In den beiden Schaufenstern eines „Nahversorgungsgeschäfts“ mitten in Hagen hängen große Schilder: „Filiale wegen Personalmangel geschlossen“. Gesehen hat Tilo die Zettel am Montag, aber augenscheinlich hängen sie schon ein paar Tage länger. Was ist hier passiert? Nun, hineingehen und fragen, das kann man nicht. Ist ja niemand da. War das Betriebsklima zu mies, die Bezahlung zu schlecht?

Sei’s drum. Fakt ist seit langem, dass es auch in Hagen immer schwieriger wird, Arbeitskräfte zu finden. Der Wochenkurier hat genau über dieses Thema in den vergangenen Wochen schon häufiger geschrieben. Dabei stehen auf den „Kundenlisten“ der Agentur für Arbeit und der Jobagentur immer noch Tausende, die im Prinzip arbeitsfähig sind. Allerdings können etliche von ihnen nur schwer vermittelt werden.

Hermann ist einer von ihnen. Der Mann ist in den Vierzigern und eigentlich weder dumm noch körperlich gehandicapt. Aber er hat keinen Beruf erlernt und verfügt auch nicht über Kenntnisse, wie sie heutzutage in der Berufswelt vonnöten sind. Gabriel, Ende 30, ein Kerl wie ein Baum, hat zwar einen Beruf erlernt, aber er ist ein schwieriger Zeitgenosse. Mit Vorliebe hat er sich in der Vergangenheit immer wieder mit seinen Vorgesetzten angelegt und ist dann stets recht fix rausgeflogen. Sein Lebenslauf steckt voller „Tücken und Lücken“ und schreckt längst jeden möglichen Arbeitgeber von vornherein ab.

Jobagentur und Agentur für Arbeit unternehmen viel, um Menschen wie Hermann und Daniel in „Lohn und Brot“ zu bringen. Sie werden zu Bildungsmaßnahmen geschickt oder aufgefordert, sich mit Fördermöglichkeiten zu beschäftigen. Am vergangenen Donnerstag beispielsweise gab es eine breit angelegte Messe im Arbeitsamt, wo man sich an den Ständen von weit über 20 Anbietern über Weiterbildungs­angebote informieren konnte. Hunderte nutzten die Chance, sich schlau zum machen. Hermann war nicht unter ihnen, Daniel auch nicht – warum auch? Beide sind überzeugt, dass ihnen dergleichen nichts bringt.

Arbeitslose wie Hermann und Daniel gibt es viele. „Fördern und Fordern“ heißt das Hartz-IV-Prinzip. Klingt leicht – ist aber leider bei den „Problem-Daniels“ dieser Welt leichter gesagt als getan.

Tilo