Lückenschluss Rehstraße: Endspurt

Die Maßnahme Lückenschluss Rehstraße“ wird im Juni 2013 weitgehend abgeschlossen. Die Kosten der Gesamtbaumaßnahme (inklusive Neubau der Bahnbrücke) belaufen sich auf circa sechs Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt Hagen beträt aber nur eine Million Euro. (Foto: Michael Eckhoff)

Kückelhausen. (ME) Im Osten verläuft die Rehstraße und – bis vor gut 80 Jahren – auch die Stadtgrenze zwischen Hagen und Haspe. Im Westen finden wir die durch einen Wall „unterbrochene“ Hördenstraße, im Süden – am Hang – die Klutert mitsamt Kleingartenanlagen und Sportplatz. Und im Norden – somit im Tal der Ennepe – verläuft parallel zur Ennepe und zur alten, vor genau 225 Jahren zur Chaussee ausgebauten Handelsstraße (der heutigen B7) seit 1848 die Bergisch-Märkische Eisenbahnstrecke. Dazwischen befindet sich rund um den Konrad-Adenauer-Ring bekanntlich das in den letzten acht Jahren rasant gewachsene Gewerbegebiet Kückelhausen, das 2008 weitgehend vollendet wurde.

Eine breite Einmündung ersetzt den ehemaligen Engpass an der Reh-/Wehringhauser Straße. Die Bauarbeiten zur Aufweitung der Rehstraße und ihre Anbindung an die Wehringhauser Straße starteten im Dezember 2011, die Maßnahme wird im Sommer vollendet. (Foto: Michael Eckhoff)

Bleiben wir kurz bei der Eisenbahnstrecke. Ziemlich genau 165 Jahre ist es her, dass Hagen einen Eisenbahnanschluss bekam – gebaut wurde die Strecke seinerzeit von der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft (BME). Diese Gesellschaft war es denn auch, die rund drei Jahrzehnte später die Talbahnstrecke schuf. Die Talbahn? Das war jene Trasse, auf der lange Zeit die legendären Teckel verkehrten und auf der die Erz- und Kokszüge zur Hasper Hütte rollten. Von der Talbahn ist heute fast nichts erhalten geblieben.

Noch eine dritte Strecke entstand einstmals im Tal: die Rheinische Eisenbahn. Die RhE war eine Konkurrenzgesellschaft zur BME – sie wollte vom damals boomenden Eisenbahnknotenpunkt Hagen mit seiner bedeutenden Industrie profitieren. Doch kaum war die RhE-Strecke fertiggestellt, machte sich Reichskanzler Bismarck daran, die wichtigsten preußischen Eisenbahngesellschaften zu verstaatlichen. Heute fahren alle Durchgangszüge auf der BME-Trasse, der größte Teil der RhE-Strecke ist hingegen den S-Bahnen vorbehalten.

Fast vollendet

Zurück zum Gewerbegebiet. Auch alle Wege und Straßen sind hier fast fertiggestellt, nur der Ausbau eines kleinen „Stückchens“ Rehstraße ist noch nicht hundertprozentig vollendet – und zwar im unteren Bereich. Das heißt, es geht um jenes Stückchen Rehstraße, das den Adenauer-Ring mit der Wehringhauser Straße verbindet (mitsamt Bahnbrücke).

Die Bauarbeiten zur Aufweitung der Rehstraße und ihre Anbindung an die Wehringhauser Straße starteten im Dezember 2011, die Maßnahme wird im Juni 2013 abgeschlossen. Die Baukosten für Straßenbau, Beleuchtung und Verkehrstechnik betragen etwa 560.000 Euro. Die Kosten der Gesamtbaumaßnahme (inklusive Neubau der Bahnbrücke) belaufen sich auf circa sechs Millionen Euro, davon werden rund vier Millionen Euro durch NRW-Fördermittel abgedeckt. Der Eigenanteil der Stadt Hagen summiert sich auf eine Million Euro.

Insgesamt galt es, an der Rehstraße 2500 Quadratmeter an Fahrbahnflächen und 1000 Quadratmeter an Gehwegen herzustellen. Die vorab gebaute Anbindung an die Wehringhauser Straße erfolgte aufgrund der besseren Erschließung der anliegenden neuen Gewerbeflächen (Waschstraße, Möbelspeditionen).

Noch nicht ganz fertig ist auch der Eckbereich Rehstraße/ Konrad-Adenauer-Ring. Hier wird über den Sommer hinweg gearbeitet. Die Baukosten betragen 300.000 Euro. Hierzu gehören auch ein Parkplatz für zwölf Autos und die neue Anbindung an ein Autohaus.

Mit diesem allerletzten Lückenschluss im Verlauf der Rehstraße ist die endgültige Fertigstellung der Südumgehung Haspe verknüpft. Sie beginnt in Niederhaspe an der Gesamtschule und erreicht an der Leimstraße das Gewerbegebiet Schlackenmühle/Kückelhausen.

Ein moderner ICE auf traditionsreicher Strecke: Ziemlich genau 165 Jahre ist es her, dass Hagen bereits einen Eisenbahnanschluss bekam – gebaut wurde die Strecke seinerzeit von der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft (BME). (Foto: Michael Eckhoff)

Früher Standort der Drahtstraße

Auf dem Gelände des heutigen Gewerbeparks Kückelhausen stand bekanntlich, die älteren Leser können sich bestens erinnern, einst ein Kernstück der Hasper Hütte: die Feineisen-/Drahtstraße. Das heißt: Hier wurde über Jahrzehnte hinweg Draht fabriziert. Über die letzten Klöckner-Jahre berichtet Heimatforscher Jochen Becker in dem Buch „Hasper Gold“ (Lesezeichen-Verlag, Hagen 1997) auf den Seiten 35 und 36:

„Bereits 1968 hatte der Klöckner-Vorstand die Stilllegung der Metallurgie in die Diskussion gebracht, unter anderem wegen heftiger Proteste aber mehrmals vertagt. Am 8. März 1972 beschloss der Aufsichtsrat der Klöckner-Werke endgültig das Aus für die Metallurgie, wodurch 2195 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren. Resigniert vermerkt der IG-Metall-Bericht 1972: ’Am 31. Juli 1972 wurde zum letzten Male nach einer 125-jährigen Werksgeschichte auf der Hütte Stahl gekocht. Die Hochofenanlage einschließlich Sinteranlage, das Thomasstahlwerk, die Halbzeugstraße II und die dazugehörigen Energie- und Nebenanlagen stellten ihren Betrieb ein. Das Hasper Gold war verschwunden.“

In Haspe – genauer in Kückelhausen – verblieb nur noch die Feineisen-/Drahtstraße mit 950 Beschäftigten. Aber auch nicht mehr sonderlich lange. 1980 wurde die Verkaufsabteilung geschlossen. Im Juni 1982 beschloss Klöckner das endgültige Aus. Der IG-Metall-Bevollmächtigte Kurt Rudolph nannte die Schließung eine Katastrophe; die Belegschaft reagierte mit Niedergeschlagenheit: „Jahrelang haben wir Klöckner die Treue gehalten, die Hasper Kapazitäten waren zu 95 Prozent ausgelastet. Jetzt fliegen wir!“

Heute existiert hier gottlob wieder ein Gewerbegebiet – mit einer bunten Mischung. Vor allem Autohandelsfirmen haben sich am Adenauer-Ring niedergelassen. Und Bildungseinrichtungen. Auch die Kreishandwerkerschaft, die Agentur Mark, der Verlag Hinnerwisch, karitative Einrichtungen und vieles mehr lassen sich heute in diesem geschichtsträchtigen Areal entdecken…