„Mein Garten ist ein Schlachtfeld!“

Ihr Gartenhaus kann Rita Krüger schon lange nicht mehr erreichen. Auch wenn jetzt alles überwuchert ist, klaffen tiefe Löcher im Boden, die von den Wildschweinen gegraben wurden. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Die Spur der Wildschweine zieht sich schon lange quer durch Nordrhein-Westfalen. Die Tiere verursachen immense Schäden und vermehren sich prächtig. Jäger, Landwirte und Behörden suchen verzweifelt nach Strategien. Die Situation ist ernst. Die Wildschweine sind vielerorts tatsächlich zur Plage geworden.

Hier war einmal ein blühender, gepflegter Garten. Nach mehrfachen „Übergriffen“ der Wildschweine ist von der Zierde nichts mehr über. (Foto: Anna Linne)

Davon kann die 75-jährige Rita Krüger aus der Buntebachstraße ein Lied singen, denn ihr Haus liegt direkt am Wald. Seit Januar 2011 finden sich die Wildsauen regelmäßig auf ihrem Grundstück ein und pflügen den Boden von unterst zu oberst. Nichts steht mehr da, wo es einmal war. Keine Blume, keinen Strauch haben die Tiere verschont. Zuletzt tobten sich die „Schwarzkittel“ am 6. Juli 2012 bei ihr so richtig aus. „Ich kam mit meinem Auto nicht mehr aus der Garage heraus, weil die Zufahrt völlig mit dicken Erdklumpen bedeckt war“, berichtet Rita Krüger, die mit eigenen Händen den Schaden beseitigen musste. Die Wiese hinter dem Haus ist nicht mehr zu betreten. Riesige Löcher klaffen in der Erde und die Gefahr, da hinein zu stürzen, ist groß. „An mein Gartenhaus komme ich gar nicht mehr heran.“

Einzäunen kann die alte Dame ihr großes Grundstück nicht, dazu ist die Rente einfach zu gering. „Ich kann auch nicht immer einen Gärtner bezahlen, der die Schäden beseitigt“, bedauert die alte Dame. Gespräche mit der Stadt und der Jägerschaft führten nicht zum gewünschten Erfolg. Jetzt, nach den erneuten Einfällen – der letzte war am 15. Juli 2012 – fürchtet Rita Krüger auch die Begegnung mit den Tieren. „Ich möchte so einer Rotte oder auch nur einem einzelnen Schwein nicht gegenüberstehen, wenn ich einmal spät nach Hause komme“, sagt sie angsterfüllt. Sie habe auch schon davon gehört, dass Wildschweine über die Terrasse ins Wohnzimmer spaziert sind. Am liebsten wäre es der alten Dame, wenn sich die Jäger auf ihrem Grundstück postierten und alles abknallten, was sie vor die Flinte bekommen, so eine Wut hat sie auf die Schweine. Untätigkeit und Ignoranz wirft sie der Stadt Hagen und den Jägern vor.

Jäger sind aktiv

Die sind sich allerdings keiner Schuld bewusst, denn in den letzten Jahren haben sie bei revierübergreifenden Jagden reichlich Wildschweine vor die Flinte bekommen. „Momentan“, so der städtische Förster Michael Knaup, „dürfen allerdings nur Frischlinge geschossen werden. Denn die Gefahr der Schweinepest ist eingedämmt, so dass die halbwüchsigen Tiere im Moment verschont bleiben müssen. Erst ab dem 1. August wird dann die offizielle Jagd-Saison wieder eröffnet.“

Schwierig werde die neue Jagd auf Wildschweine schon, weiß Knaup, denn viele Frischlinge hätten selber schon wieder Nachwuchs. So müsse man mit großer Sorgfalt an die Jagd gehen, damit man die Kleinen nicht mutterlos und damit führungslos schieße. Auch die Bachen, also die weiblichen Leittiere, müssten unbedingt verschont bleiben. So verlange es auch der Tierschutz. Man brauche viel Erfahrung und Geduld, um zu erkennen, welche Schweine geschossen werden dürften, erklärt Knaup.

Ein Zaun hilft

Der Waldanwohnerin Rita Krüger könne nur ein Zaun ums Grundstück wirklich helfen, wollte sie sich von der Plage dauerhaft befreien, denn Wildschweine springen nun mal nicht gerne, weiß Knaup. „Entschädigung für Wildschweinschäden gibt es nur für landwirtschaftlich genutzte Flächen, nicht für Privatgrundstücke“, weiß Knaup, „aber wir beraten die Leute gerne, wie sie sich vor den Wildsäuen schützen können.“