Mit dem Skateboard durchs Westjordanland

Hagen/Israel/Palästina. (th) Von Israel nach Palästina – auf dem Skateboard! Dieses waghalsige Abenteuer absolvierte der Hagener Marvin Sander im vergangenen Sommer. Gemeinsam mit dem Schweizer Luca Fischer skatete der 27-Jährige im Juli von Tel Aviv über Jerusalem bis nach Ramallah. Mit dem Wochenkurier sprach der junge Hagener, der übrigens ein Enkel des berühmten Ernst Meister ist, über seine Beweggründe, die packenden Erlebnisse auf der gefährlichen Reise und darüber, wie Skateboards die Welt verbessern können.

Den Wunsch, einen derartigen Trip mal zu machen, hatte der leidenschaftliche Skateboarder schon lange im Hinterkopf. Deshalb musste Marvin nicht lange überlegen, als er das Angebot bekam, sich für ein Filmprojekt auf sein Board zu schwingen und die ungewöhnliche Route in Angriff zu nehmen.

Von Tel Aviv nach Ramallah

Zehn Tage sollte die Reise dauern. Seinen Begleiter, den 19-Jährigen Schweizer Luca Fischer hatte er einst in Hagen – natürlich beim Skateboarden – kennengelernt, als dieser in Dortmund eine Ausbildung absolvierte und in der Volmestadt lebte.

Von Tel Aviv über Jerusalem nach Ramallah, so die grobe Reiseroute. Bei 40 Grad standen die beiden Abenteurer dabei teilweise elf Stunden auf dem Board, skateten durch bergiges, unwegsames Gelände genau wie über Hauptstraßen. Im Nachhinein schätzt Marvin es fast schon als Wunder ein, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Verzichten würde er auf dieses Erlebnis trotzdem auf keinen Fall.

Denn der Mut wurde mit vielen unbezahlbaren Eindrücken und Erlebnissen belohnt. Die neue Kultur und die Lebensweise der Menschen im Westjordanland beeindruckten die beiden Skateboarder sehr – und auch sie selbst sorgten vielerorts für Aufsehen, denn der Anblick von Skateboards stellt dort eine absolute Seltenheit dar.

Eine neun Meter hohe Mauer trennt Palästina von Israel. Marvin und Luca teilen den Wunsch vieler dort lebenden Menschen: Diese Mauer muss weg. (Foto: Das Departement Filmproduktion)
Eine neun Meter hohe Mauer trennt Palästina von Israel. Marvin und Luca teilen den Wunsch vieler dort lebenden Menschen: Diese Mauer muss weg. (Foto: Das Departement Filmproduktion)

Neun-Meter-Mauer

Sowohl in Israel als auch in Palästina überwogen die positiven Erfahrungen, auch wenn insgesamt die Menschen in Palästina einen offeneren und freundlicheren Eindruck auf Marvin machten. Dennoch mussten sie auch die negativen Aspekte erleben, die durch den Konflikt zwischen Israel und Palästina hervorgerufen werden.

Am Deutlichsten wird die Problematik sichtbar an der neun Meter hohen Mauer, die die beiden Länder voneinander trennt – ähnlich wie vor vielen Jahren in Berlin. Sie beschneidet empfindlich die Lebensqualität der Menschen dort, Marvins Erlebnissen nach zu urteilen vor allem auf Seiten der Palästinenser. Gerade vor diesem Hintergrund aber findet Marvin die Lebenslust besonders bemerkenswert, die die Bevölkerung, insbesondere auch die jungen Menschen, an den Tag legen.

In Ramallah hat sich die wohltätige Organisation „SkatePal“ vor einigen Jahren zum Ziel gemacht, das Skateboarding in Palästina zu verbreiten. Skateboarding stellt eine Möglichkeit dar, den jungen Menschen mit den so schwierigen Lebensbedingungen eine neue Perspektive aufzuzeigen. Mit großer Begeisterung reagieren viele Kinder und Jugendliche auf dieses Angebot.

Skateboards spenden!

Noch steckt die Skateboardszene dort in den Kinderschuhen, doch sie ist stetig im Wachsen begriffen. Marvin und Luca besuchten die Organisation, gaben ein paar Workshops für Kinder dort und waren schwer beeindruckt von dem Projekt.

Ein großes Problem ist, dass Skateboards in Palästina kaum zu bekommen sind. Deshalb ruft er dazu auf, Skateboards zu spenden. Auch alte Boards und Einzelteile wie Achsen oder Rollen, die hier vielleicht sowieso nur im Keller verstauben, werden benötigt und könnten in Palästina für Bewegung sorgen, in mehreren Hinsichten.

Wer etwas Spenden möchte, kann die Sachen mit Hinweis auf „SkatePal“ einfach im „I love ci“-Store in der Kampstraße abgeben. Noch vor Weihnachten möchte Marvin das erste Paket nach Palästina senden.