zum Thema „Können wir noch beten?“ zu gehen. Am Mittwoch, 25. Februar, fand abends um 8 Uhr ebenfalls im Folkwang-Museum ein Vorspielabend der Schülerinnen und Schüler des örtlichen Pianisten und Klavierpädagogen Heinz Schüngeler mit Werken unter anderem von Bach, Schumann und Liszt statt. Der Eintritt kostete 1 Mark und der Reinerlös war für „wohltätige Zwecke“ bestimmt.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.