Mieter retten ihr Hab und Gut

Die Bewohner des am 30. April durch eine Explosion erschütterten Hauses Rolandstraße 27 durften jetzt unter der Aufsicht der Polizei, des Bauordnungsamtes und der GWG ihre persönlichen Dinge aus den Wohnungen holen. Sie hatten dafür nur eine Viertelstunde Zeit, denn das Gebäude ist extrem einsturzgefährdet. (Foto: Anna Linne)

Haspe. (anna) Es waren zwei kräftige Explosionen, die am Freitag, 30. April, gegen 16.50 Uhr die Bewohner des Hauses Rolandstraße 27 in Haspe aus ihrer Normalität rissen. Zweimal, so die Bewohner, habe ein fürchterlicher Knall das Haus zum Beben gebracht, bevor dann das Feuer ausbrach…

In dem Sechsfamilienhaus, in dem eine deutsche und vier türkischstämmige Familien lebten, war eine Wohnung frei. Die Neumieter hatten sie zwar schon renoviert, aber noch nicht bezogen. Das war ihr Glück. Als beim Eintreffen der Rettungskräfte weiterhin Gas austrat, mussten auch die umliegenden Häuser schnell evakuiert werden. 31 Menschen wurden erst in Bussen, später in Zelten versorgt. Sieben Menschen wurden durch die Explosion verletzt, alle anderen kamen mit dem Schrecken davon.

Amtliche Schließung

Noch während der Löscharbeiten stellte ein Statiker des Bauordnungsamtes unmissverständlich fest: „Das Gebäude ist stark einsturzgefährdet.“ Das Bauordnungsamt verfügte deshalb noch an jenem Freitagabend die sofortige Schließung, sperrte sogar das Gelände weiträumig ab. Nun konnte weder die Polizei ihre Ermittlungen fortführen, noch konnten die Bewohner ihr Hab und Gut in Sicherheit bringen. Immerhin schaffte es die Polizei am drauffolgenden Mittwoch, im Keller deponierte Propangasflaschen, die wahrscheinlich für die Explosion verantwortlich waren, von außen hervorzuholen.

Für die Bewohner bestand am Brandtag absolut keine Chance, irgendetwas zu retten. Nur mit dem, was sie auf dem Leibe hatten, mussten sie den Unglücksort verlassen. Das Haus muss abgerissen werden, erklärte die GWG als Eigentümerin, die noch am selben Abend alles dafür getan hatte, um ihre obdachlos gewordenen Mieter gut unterzubringen.

Insgesamt waren acht Personen obdachlos geworden. Eine Mieterin hat außerhalb des GWG-Bestandes eine neue Bleibe gefunden. Ein junger Mieter will keine neue Wohnung beziehen, da er aus beruflichen Gründen Hagen verlassen wird; er ist vorübergehend bei Freunden untergekommen. Da keiner der Haubewohner eine Hausratsversicherung hatte, war der Verlust der persönlichen Sachen und den Mobiliars doppelt schlimm.

Für 10 Minuten

Erschütternde Szenen spielten sich teilweise vor dem Eingang des Hauses ab. Diese Bewohnerin, die mit ihrer Tochter ins „Geisterhaus“ durfte, reichten die zehn Minuten zur Wohnungsausräumung nicht. Sie klagte vehement Verlängerung ein. (Foto: Anna Linne)

Nach eingehender statischer Prüfung hatte sich das Bauordnungsamt jetzt entschieden, den Bewohnern des Hauses Rolandstraße 27 die Möglichkeit zu geben, persönliche Sachen aus der Wohnung zu holen. Am letzten Mittwoch, 7. Juli, durften die Bewohner zwischen 9 und 10 Uhr für rund zehn Minuten unter Aufsicht des Bauordnungsamts-Statikers Manfred Gilde ihre Wohnungen noch einmal betreten, um die wichtigsten Habseligkeiten zu retten.

Dramatische Szenen

Unter Aufsicht der Polizei, des Bauordnungsamtes und Vertretern der GWG wurden die Mieter dann ab 9 Uhr nacheinander ins Haus gelassen. Zu teilweise dramatischen Szenen kam es bereits bei den ersten Mietern, die sich partout nicht an die zehnminütige Ausräumzeit halten wollten. Nachdem sogar Mutter und Tochter die Wohnung betreten durften, handelte die Mutter schließlich unter großem Gezeter weitere fünf Minuten aus: Ein Rollstuhl wurde als erstes auf die Straße befördert, dann folgen Oberbetten, Decken, Pfannen und Töpfe. In bereitgestellten Umzugskartons konnten die Mieter ihre geretteten Habseligkeiten schnell verpacken. GWG-Leute halfen, die Kisten in Pkw zu verstauen. Es herrschte eine gespenstische Atmosphäre, schließlich ist das Haus seit Ende April komplett versiegelt.

Alle Mieter hatten letztlich dann doch eine Viertelstunde Zeit, um nach ihren persönlichen Dingen zu forschen. Bis 10.30 Uhr dauerte die Begehung des „Geisterhauses“, dann war der „Spuk“ vorbei. Wann das Haus endgültig abgerissen wird, steht noch nicht fest, da die Gebäudeversicherung erst noch den Wert ermitteln muss.