Mahner in Kriegszeiten: Hilferuf der Capek-Gesellschaft

Hagen. (san) Sie tritt für Völkerverständigung und Humanismus an und begeistert die Besucher ihrer Ausstellungen – die Hagener Capek-Gesellschaft ist gerade in der jetzigen Zeit von aufkommendem Nationalismus, gar Rassismus, Hetze und Krieg eine aktuelle Mahnerin.
Die 1983 in Dortmund gegründete Gesellschaft bewahrt das Vermächtnis der tschechischen Brüder Josef und Karel Capek. In diesem Jahr ist der Verein 25 Jahre in Hagen beheimatet. Seine erfolgreichste Ausstellung „Geschichte aus der Nähe“ tourt seit langer Zeit quer durch Deutschland und wird jetzt zum 150. Mal gezeigt, aktuell in Recklinghausen, in wenigen Wochen nahe Bayreuth.
Und dann jährt sich der Geburtstag Josef Capeks 2017 zum 140. Mal – drei Anlässe zum Jubeln, aber Vorstand Dr. Ulrich Grochtmann und seine Mitstreiter treibt akut die Sorge um die Zukunft um.
Archiv vonnöten
Seit Jahren suchen sie dringend eine Bleibe für die über 10.000 Zeitungsausschnitte sowie die fast vollständige Ausgabe der ehemaligen Prager Tageszeitung „Sozialdemokrat“. Einen großen Teil machen Sammlungen wie Flugblätter, Plakate und Skripte zu Themen aus Geschichte und Politik aus. Noch lagern diese Schätze in privaten Kellern.
Einen Raum als Archiv sowie zur Vorbereitung der Ausstellungen (neben der genannten Schau bietet die Gesellschaft etwa auch die international laufende Wanderausstellung „Politische Karikaturen von 1933-1938“) wünschen sich die Aktiven. Auch müssten die Interessierten, meist Lehrer und Schüler, nicht an den Wohnzimmertischen der Gesellschafter stöbern.
Mit der hiesigen Fernuniversität stand man jüngst in Verhandlungen. Doch diese Möglichkeit scheiterte aus Kapazitätsgründen.
Politisch hochaktuell
Während der jüngere Karel als Dramenschreiber Beachtung fand, illustrierte und schrieb Joseph Capek u.a. Kinderbücher. Aber vor allem seine politischen Karikaturen sind es, mit denen die Ausstellungen der Gesellschaft bestückt sind.
Diese Grafiken entstanden unter dem Eindruck alamierender Nachrichten aus dem deutschen Nachbarstaat, italienischer Aggression sowie des spanischen Bürgerkriegs und schließlich des Münchner Abkommens. Für seine Arbeiten hat Josef Capek mit dem Leben bezahlt. Verhaftet am 1. September 1939, verlieren sich seine Spuren im KZ Bergen-Belsen.
Die Capek-Gesellschaft ergänzt ihr Programm durch Exkursionen, Seminare und Vorträge sowie Sprachkurse. Diese dienen auch zur Aufarbeitung von Themen aus den Bereichen Rassismus, Meinungsmanipulation oder Rüstung. „Seine Bilder sind von brennender Aktualität“, hat der Schriftsteller Max von der Grün über Josef Capek gesagt.
Die Gesellschaft ist mit ihren rund 60 Mitgliedern zwar ein kleiner Verein, aber ihr Anliegen für das friedliche Miteinander ist ein ganz großes: „Auch Kleinvieh macht Mist, unter Umständen sogar einen Dung, der einen fruchtbaren Nährboden für weitere Vorhaben schafft,“ hofft Dr. Grochtmann auf eine dauerhafte Lösung für die zukünftige Arbeit der Hagener Capek-Gesellschaft in diesem Jubiläumsjahr.
Kontakt: Tel. 02331 / 54028, E-Mail Capek-Gesellschaft-Hagen@t-online.de.